Volksfest

Amerika zieht jetzt nach Mariendorf

Die Veranstalter finden neuen Standort für das Deutsch-Amerikanische Volksfest – zumindest für 2017.

Cheerleader der "Legends Berlin" werben für das Deutsch-Amerikanische Volksfest

Cheerleader der "Legends Berlin" werben für das Deutsch-Amerikanische Volksfest

Foto: dpa Picture-Alliance / Gregor Fischer / picture alliance / dpa

"Das hier ist wie zurück zu den Wurzeln", sagt Thilo-Harry Wollenschlaeger. Zusammen mit fünf Cheerleadern posiert er vor einer Freiheitsstatue aus blau lackiertem Kunststoff. Rechts und links neben ihm Mädchen mit Puscheln, den Daumen streckt er nach oben: "Jetzt lächeln!" Im Hintergrund steht ein Transparent mit den Lichtern der Großstadt.

Der Jeep darf auch nicht fehlen. Wollenschlaegers "Deutsch-Amerikanisches Volksfest" ist zurück. 2016 war es wegen Standortproblemen ersatzlos ausgefallen. In diesem Sommer wird es erstmals am südlichen Zipfel des Marienparks von Tempelhof-Schöneberg, nicht weit vom alten Wasserturm, stattfinden – zum 56. Mal.

American Way of Life auf früherem Industriegelände

Auf neuem Gelände, das auf den ersten Blick gar nicht nach New York oder Wildem Westen aussieht: Hinter der Kulisse pfeift der Wind über die Freiflächen des Gewerbeparks. Daneben stehen die roten Backsteinmauern des früheren Gaswerks. Hinter den Bäumen ragt das Metallgerüst des Gasometers in den Himmel. "Das Gelände mit den historischen Gebäuden hat einen ganz eigenen Charme", sagt Wollenschlaeger am Dienstag bei der Präsentation. "Für unser Volksfest ist das hier optimal."

Mehr als 100 Aussteller sollen vom 21. Juli bis 13. August in der Kulissenstadt Buden öffnen: mit Achterbahn, Autoscooter, Bingohalle und Burgerständen. Für die Besucher wird ein Teil des Platzes mit Sand zum Strand verwandelt. Geplant ist ein eigener Cheerleader-Contest. "Mit dem Programm bin ich gerade zwölf Stunden am Tag beschäftigt", sagt Wollenschlaeger. "Viele Aussteller kenne ich noch von früher."

Lange Zeit war unklar, ob und wie es mit dem Deutsch-Amerikanischen Volksfest weitergehen soll. Bis 2015 fand das traditionsreiche Fest noch auf dem Gelände Heidestraße hinter dem Berliner Hauptbahnhof statt. Dort wird inzwischen allerdings gebaut, das Volksfest brauchte einen neuen Standort. Wollenschlaeger hatte um eine Fortführung des Festes auf dem Tempelhofer Feld gebeten, aber Michael Müller (SPD) hatte als Stadtentwicklungssenator abgelehnt, vor allem aus Lärmschutzgründen.

60.000 Quadratmeter an Fläche stehen auf dem Gelände zur Verfügung

Schließlich kam der Anruf von Tim Kauermann, Geschäftsführer des Marienparks Berlin. Kauermann kannte das Volksfest noch aus seiner Kindheit, als es noch an der Clayallee in Zehlendorf stattfand. Wollenschlaeger drehte eine Runde zum Gelände nach Mariendorf. "Für mich war sofort klar, dass ich dort hin will."

60.000 Quadratmeter an Fläche stehen auf dem Gelände zur Verfügung. Mehr als doppelt so viel wie noch in den Anfangsjahren. Der Marienpark liegt vier Kilometer südlich des Tempelhofer Feldes. "Das ist natürlich nicht so zentral, wie wir es gerne hätten", sagt Wollenschlaeger. "Aber der Platz ist gut angebunden." Im Westen rattert die S-Bahn. Zehn Minuten Fußmarsch entfernt im Osten liegt die U-Bahnstation Alt-Mariendorf. Für Gäste des Volksfestes ist ein eigener kostenloser Shuttle vom U-Bahnhof geplant.

Zukunft für das Fest nach 2017 weiterhin unklar

"Historisch gesehen passt der Standort hier auch sehr gut zu uns", sagt Wollenschlaeger. Das erste Deutsch-Amerikanische Volksfest organisierte noch sein Vater im Jahr 1961, an der Clayallee in Zehlendorf. "Als das erste Fest am 13. August endete, begann der Mauerbau", sagt er. "Jetzt ziehen wir in den Westen zurück."

Noch ist unklar, wie es mit dem Fest nach 2017 weitergehen wird. "Die Kooperation mit den Eigentümern verläuft gut", sagt Wollenschlaeger. Allerdings könnte es auf dem Gelände bald enger werden. "Derzeit haben wir das Bebauungsverfahren am Laufen", sagt Marienpark-Geschäftsführer Kauermann. "Das dauert eine Weile." Er rechnet mit zehn Jahren. Wenn es gute Resonanz gebe, dann könne das Fest auch 2018 auf dem Gelände stattfinden. Wollenschlaeger ist optimistisch: "In Zehlendorf waren wir auch nur übergangsweise", sagt er. "Dort haben wir es immerhin 40 Jahre durchgehalten."

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