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In die Bank ist jetzt Kunst eingezogen

„The Haus“ – Für zwei Monate wird ein leer stehendes Bankgebäude zu einer Street-Art-Galerie.

Eines der Kunstwerke in „The Haus“

Eines der Kunstwerke in „The Haus“

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Bis zum Kadewe sollte die Schlange lang sein. Diesen Wunsch hatte Kimo von Rekowski hatte im Vorfeld schon mal seinen Wunsch formuliert. "Ich wollte, dass ihr alle bis zum Kadewe steht." Der Andrang war groß. Trotz des frühsommerlichen Wetters gab es am Sonnabend bei der Eröffnung von "The Haus" großen Andrang. Der Verein Berlin Art Bang hatte zum Opening der temporären Galerie in das ehemalige Gebäude der Berliner Volksbank eingeladen. Für zwei Monate verwandelt sich der Bau an der Nürnberger Straße 68 in die weltweit wohl größte Street-Art-Galerie.

Auf rund 10.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche haben nun 175 lokale, nationale und internationale Künstler bis Juni die Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren. Im August soll das Gebäude dann abgerissen werden. Dann wird das Paralleluniversum zeitgenössischer Straßenkunst wieder verschwinden. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, sagte: "Wow. Es ist echt toll, was euch da drinnen erwartet. Manche haben mich gefragt, wie ich als Linker ein Projekt unterstützen kann, wo später Luxuswohnungen entstehen. Ich bin Realist: Mir sind Miethaie lieber, die Freiräume zur Verfügung stellen, als solche, die das nicht tun." Hinter dem Projekt "The Haus" steht die Street-Art-Gruppe "Die Dixons": Kimo von Rekowski, Marco Bollenbach und Jörn Reiners sind ein Team aus Kreativen, die auch eine Werbeagentur betreiben.

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Besucher dürfen Exponate nicht fotografieren

Für Besucher ist der Eintritt in die Ausstellung frei, fotografieren dürfen sie die Exponate allerdings nicht. Sie sollen sich auf den Moment konzentrieren und nicht versucht sein, das Erlebte sofort über soziale Netzwerke zu teilen, heißt es zur Begründung vom Veranstalter. "Ziel ist, etwas zu erschaffen, das seine Betrachter so sehr flasht, dass sie jedem davon erzählen werden", sagte Kimo von Rekowski, einer der Macher. Jedem Künstler und jeder Crew steht in dem einstigen Bankgebäude ein Raum zur Verfügung, der besprüht, beklebt, bemalt oder auf andere Weise neu gestaltet wird. Die Bandbreite der gezeigten Kunstwerke reicht von Graffiti über Tape-Art bis hin zu Installationen.

Auch der Besitzer des Gebäudes, das Immobilienunternehmen Pandion AG, freut sich über diese Art der Zwischennutzung. "Oft liegen Monate zwischen dem Ankauf eines Grundstücks und dem Start der Bauphase. Das Bestandsgebäude zur Nutzung für subkulturelle und künstlerische Projekte zur Verfügung zu stellen, bietet sich also an", sagte Mathias Groß, Niederlassungsleiter von Pandion in Berlin, der Berliner Morgenpost.

Pandion plant auf der Fläche an der Nürnberger Straße einen Luxuskomplex für rund 28 Millionen Euro, dort sollen 65 Eigentumswohnungen mit insgesamt 3800 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Ab Herbst heißt es dann an der Nürnberger Straße 68 also: Baulärm statt Straßenkunst.

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