"The Fritz"

Mikroapartments bringen "temporäres Wohnen" nach Moabit

Baustart für 266 Mikroapartments an der Lehrter Straße. „The Fritz“ setzt auf temporäres Wohnen. Im Luxus und auf kleinem Raum.

Bis Mitte 2019 will   die Berliner Groth Gruppe einen 57 Meter hohen Turm mit 266 Wohneinheiten fertigstellen. Die Mietdauer beträgt maximal zwei Jahre

Bis Mitte 2019 will die Berliner Groth Gruppe einen 57 Meter hohen Turm mit 266 Wohneinheiten fertigstellen. Die Mietdauer beträgt maximal zwei Jahre

Foto: Zabel Property group / Zabel property group

Noch ist nicht viel mehr als eine große Sandgrube zu sehen vom Wohnhochhausprojekt "The Fritz" an der Lehrter Straße 23 in Moabit. Bis Mitte 2019 will hier die Berliner Groth Gruppe einen 57 Meter hohen Turm fertigstellen, auf dessen 18 Stockwerken 266 Wohneinheiten untergebracht werden sollen. 150 und damit die meisten dieser sogenannten Mikroapartments sind lediglich 22 bis 24 Quadratmeter groß.

Auch die übrigen Einheiten sind winzig: 52 Apartments werden rund 30 Quadratmeter groß und mit 52 Quadratmetern werden die 24 Zwei-Zimmer-Wohnungen bereits die größten im Gebäude sein. Mit preiswertem Wohnen haben die Mini-Apartments dennoch nichts zu tun: Die voll eingerichteten Wohnungen sollen von ihren späteren Eigentümern für eine Warmmiete inklusive aller Nebenkosten von 800 bis 1500 Euro im Monat vermietet werden.

"Das Wohnangebot richtet sich vor allem Berufseinsteiger, Projektmitarbeiter, Pendler oder Angestellte mit befristeten Verträgen, sowohl aus dem In- als auch dem Ausland", sagt Thomas Zabel, Vorstand der Zabel Property GmbH, die den Vertrieb der Wohnungen übernommen hat. Die Vermietung sei deshalb auch "temporär" ausgelegt. In diesem Falle bedeutet das konkret: Die Mietdauer muss mindestens sechs Monate und darf höchstens zwei Jahre betragen. Dass im Entwicklungsgebiet an der Lehrter Straße nicht nur insgesamt 1031 Wohnungen entstehen, sondern eben auch 266 Wohnungen, in den die Mietdauer sogar befristet wird, geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt Berlin. Im städtebaulichen Vertrag, den die Groth Gruppe mit dem Berliner Senat geschlossen hat, ist der Anteil temporärer Wohnungen festgeschrieben.

Große Arbeitgeber im unmittelbaren Umfeld

"Eine Auflage, mit der wir gut leben können, denn der Bedarf an solchen Wohnformen ist gerade in dieser zentralen Lage sehr groß", so Zabel. Im direkten Umfeld gebe es mehrere große Arbeitgeber – darunter etwa die Charité, Bayer, der Bundesnachrichtendienst oder die Deutsche Bahn –, die für ihre Angestellten immer mal wieder kurzfristig Wohnungen benötigten. Vor diesem Hintergrund würden besonders flächeneffiziente, kleine Wohnungen in zentraler Lage gesucht. "Das Haus wird deshalb auch über diverse Annehmlichkeiten verfügen, wie etwa eine großzügige Lobby, einen Concierge-Service, Fitnessstudio, Co-Working-Space und ein Bistro – ideal, wenn man fremd in der Stadt ist", so Zabel weiter.

Während die Vermietung später von einer auf dieses besondere Marktsegment spezialisierten Hausverwaltung übernommen werden soll, werden für die Apartments selbst nun Eigentümer gesucht. Der Verkauf der Mini-Wohnungen habe bereits begonnen, vermeldet die Zabel Property GmbH, die den Vertrieb der Wohnungen übernommen hat.

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"Die Kaufinteressenten kommen aus zehn Nationen", sagt Thomas Zabel. Neben Deutschen hätten unter anderem Interessenten aus Spanien und Frankreich, aber auch aus weiterer Ferne wie China und dem Nahen Osten Wohnungen reserviert. Wie viele Apartmets konkret vergeben seien, will er jedoch nicht sagen: "Dazu ist es so kurz nach dem Vertriebsstart noch zu früh", wehrt er ab. Die Kaufpreise sind für Berliner Verhältnisse sehr ambitioniert: Die Preise liegen, je nach Größe und Lage, zwischen 135.000 und 306.000 Euro.

"The Fritz" entsteht im Zentrum des Quartiers Mittenmang, einem gut fünf Fußballfelder großen neuen Stadtquartiers an der Lehrter Straße, wo sich bis 1952 das Bahnbetriebswerk des Lehrter Bahnhofs befand. Das nach den städtebaulichen Entwürfen des Architekturbüros Sauerbruch + Hutton geplante Viertel soll künftig über eine neue Brücke über die Gleise direkt mit der Europacity verbunden werden, die rund um die Heidestraße entsteht. Neben den 266 Mikroapartments entstehen allein an der Lehrter Straße noch 158 geförderte Mietwohnungen, die von der Degewo vermietet werden sollen, 482 frei finanzierte Mietwohnungen und 125 Eigentumswohnungen.

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