U-Bahnhof Westhafen

Sprayer übersprühen unter Lebensgefahr Menschenrechte

Die Zitate aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind unter anderem deportierten Juden gewidmet. Die BVG reagiert entsetzt.

Dieses Foto wurde bei Instagram kritisch kommentiert

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Foto: Screenshot Instagram/mitvergnuegen

Am U-Bahnhof Westhafen haben Graffitisprayer die an die Kacheln angeschriebenen Menschenrechte teilweise übersprüht. Bei letzteren handelt es sich um einen Beitrag im Rahmen der Aktion "Inscrire - die Menschenrechte schreiben".

Bei der BVG reagiert man verärgert bis entsetzt. "Ich finde es irritierend, dass ausgerechnet die Menschenrechte übersprüht wurden", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. "Das ist einfach nicht in Ordnung und hat mit Freiheit der Kunst nichts zu tun! Es gibt auch die Freiheit der Menschenrechte." Auch der große Leichtsinn der Sprayer entsetze sie: "Es wurde unmittelbar neben der Starkstrom-Schiene gesprüht. Die Verursacher waren dabei in akuter Lebensgefahr. Ein falscher Fußtritt - und das wars. Es ist kreuzgefährlich!" Zudem entstünden durch die Entfernung des auf die Kacheln gesprühten Bildes einer U-Bahn erhebliche Kosten.

Insgesamt verursacht Vandalismus - dazu zählt auch Graffiti - der BVG jährlich einen Schaden von rund vier Millionen Euro. Kosten, die letztlich auch auf die Ticketpreise durchschlagen.

Der Westhafen liegt in der Nähe der einstigen Hinrichtungsstätte Plötzensee, in der rund 3000 Menschen aus politischen und religiösen Gründen sowie wegen ihrer Abstammung ihrer Freiheit beraubt und hingerichtet wurden. Über der Station liegt die Putlitzbrücke, von der aus während der Nazi-Zeit jüdische Bürger Berlins in die Konzentrationslager abtransportiert wurden.

Die Philosophin Barbara Reiter hat Abschiedssätze der Ermordeten mit dem Text der Menschenrechte auf den Fliesen der U-Bahn-Station kontrastiert. Dieses Werk ist nun teilweise mit Graffiti übersprüht. "Falls da der Anspruch kommt, das sei Kunst, finde ich das völlig unpassend", so Reetz. Ihr gefallen die Kommentare, die Nutzer bei Instagram zu dem dort geposteten Bild geschrieben haben: "Ist es wirklich Kunst, die Menschenrechte zu übersprühen? Ich denke: #daskannweg", schrieb jemand. Und "Auf Kunst ist keine Kunst. Oder zumindest an unpassender Stelle."

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