Mord an Pferdewirtin

Frau in Berlin-Lübars wegen Lebensversicherung ermordet

Wendung im Fall Christin R.: Ein Auftragsmörder soll die Pferdewirtin getötet haben - für 1000 Euro. Als Motiv vermutet die Polizei Habgier.

Routine gehört zum Job der Ermittler der Mordkommission. Aber der Mord an der 21 Jahre alten Christin R. aus Lübars schockt selbst die erfahrensten Beamten. Denn anders als bisher angenommen kann die Polizei inzwischen nicht mehr davon ausgehen, dass Robin H. (23) seine Freundin Christin R. selbst tötete. Vielmehr soll er zwei weitere Männer und eine Frau in die Tat mit einbezogen haben. Einer der Männer soll Christin R. dann auf einem Weg nahe dem Freibad in Lübars getötet haben – für 1000 Euro. Wie berichtet, hatte eine Spaziergängerin dort die Leiche der 21 Jahre alten Pferdewirtin in den frühen Morgenstunden des 21. Juni gefunden. Eine Obduktion ergab, dass sie erwürgt worden war.

Töten für 1000 Euro

Das Motiv soll nach derzeitigem Ermittlungsstand eine Lebensversicherung in Höhe von 245.000 Euro gewesen sein, die Christin R. Anfang Juni zugunsten ihres Freundes Robin H. abgeschlossen hatte. Der 23-Jährige, der einen Reiterhof im brandenburgischen Friesack nordwestlich von Berlin betreibt und ein talentierter Pferdesportler sein soll, wollte durch die Ermordung seiner Freundin an das Geld kommen und sich davon offenbar einen Pferdehof im nordrhein-westfälischen Dorsten kaufen. Weil er wohl Skrupel hatte, Christin R. selbst zu töten, weihte er eine 26 Jahre alte Frau ein, die er vom Reitsport aus Nordrhein-Westfalen kannte. Die 26-Jährige soll dann ihren 23 Jahre alten Bruder, der schon mal im Gefängnis saß, um Hilfe gebeten haben. Der wiederum stellte den Kontakt her zu einem ehemaligen Mitgefangenen (22). Für 1000 Euro soll der sich bereit erklärt haben, Christin R. zu töten.

Jutta Porzucek, Leiterin der Berliner Mordkommissionen, sagte am Freitagvormittag bei der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz: "Es handelt sich um eine perfide geplante Tötung." Und während sie die neuesten Ermittlungsergebnisse mitteilte, fiel immer wieder das Wort "kaltblütig".

Opfer unter Vorwand zum Freibad gelockt

Am Tattag rief Robin H. bei Christin R. an und lockte sie unter einem Vorwand in die Nähe des Freibads. Nach Angaben der Polizei soll Christin R. zu diesem Zeitpunkt bereits Angst vor ihrem Freund gehabt haben oder zumindest misstrauisch gewesen sein. Sie war erst kurz zuvor von H.'s Hof im brandenburgischen Friesack (Havelland) ausgezogen und zu ihren Eltern nach Lübars zurückgekehrt.

Um sich nicht alleine mit Robin H. treffen zu müssen, nahm Christin R. eine Freundin mit. Laut Polizei soll der Auftragskiller dort bereits im Gebüsch gewartet haben. Weil die Freundin dabei war, setzte er allerdings die Tat zunächst nicht um. Nachdem Christin R. wieder nach Hause gegangen war, rief Robin H. sie erneut an. Er wolle sie noch einmal treffen. Auch eine 26 Jahre alte Bekannte würde mitkommen, die Christin R. ein Pferd abkaufen wolle.

Christin R. kannte die 26-Jährige bereits über ihren Freund, sie soll der 21-Jährigen nach Angaben der Polizei sogar sympathisch gewesen sein. Im Vertrauen, nicht alleine auf ihren Freund zu treffen, ging Christin R. also erneut zum Treffpunkt. Dort sollen sie Robin H. und die 26-Jährige dann zu einem Auto gelockt haben. Von hinten habe sich dann der Täter herangeschlichen und Christin R. erwürgt.

Auch der Berliner Oberstaatsanwalt Michael von Hagen meint: "Es handelt sich hier um eine sehr perfide geplante Tötung im gutbürgerlichen, gehobenen Milieu."

Die Polizei hatte Robin H. bereits kurz nach der Tat festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Der Ex-Freund habe bislang alles abgestritten. Jedoch wisse er noch nicht, dass seine drei Komplizen gefasst seien und Geständnisse abgelegt hätten. Seit Donnerstag sitzen sie in U-Haft. Im Verhör soll H. nun mit den neuen Erkenntnissen konfrontiert werden.

Handydaten führten auf die Spur

Die Auswertungen von Handydaten führten die Ermittler auf die Spur der anderen drei Verdächtigen. Sie wurden in dieser Woche in Nordrhein-Westfalen aufgespürt und sollen bald nach Berlin überstellt werden. Nach Angaben der Leiterin der Berliner Mordkommissionen räumte der Auftragsmörder die Tat zunächst ein, streitet sie aber inzwischen ab. Die 26-Jährige habe sich hingegen ausführlich zur Tat eingelassen. Anders als bei Robin H. und dem Auftragsmörder sollen die 26-Jährige nicht finanzielle Absichten angetrieben haben. Sie soll in Robin H. verliebt gewesen sein und sich eine gemeinsame Zukunft mit ihm auf dem Gestüt in NRW erhofft haben. Robin H. hatte ihr offenbar verschwiegen, dass er eine Beziehung mit Christin R. führte. Vor der Tat soll die 26-Jährige sogar selbst versucht haben, Christin R. umzubringen. Bei einer Verabredung in einer McDonalds-Filiale mischte sie nach Angaben der Polizei K.O.-Tropfen in R.'s Getränk. Doch das Gift wirkte nicht.

Rätsel gibt den Ermittlern eine weitere Attacke auf, die auf Christin R. verübt wurde. Im Frühjahr soll die junge Frau durch Messerstiche verletzt worden sein, der Täter ist jedoch noch unbekannt. Damals hatte Christin R. Anzeige erstattet und die Mutter ihres Freundes bezichtigt. "Wir haben ganz arge Zweifel, dass sie etwas mit der Tat zu tun hat", sagt Porzucek. Warum Christin R. die Mutter von Robin H. ins Spiel brachte, ist unklar.

Rätsel um die Versicherung

Zweifel hegt die Chefin der Mordkommissionen auch daran, dass Christin R. die Lebensversicherung zugunsten ihres Freundes freiwillig abgeschlossen hat. Möglicherweise seien Unterschriften gefälscht worden oder Christin R. auf andere Weise zum Abschluss der Versicherung genötigt worden sein. Und möglicherweise gibt es noch weitere Versicherungsverträge. Neben den anstehenden Ermittlungen, um die Hintergründe und den Ablauf der Tat gänzlich aufzuklären, stehen nun auch rechtliche Prüfungen an. Die Staatsanwaltschaft muss jetzt klären, ob sie die Tatverdächtigen alle als "Mittäter" oder womöglich nur als "Anstifter" oder "Gehilfen" anklagt.

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