Wetter in Berlin

Berlin erlebt den Frost im Frühling

Zu Beginn des Monats gab es Rekordtemperaturen und Sommerlaune, jetzt Sonne und Schneegraupel.

Britta Dekker, Musikerin, genießt eine Tasse Cappuccino in der Bergmannstraße in Kreuzberg

Britta Dekker, Musikerin, genießt eine Tasse Cappuccino in der Bergmannstraße in Kreuzberg

Foto: Anikka Bauer

Es hatte so schön angefangen: Anfang April erreichten die Temperaturen in Berlin und Brandenburg Höchstwerte. Gleich am ersten Wochenende kletterte das Thermometer auf bis zu 25 Grad, Parks, Cafés und Eisdielen waren begehrte Orte. Auf den Frühsommer im April folgte in dieser Woche die Ernüchterung: Minusgrade, kalter Wind und sogar ein paar Schneeflocken.

Wenigstens die Sonne ist geblieben. Aber trotzdem heißt es nach dem verregneten Osterwochenende erst mal: Frost statt Frühling. Auch am kommenden Wochenende und zu Beginn der nächsten Woche wird sich der April noch von seiner ungemütlichen Seite zeigen. "In der Nacht zu Sonnabend zieht eine Kaltfront über Berlin. Am Wochenende befinden wir uns auf deren Rückseite. Die mäßig kalte Meeresluft, die über die Stadt zieht, bringt einen Mix aus Sonne und Wolken und gelegentliche Schauer", sagt Stefan Hahn, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. "Mit Frost in Bodennähe ist in der Nacht zu Sonntag noch zu rechnen, ansonsten fallen die Temperaturen nachts auf ein bis drei Grad über null."

Ein schwacher Trost, wenn der Meteorologe darauf verweist, dass die Temperaturen für den April "wenn überhaupt nur leicht unterdurchschittlich" seien. Eine Rekordkälte wird es trotz Nachtfrost in dieser Woche also nicht geben.

Eisdielen machen eher mäßigen Umsatz

Dass man das Wetter in diesem Monat als viel zu winterlich und kalt empfindet, ist wohl auch der steigenden Vorfreude und der Ungeduld geschuldet, die sich in Berlin nach einem langen Winter zwangsläufig breitmachen. Wer vor lauter Frühlingseuphorie schon damit begonnen hat, seinen Balkon zu bepflanzen, muss an diesem Wochenende Maßnahmen treffen, damit die frische Blumenpracht nicht noch vor dem eigentlichen Balkon-Saisonstart das Zeitliche segnet. "Vor allem Geranien, Petunien und Fuchsien sind sehr frostempfindlich. Wer seinen Balkon bereits bepflanzt hat, sollte die Blumen über Nacht in die Wohnung bringen", sagt Gartenbautechniker Peter Bartos von der Gärtnerei "Der Holländer".

Wer in der Wohnung dafür nicht den Platz hat: Damit die Pflanzen nicht erfrieren, sollten Hobbygärtner sie möglichst wenig der Witterung aussetzen. Also die Blumen besser an der wärmenden Hauswand als mitten auf der Terrasse platzieren. Bei einem Temperaturabfall hilft es, die Pflanzen mit einer Plane oder Noppenfolie kurzzeitig abzudecken. Kleinere Töpfe kann man auf einen Tisch, größere Gefäße auf eine Styroporplatte stellen – als Isolierung gegen den Bodenfrost.

Wer noch nicht mit der Balkonbepflanzung begonnen hat, aber jetzt auf gar keinen Fall mehr damit warten will, kann winterharte Kräuter wie beispielsweise Thymian, Salbei und Rosmarin pflanzen, auch der Lavendel trotzt
frostigen Temperaturen.

Für Gartenbesitzer gilt: Jetzt ist die beste Zeit zum Pflanzen von Heckenpflanzen und winterharten Gewächsen. "Gerade herrscht die optimale Feuchtigkeit, wir befinden uns sozusagen in der Vollpflanzzeit", sagt Bartos. Mit Tomaten, Gurken, weichen Kräutern wie Basilikum und Petersilie sollte man hingegen noch warten, wenn man kein Gewächshaus hat. "Auch niedrige Nachttemperaturen von zwei bis drei Grad über null sind da schon problematisch", sagt Bartos.

Auch abseits von Balkon und Garten ist der Temperatursturz fühlbar. Kassem El-Hajj von der Eisdiele "Viktoria" spürt ihn vor allem in seiner Kasse. "Es ist jedes Jahr das Gleiche: Im April ist es bis auf die paar sonnigen Tage sehr ruhig. Gerade für kleine Eisdielen, die sich auf dem Markt noch nicht fest etabliert haben, ist das eine riesige Herausforderung. Wir sind schon lange im Geschäft und haben dieses Problem nicht mehr. Deswegen bleibe ich ruhig. Ich weiß aus Erfahrung: Nach dem Frost scheint auch wieder die Sonne, und ich verkaufe mein Eis."

Zumindest in der nächsten Woche dürfte es in seiner Kasse aber leider noch nicht so richtig klingeln. "Tagsüber erwarten wir zum Wochenbeginn Höchsttemperaturen zwischen elf und 14 Grad, nachts liegen die Tiefstwerte bei einem bis vier Grad", sagt Stefan Hahn vom Deutschen Wetterdienst. Es gilt also weiterhin: Zähne zusammenbeißen und vom Sommer träumen.

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