Konzert in Berlin

Sarah Connor reißt ihr Publikum mit

Die Musikerin spielte in der Mercedes Benz Arena das Auftakt-Konzert ihrer verlängerten „Muttersprache“-Tournee.

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Schwarze Lederjacke, schwarze Lederhose, schwarzer Hut: Sarah Connor ist zurückgekommen. Zurück nach Berlin in die Mercedes Benz Arena, wo sie vor einem Jahr ihre nun verlängerte "Muttersprache"-Tournee begann. Ein Comeback im allerbesten Sinne des Wortes: Die 2015 erschienene gleichnamige Platte hat den Dreifach-Platin-Status erreicht – es ist Connors erfolgreichstes Album überhaupt. Mittlerweile wurde es über eine Million Mal verkauft.

Sie beginnt ihr Konzert mit den Worten: "Ich komme gerade von der Milchbar". Ihr jüngster Sohn Jax werde gerade von der Oma versorgt – das verschaffe der Mama zwei Stunden Freizeit, um ein Konzert zu geben. Die Halle bebt vor Lachen. Eben im Januar zum vierten Mal Mutter geworden, steht Connor schon wieder auf der Bühne. Kein Hindernis: Schon 2016 spielte sie ihre Konzerte schwanger.Sarah Connor live in Berlin 2017 - Tickets, Termin & Show

Sarah Connor ist ein Kraftpaket und diese Kraft ist es, die die Fans auch heute begeistert. Wie in dem Song "Anorak", in dem eine alte Beziehung gleich einem Kleidungsstück abgelegt, ja weggeworfen wird. "War mir eh zu groß", knurrt Connor ins Mikrofon. Das Publikum singt textsicher mit. Dann drückt sie ihre Schultern durch: Als müsste sie das Lied von sich stoßen. Trotz ihrer oft ernsten und ergreifenden Lieder muss Connor aber immer wieder unvermittelt lachen. Sie wirkt überrascht davon, dass das Publikum sich so mitreißen lässt von ihren deutschen Texten.

Es ist ein ehrliches, lockeres Lachen von ansteckender Natürlichkeit. Für diese erhält sie begeisterte Zurufe aus der Menge, greift sie auf und kommt so mit ihren Fans ins Gespräch. Sie liest Plakate vor, holt einen Fan auf die Bühne und nimmt sich volle zwei Minuten Zeit, um ein Selfie zu schießen. "Will noch jemand ein Foto?", fragt sie grinsend ins Publikum. Sarah Connor gibt sich "down to earth", wie es neudeutsch heißt. Bodenständig. Die Authentizität der Sängerin macht aus dem Riesenevent mit 14.000 Zuschauern ein privates Erlebnis.

Natürlich ist auch ein Medley der alten englischen Hits Pflicht. "From Sarah With Love" hallt durch die Arena wie ein Echo aus längst vergangenen Zeiten. Dazu blitzen schrille Banner und neongrelle Schilder über die Leinwand. Eine schöne Erinnerung für die Nostalgiker, aber die Botschaft ist klar: Da steht eine reifere Sarah Connor und nicht mehr das Popgirl der 2000er-Jahre. Ihre Texte befassen sich nun mit bedeutungsschwangeren Großthemen wie der enttäuschten Liebe, dem sicheren Tod, echter Freundschaft und dem Glück der Elternschaft. Sie scheut auch nicht politische Reizthemen: Mit "Augen auf!" singt sie ein Lied, das zu politischer Courage in Zeiten von Flucht und Vertreibung auffordert – und bezieht klar Position.

Connors "Muttersprache"-Platte, ja ihr neuer Stil, erinnert an eine Mischung aus Hartmut Engler (PUR) und Helene Fischer – aber auf eine irgendwie ruchlose Art. Live schafft sie es, die größte Gefahr des Pop, den Schwulst, erfolgreich zu umschiffen, und sei es nur durch ein Augenzwinkern oder einen lässigen Kommentar. Diese Sarah Connor wirkt angekommen. Nachdem sie mit Henning Wieland "Bonnie & Clyde" gesungen hat, beglückwünscht sie dieser auf der Bühne zu der bedeutenden Neuentwicklung, die sie absolviert habe. Sarah Connor nuschelt ins Mikrofon: "Ich hab mich gar nicht neu erfunden. Ich bin einfach so wie ich bin." Glaubt man ihr.

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