Havel

Die Wassersportler in Spandau sind erleichtert

Steganlagen entlang der Havel können wie bisher genutzt werden – Bezirksamt Spandau überarbeitet Richtlinien.

Spandauer Yachtclub - Jürgen Lucht (li.) und Detlef Buchwald

Spandauer Yachtclub - Jürgen Lucht (li.) und Detlef Buchwald

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Gute Nachricht für die Berliner Wassersportler: Der Betrieb der Steganlagen entlang der Havel kann weitergeführt werden wie bisher. Vor gut drei Monaten sorgte ein Schreiben des Spandauer Bezirksamtes für große Empörung, nicht nur bei den örtlichen Vereinen. Neue Auflagen, nach denen Bootsbesitzer die Stege nur noch begrenzt nutzen sollten, verunsicherten die Betreiber, manche fürchteten um ihre Existenz.

Nach einem gemeinsamen Gespräch mit dem betroffenen Spandauer Yacht-Club in der vergangenen Woche will das Bezirksamt die Richtlinien nun erneut überarbeiten. "Wir haben uns auf einen Modus verständigt, in dem alle weiter arbeiten können", sagt Jürgen Lucht, Vorsitzender des Vereins.

Seine Stimme klingt erleichtert. Ganz anders als vor wenigen Wochen. 2016 hatte der Verein eine Verlängerung der Genehmigung für die Steganlage beantragt. Eine Routinemaßnahme, die alle zehn Jahre wiederholt werden muss. Das Antwortschreiben des zuständigen Natur- und Umweltschutzamtes informierte den Spandauer Yacht-Club, dass eine Verlängerung nun an strenge Bedingungen gebunden sei. Unter anderem sollten die Stege ausschließlich zum Ein- und Aussteigen genutzt werden. Ein Aufenthalt nach dem Anlegen sowie ein Übernachten sollte genauso untersagt werden wie eine Versorgung mit Strom oder Wasser. Im Zeitraum von Anfang Dezember bis Ende Februar sei eine Nutzung der Stege prinzipiell nicht erlaubt, hieß es im Schreiben weiter.

"Übernachtungsverbot hätte Wassertourismus gefährdet"

Diese Kriterien seien realitätsfern und fatal, beklagte der Vorsitzende des Yachtclubs in einem Interview Anfang Dezember. Ohne die notwendige Versorgung riskierten die Wassersportler, bei Wettkämpfen oder auch bei längeren Fahrten ohne Strom dazusitzen. Das Übernachtungsverbot gefährde außerdem den gesamten Wassertourismus. Wenn der Verbleib auf den Booten untersagt werde, erklärte Lucht damals, befürchtete er, dass viele Stammgäste Berlin nicht mehr anfahren würden. Hintergrund der Maßnahmen war das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin nach einem Nachbarschaftsstreit in Kladow. Dort klagte der Besitzer eines denkmalgeschützten Hauses, weil ein Hausboot, geparkt an der Steganlage vor seinem Grundstück, ihm die Sicht auf den See versperrte. In seinem Urteil verwies das Gericht darauf, dass das Anlegen von Hausbooten an Sportbootstegen prinzipiell verboten ist. Stellte aber auch klar, dass es "keine wesentliche Unterscheidung zwischen Hausbooten und sonstigen Motorbooten" gebe. Es beauftragte das Bezirksamt, die genauen Unterschiede der Bootstypen und deren Nutzung zu definieren. Der Versuch des Amtes, den Aufenthalt und somit auch das Wohnen auf den Booten einzuschränken, zog massive Kritik nach sich.

"Das Handeln des Umwelt- und Naturschutzamtes war ohne jegliche Beanstandung. Der Wassersport war zu keiner Zeit gefährdet", verteidigt Stadtrat Andreas Otti (AfD) das Vorgehen seiner Mitarbeiter. Mit derart heftiger Reaktion habe man nicht gerechnet. Mehr als 500 Briefe und E-Mails gingen in dem Amt ein. Eine Reihe davon enthielt unter anderem verbale Angriffe, Beschimpfungen und Beleidigungen gegen mehrere Mitarbeiter, insbesondere aber gegen den zuständigen Bearbeiter. Diese Schreiben sind "unhaltbar und unangemessen". Gegen die Verfasser wird nun strafrechtlich vorgegangen, so das Bezirksamt.

Auch Jürgen Lucht ist über unangebrachte und aggressive Reaktionen empört. "Solche Äußerungen sind indiskutabel und auf keinen Fall zu tolerieren. Wir als Verein möchten uns davon ausdrücklich distanzieren." Dem Spandauer Yacht-Club sei es immer darum gegangen, in einem friedlichen Gespräch mit dem Amt gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten. Das sei nun gelungen, so das Fazit des Vorsitzenden.

Nach dem "Hausboot-Urteil" muss das Spandauer Bezirksamt einen neuen Bescheid erlassen, in dem es die Interessen stärker berücksichtigen will. Erst nach Abschluss des Verfahrens will man die Anträge der Vereine neu bewerten. Bis dahin gilt für die Stegbetreiber die bestehende, wenn auch abgelaufene Genehmigung, weiter, erklärt das Bezirksamt.

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