Musikindustrie

Berlins Musikindustrie geht mit Streaming in die Zukunft

Berlins Musikindustrie wappnet sich für die Digitalisierung. Nach Umsatzeinbußen geht es jetzt wieder aufwärts.

Audio-Streaming liegt bei inzwischen 24,1 Prozent Umsatzanteil am Gesamtmarkt, die Downloads liegen bei noch 12,2 Prozent

Audio-Streaming liegt bei inzwischen 24,1 Prozent Umsatzanteil am Gesamtmarkt, die Downloads liegen bei noch 12,2 Prozent

Foto: imago/Westend61

Die Wende ist geschafft, das Tal ist durchschritten. Zum vierten Mal in Folge verschafft das Streamen der Musikindustrie Wachstumszahlen. Der verhältnismäßig stabile Markt mit DVD und Vinylplatten machte Ende 2016 62,1 Prozent der Umsätze aus. Die CD allein erreicht trotz eines Minus von knapp neun Prozent immer noch rund 54 Prozent Umsatzanteil im Gesamtmarkt.

Shooting Star war im vergangenen Jahr die gute alte Vinyl-Platte: Auf sie entfällt durch ein Plus von 40 Prozent inzwischen ein Umsatzanteil von 4,4 Prozent. Daneben liegt das Audio-Streaming bei inzwischen 24,1 Prozent Umsatzanteil am Gesamtmarkt, die Downloads liegen bei noch 12,2 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Jahrbuch des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) hervor.

Berliner Label ist führend bei den Album-Charts

Mit einem Album-Charts-Marktanteil von 43 Prozent ist das in Berlin ansässige Label Universal Music der führende Player im Music Business – gefolgt von Sony und Warner. 17 Prozent des Marktes entfallen auf sogenannte Independent-Label – Musikunternehmen, die unabhängig von den drei führenden Konzernen sind. Universal Musics sogenanntes Artist Roster umfasst rund 5000 Künstler – von Netrebko bis Pavarotti, von Helene Fischer bis Rammstein.

Grafik vergrößern

Tonio Bogdanski spricht von einem "Wirbelsturm", wenn er den digitalen Wandel seiner Branche beschreibt. Er ist Finanzchef der Universal Music Group in Deutschland. "Zwischen den Jahren 2000 und 2012 ist der Umsatz der Branche um mehr als 40 Prozent eingebrochen." Seitdem geht es wieder bergauf. "Seit 2012 gab es ein Wachstum von elf Prozent", sagte der Musikmanager bei einem Vortrag beim Verein der Berliner Kaufleute und Industriellen.

Universal Music sieht im Streamen von Musik die Zukunft. Dieser Geschäftszweig sei im vergangenen Jahr um 70 Prozent gewachsen, sagte Bogdanski. "Das kannibalisiert zwar den Download, führt aber unter dem Strich trotzdem zu mehr Wachstum." Vor wenigen Tagen haben der Musik Streaming Service Spotify und Universal Music den Abschluss eines neuen, mehrjährigen Lizenzvertrags bekannt gegeben. Spotify bietet auf seiner Plattform 30 Millionen Titel an. Im Rahmen der Vereinbarung erweitern die beiden Unternehmen ihre Partnerschaft, um Musik Streaming weiter voranzutreiben und das volle Potential für Künstler, Labels und Fans auszuschöpfen. Dies umfasst ein umfangreiches Angebot an Musikerlebnissen sowie die Zusammenarbeit bei Marketingkampagnen.

"Die Nutzung steht im Mittelpunkt, nicht der Besitz von Musik"

"Die Nutzung steht im Mittelpunkt, nicht der Besitz von Musik", beschrieb Bogdanski das Geschäft der Zukunft. In der Musikindustrie sei der aktuelle digitale Wandel ebenso tiefgreifend wie in der Mobilitätswirtschaft (Carsharing) und in der Hotellerie (Airbnb).

Die Digitalisierung hat die Musikindustrie grundlegend verändert. Internetplattformen sind wichtige Marketingkanäle geworden. Auf die jeweiligen Top 10 bezogen, stammten 60 Prozent der Star-Accounts mit den meisten Likes bei Facebook von Musikgrößen, ebenso 70 Prozent der erfolgreichsten Twitter-Accounts, und 90 Prozent der erfolgreichsten YouTube-Clips seien Musikvideos. Trotzdem leide die Musikindustrie unter einer Wertelücke, wie Bogdanski sagte: Auf der einen Seite stehen die Künstler, die Musik schaffen. Auf der anderen Seite steht die Google-Tochter YouTube, die praktisch nichts an die Musikindustrie zahlt.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung des internationalen Musik-Dachverbandes IFPI. Danach fließt von YouTube im Schnitt pro Jahr und Nutzer weniger als ein US-Dollar an die Musikindustrie (während es etwa bei Spotify, das reguläre Lizenzen zahlt, 18 US-Dollar sind).

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene