Computerspiele

Spielerisch in die Zukunft auf der #gamesweekberlin

Ab Montag werden bei der #gamesweekberlin 15.000 Besucher erwartet. Und Ubisoft eröffnet in Berlin ein Studio mit 50 Programmierern.

Eine Szene aus Assassin’s Creed von Ubisoft: Die Hauptfigur durchläuft die genetischen Erinnerungen ihrer Vorfahren und muss Abenteuer bestehen

Eine Szene aus Assassin’s Creed von Ubisoft: Die Hauptfigur durchläuft die genetischen Erinnerungen ihrer Vorfahren und muss Abenteuer bestehen

Foto: Ubisoft

Pünktlich zum Start des Computerspiel-Kongresses "#gamesweekberlin" am kommenden Montag kündigt der Spieleentwickler Ubisoft den Aufbau eines Entwicklerstudios in Berlin an. Zunächst 50 Softwareentwickler sollen in der deutschen Hauptstadt arbeiten. "Der Fokus des Berliner Studios wird auf der plattformübergreifenden Koproduktion von bekannten Ubisoft-Marken liegen", sagte Benedikt Grindel, Studiomanager von Ubisoft Blue Byte. "Als Teil des globalen Ubisoft-Studionetzwerkes von mehr als 12.000 Mitarbeitern werden in Berlin künftig weltweit erfolgreiche AAA-Spiele entstehen."

Damit sind Computerspiele gemeint, die ein Potenzial zum globalen Marktführer besitzen. Wie beim Film werden sie auch "Blockbuster" genannt. Die Berliner Ingenieure werden die Ubisoft-Kernmarken "Die Siedler" und "Anno" weiterentwickeln. Ferner sollen in dem Studio Inhalte für Großproduktionen wie "For Honor" und "Rainbow Six Siege" entstehen.

Mitarbeiterzahl ist um 13 Prozent gesunken

Die deutsche Spieleindustrie bewegt sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld: Nur sechs Prozent der AAA-Spiele stammen aus deutscher Produktion. Die Branche ist dennoch riesig und erzielt einen Jahresumsatz von unverändert 2,9 Milliarden Euro bei einer im Vergleich zum vorigen Jahr um 13 Prozent gesunkenen Mitarbeiterzahl. Allerdings ist die Zahl der Unternehmer leicht gestiegen: von 510 auf 521. Der Branchenverband BIU nutzte diese Zahlen, um eine stärkere staatliche Förderung und Steuervorteile für Softwareentwickler zu fordern.

Trends auszumachen ist schwierig: Die Industrie ist vielfältig und deckt ein Spektrum von digitalen Kreuzworträtseln bis zu epischen Spielformaten ab. Strategiespiele wie die Serie "Assassin's Creed", die seit 2007 ihre Fans begeistert und zuletzt sogar verfilmt wurde, kann als ein Trend bezeichnet werden. Ein weiterer sind die insbesondere in Deutschland beliebten Fußballspiele der "Fifa"-Reihe sowie Computerspiele, die auf eine Filmhandlung aufsetzen – wie zum Beispiel "Star Wars".

Die Branche ist schnelllebig: Spiele mit Computerbrillen (Virtual Reality), im vergangenen Jahr noch als Trend gefeiert, haben sich offenbar nicht wie erwartet durchgesetzt, hieß es am Rande einer Pressekonferenz. Dagegen sieht die Branche Potenziale bei digitalen Plattformen, die Dienstleistungen rund um eine Spielemarke ("Games as a service") anbieten: immer neue Inhalte oder neue Charaktere, wie Benedikt Grindel sagte. "Künstliche Intelligenz ermöglicht neue Erlebnisse in der Spielewelt", erläuterte Michael Liebe, Chef der Gamesweek und Gründer des unabhängigen Entwicklers Booster Space aus Berlin. "Spieler können in Mehrteilern ihre vorigen Erlebnisse weiterspinnen und Charaktere erinnern sich auch an die Spieler."

Die Spieleindustrie ist in Berlin inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor herangewachsen. "Rund 1500 Unternehmen erwirtschaften hier mit über 11.400 Mitarbeitern rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz", erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts.

Führende Unternehmen wie King, Bigpoint, Wooga oder nun auch Ubisoft entwickeln hier Spiele. Stark ist auch die Vermarktung mit Firmen wie Hitfox oder GameGenetics. Hinzu kommen Unternehmen wie die Sprachlernplattform Babbel, die an der Grenze zwischen Spiel und Bildung angesiedelt sind, sowie zahlreiche Indie-Studios, die unabhängig von den Branchengrößen Spiele entwickeln. Die gesamte Branche umfasst 200 Unternehmen.

Neue Weiterbildung zum Game-Programmierer

Zum Wachstum der Branche dürfte auch beigetragen haben, dass sowohl staatliche Hochschulen als auch private Bildungsträger (Games Academy, Macromedia) Studiengänge anbieten. Im September startet ein neues Angebot im Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik: Dort bietet die Fachschule für Game Programming eine zweijährige Vollzeit-Weiterbildung für zunächst 30 Programmierer, wie Abteilungsleiter Stefan Babst sagte, der noch Bewerber sucht.

Neu bei der #gamesweekberlin, die in diesem Jahr unter dem Motto "No games, no future" stattfindet, sind das Making Games Festival, bei dem sich Macher wie Glen Schofield (Call of Duty) oder Niklas Fegraeus (Star Wars) ihren Fans in der Station Berlin präsentieren, sowie das Turnier "GameCinema" mit Spielen auf der Kinoleinwand des "Babylon", bei denen jeder mitmachen kann. Gefördert wird die Berliner Games-Wirtschaft vom Medienboard mit jährlich 1,3 Millionen Euro.

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