Kriminalgericht

Prozess: Rentnerin vertreibt Räuber aus Tankstelle

Ein mehrfach vorbestrafter Täter wollte eine Tankstelle überfallen - doch die 66-jährige Angestellte weigerte sich, ihm Geld zu geben.

Zapfhahn an Tankstelle (Symbolbild)

Zapfhahn an Tankstelle (Symbolbild)

Foto: Franziska Kraufmann / dpa

Es spricht vieles dafür, dass Alexander R. dachte, er habe bei seinem geplanten Raubüberfall leichtes Spiel. Der 21-Jährige, der am Mittwoch im Moabiter Kriminalgericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hatte die in Reinickendorf gelegene Tankstelle am 19. April vergangenen Jahres zum ersten Mal gegen 3.50 Uhr aufgesucht. Angeblich, um eine Ein-Liter-Flasche Red Bull zu erstehen. So große Flaschen gab es nicht. Alexander R. nahm eine andere Flasche in die Hand, studierte die Zutaten, verließ schließlich, ohne etwas gekauft zu haben, das Geschäft.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es schon Teil seiner Recherche für den geplanten Raub war. In der Tankstelle arbeitete eine Rentnerin, die sich noch ein paar Euro dazu verdiente. Es drohte also kein großer Widerstand. So schien es. Doch es kam anders: Eine Stunde später, davon ist das Gericht nach der Beweisaufnahme überzeugt, betrat Alexander R. Erneut die Tankstelle. Diesmal hatte er sich eine Kapuze tief über die Stirn gezogen und trug eine Sonnenbrille. In der Hand hielt Alexander R. laut Akte einen "waffenähnlichen Gegenstand". Er forderte den Inhalt der Kasse. Die 66-Jährige indes ließ sich nicht beeindrucken und auch nicht von der Maskerade täuschen. "Nein", sagte sie, "du warst doch vorhin schon Mal hier". Er fuchtelte mit der waffenähnlichen Gegenstand vor ihrem Gesicht herum, streifte dabei auch ihr Gesicht, aber sie gab nicht nach: "Du kriegst kein Geld! Du warst hier als Kunde! Was soll das?"

So blieb dem verhinderten Räuber nur noch die Flucht. Er hatte jedoch bei seiner ersten Visite Fingerabdrücke auf der Flasche hinterlassen. Und er war bei der Polizei kein Unbekannter, wurde wegen Räubereien schon mehrfach bestraft. Zuletzt bekam er eine Jugendstrafe von vier Jahren, von denen er zwei absaß, bevor er nach Serbien abgeschoben wurde. Von dort kam er mit Hilfe eines gefälschten Passes zurück nach Berlin.

Er selbst hat den Raub vor Gericht bestritten. Das Gericht hielt aber vor allem die Aussage der Angestellten für überzeugend, die ihn sofort erkannte. Das sei als Beweis eine ganz andere Qualität, als das Wiedererkennen eines Täters auf einer Lichtbildvorlage, sagte die Richterin. Ein weiteres Indiz war eine Kapuzenjacke mit einem Emblem am linken Oberarm, die bei einer Aufnahme der Überwachungskamera gut zu erkennen war. Genau so eine Jacke trug Alexander R. bei seiner Festnahme.

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