Insgesamt weniger Taten

Polizei registriert mehr Taschendiebstähle im Tiergarten

Seit Anfang des Jahres gibt es in der Parkanlage deutlich mehr Polizeieinsätze. Die Zahl der Straftaten insgesamt ist aber gesunken.

Polizeieinsatz gegen Drogendealer im Kleinen Tiergarten

Polizeieinsatz gegen Drogendealer im Kleinen Tiergarten

Foto: Reto Klar

Mehr Taschendiebstähle, aber weniger Straftaten insgesamt: Das ist das Fazit zur Lageeinschätzung der Berliner Polizei für den Großen Tiergarten. Demnach wurden in der Parkanlage rund um die Siegessäule vergangenes Jahr 825 Straftaten registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 883 Fälle. "Insgesamt ist die Entwicklung der Straftaten in diesem Bereich unauffällig", heißt es von der Polizei. Die einzige Kategorie, in der es einen Anstieg gab, waren die Taschendiebstähle. Hier erfasste die Polizei im vergangenen Jahr 168 Taten. Im Jahr zuvor waren es 152.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass zahlreiche Flüchtlinge sich in Berlin prostituieren. Hilfsorganisationen wiesen darauf hin, dass sich vor allem im Großen Tiergarten eine Szene entwickelt habe. Junge geflüchtete Männer, die in die Obdachlosigkeit geraten sind, böten dort Freiern sexuelle Dienste an. Gerüchte von Hunderten Flüchtlingen und einer steigenden Kriminalität in der Parkanlage machten die Runde. Während die Flüchtlingsorganisation "Be an angel e. V." von 20 bis 25 jungen Geflüchteten ausgeht, sind dem Bezirksamt Mitte acht junge Afghanen bekannt, die sich im Tiergarten prostituieren. "Es handelt sich wohl um Obdachlose im Umfeld der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche an der Händelallee", heißt es aus der Verwaltung.

Um das Problem zu lösen, finanziert der Bezirk das Projekt "Clearing und Anbindung an die Regelversorgung für eine Gruppe afghanischer Obdachloser in Berlin-Mitte". Sozialarbeiter sollen den Kontakt zu den Flüchtlingen suchen. Es soll geklärt werden, wie die Afghanen asyl- und sozialrechtlich versorgt werden können. Das Projekt ist bis Ende Mai befristet.

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"Rückblickend für das letzte Jahr wurde ein Anstieg von geflüchteten Männern vornehmlich aus Afghanistan, Syrien, Irak und Iran im Bereich der Cruisingszene im Großen Tiergarten registriert", sagt Polizei-Sprecher Winfrid Wenzel auf Anfrage. Als Cruising wird in der Schwulenszene die aktive und gewöhnlich mobile Suche nach einem Sexualpartner bezeichnet. Laut Polizei habe die im Großen Tiergarten etablierte Cruisingszene aber nichts mit Prostitution zu tun.

Den Beamten ist aus eigener Wahrnehmung aber bekannt, dass sich Flüchtlinge im Großen Tiergarten bei der sogenannten Cruising-Szene aufhalten, um dort offenbar mit Prostitution Geld zu verdienen. Außer Drogenverstößen konnte dieser Personengruppe bisher aber nichts nachgewiesen werden. Strafanzeigen würden nicht vorliegen. Bei den festgestellten Männern handelte es sich laut Polizei um Heranwachsende beziehungsweise Erwachsene, die sich zu unterschiedlichsten Zeiten dort aufhalten. Minderjährige habe man nicht angetroffen. Bei Kontrollen wurden neben Drogen auch Präservative gefunden.

Zahl der Straftaten ist auf rund 2300 gestiegen

Im Kleinen Tiergarten – der etwa 800 Meter Luftlinie entfernt liegt – gibt es keine Hinweise auf eine Prostitutionsszene. Allerdings ist der kleine Park als Drogenumschlagplatz bekannt. Seit Februar 2016 werden dort verstärkt Einsätze durchgeführt. Allein von Januar bis März dieses Jahres fanden insgesamt 68 Einsätze mit 733 Polizisten statt. "Der Kleine Tiergarten ist der Polizei einschlägig als Rauschgiftumschlagplatz bekannt. Flüchtlinge mit Bezug zur Prostitution wurden hier nicht festgestellt", sagt Wenzel.

Im Gegensatz zum Großen Tiergarten kletterte hier aber die Anzahl der registrierten Straftaten von 2006 im Jahr 2015 auf 2299 im vergangenen Jahr. Besonders im Bereich der Drogendelikte gingen die Zahlen sprunghaft nach oben – von 89 auf 550 im vergangenen Jahr. Allerdings führt die Polizei das auch auf den gestiegenen Verfolgungsdruck zurück. Heißt: Wird nicht kontrolliert, gibt es auch keine Anzeige.

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