Trotz Verzögerungen

Mit der Sanierung der Staatsbibliothek geht es voran

Die denkmalgerechte Sanierung der Staatsbibliothek Unter den Linden ist zu 80 Prozent abgeschlossen. Ende 2018 soll alles fertig sein.

Rundgang auf einer Bauzwischendecke des historische Eingangsbereichs

Rundgang auf einer Bauzwischendecke des historische Eingangsbereichs

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Absperrgitter umstellen immer noch einen Großteil der Staatsbibliothek am Boulevard Unter den Linden, in einigen Sälen und Höfen herrscht reger Baubetrieb. Dennoch: Auf einer der prestigeträchtigsten Baustellen der Stadt geht es sichtbar voran. Vor einigen Wochen wurde der vorletzte Bauabschnitt der historischen Staatsbibliothek bezugsfertig an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Damit sind nun 80 Prozent des mehr als 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudekomplexes fertiggestellt.

Sichtlich zufrieden über den Baufortschritt zeigte sich Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, am Freitag bei einem Rundgang auf der Baustelle. "Wir biegen auf die Zielgerade ein. Das Ende ist jetzt zum Greifen nah." Mit ihm freuten sich die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Petra Wesseler, und Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin.

Der nun fertiggestellte Bereich umfasst den südwestlichen Teil des Gebäudekomplexes, links vom Haupteingang Unter den Linden. Besonders für Generaldirektorin Schneider-Kempf ist dessen Übergabe von Bedeutung. Im Mai bezieht sie dort ihr neues Büro mit Blick auf die Prachtstraße. Der Raum, einst "Roter Salon" genannt, beherbergt seit jeher das Büro der Generaldirektoren der Staatsbibliothek.

30 Kilometer Bücher ziehen in den nächsten Wochen um

Gleich nebenan liegen die instand gesetzten Veranstaltungssäle: der kleinere Theodor-Fontane-Saal sowie der Wilhelm-von-Humboldt-Saal mit 300 Plätzen. "Mit den Namen wollten wir unseren Säulenheiligen Rechnung tragen, von denen wir große Bestände in der Bibliothek haben", sagte Schneider-Kempf.

Doch auch Bücher finden Platz im jetzt restaurierten Gebäudeteil. In den kommenden Wochen soll ein Buchbestand von gut 30 Kilometer Länge aus dem Depot am Westhafen sowie dem Haus der Staatsbibliothek in der Potsdamer Straße in den frisch sanierten Magazinen im Altbau untergebracht werden, wie die Generaldirektorin der Bibliothek erläuterte. Durchs Haus gelangen die Bücher nach der Fertigstellung auf einem Transportsystem mit 1,5 Kilometern langen Bändern – versteckt hinter den historischen Wänden.

Bis dahin aber dauert es noch. Wie zuletzt häufig in Berlin kam es auch bei der Staatsbibliothek Unter den Linden zu Verzögerungen am Bau: Deutschlands größte wissenschaftliche Universalbibliothek wird seit 2005 bei laufendem Betrieb saniert. Eigentlich sollte die Sanierung 2012 geschafft sein. Nun ist die Fertigstellung für Ende 2018 geplant. 2019 soll der gesamte Komplex eingerichtet und in Betrieb sein. Auch die Kosten sind stark gestiegen: Ursprünglich waren für den Bau etwa 326 Millionen Euro veranschlagt. Nach Schätzungen des BBR dürften die Gesamtkosten am Ende auf rund 470 Millionen Euro steigen. Verantwortlich für die gestiegenen Kosten sind auch unerwartet auftretende Probleme beim Bau. Die zentrale Treppenhalle etwa, die nach der Instandsetzung wieder den prächtigen Aufgang zum großen Lesesaal bilden soll, ist noch zugestellt mit Gerüsten. Um 15 Monate hat sich allein hier die Bauzeit verzögert. Schuld waren Risse in der alten Trägerkonstruktion für die Magazingeschosse über der Halle. Die Sanierung musste umgeplant werden.

Wer will, kann sich bald selbst ein Bild von den aufwendigen Arbeiten in der Bibliothek machen. Zwar ist die Eröffnung erst in zwei Jahren, doch schon am 10. Juni gibt es einen Tag der offenen Tür.

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