Jahresplaner

Mit Berlin-Motiven durchs neue Jahr

Für jeden Typ ist was dabei: Eine kleine Auswahl von witzigen, kuriosen, praktischen und außergewöhnlichen Berlin-Kalendern.

Foto: Gero Breloer / BM

Das Jahr geht zu Ende, wer jetzt keinen Kalender hat, der kann sich noch einen kaufen. Okay, die Auswahl ist nicht mehr so groß wie Anfang Dezember, Kult-Objekte wie "Notes of Berlin", die gern zu Weihnachten verschenkt werden, sind zumindest beim Verlag ausverkauft. Wir haben ihn trotzdem auf unserer Berlin-Kalenderseite berücksichtigt, denn er ist außergewöhnlich und witzig und viel mehr Berlin ist nicht möglich – und weil in dem einen oder anderen Fachgeschäft über oder unter dem Ladentisch noch ein Exemplar auffindbar sein könnte. Kalender sind ja auch eine Typfrage, deshalb stellen wir ein breites Spektrum mit Berlinbezug vor. Auch für Hertha-Fans, Nostalgiker, Melancholiker oder lokalpatriotische Naturliebhaber.

Ein außergewöhnlicher Blick auf vertraute U-Bahnhöfe

Viele Menschen nutzen die U-Bahn, nehmen die Bahnhöfe aber irgendwann kaum noch als Ort wahr. Einen neuen Blick auf Vertrautes bietet der Wandkalender von s-wert. Er zeigt insgesamt 13 Architekturgrafiken von Berliner U-Bahnhöfen beziehungsweise -eingängen. Seit 2009 gibt es diese Art von Kalender. 2016 ist der erste Jahrgang, der zweifarbig (schwarz/türkis) gestaltet wurde. Der Januar startet mit dem Bahnhof Zoo im städtebaulichen Umfeld. Das Hansaviertel wird im Juni üppig "begrünt" gezeigt, bei der Warschauer Straße tauchen erst- und einmalig Menschen auf. Der Bahnhof Eberswalder Straße schließt das Jahr ab. Eine Zierde für jede Wand. Auch für Autofahrer geeignet.

Der s-wert-Kalender 2016 ist ausverkauft, mit Glück noch einzelne Restexemplare im Buchhandel, 19,90 Euro

Charme des Ostens: Kalender für Nostalgiker

"Das war Ostberlin" passt optisch in die Reihe "Historisches Berlin": alle zwölf Motive sind in Schwarz-Weiß. Die Fotos haben einen hohen Wiedererkennungswert, das Spektrum reicht vom Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz, der auch zu Ostzeiten eher einem Rummel als einer besinnlichen Veranstaltung glich, über den Palast der Republik und einem vollgepackten Trabi bis zum Wachwechsel der Soldaten der Nationalen Volksarmee l vor der Neuen Wache. Die Angaben zu den Fotos sind so üppig wie das Angebot an Südfrüchten im HO: Wenn man in die Geschichte einsteigt, dann sollten bei den Aufnahmen zumindest Jahreszahlen vermerkt sein.

Das war Ostberlin, Korsch Verlag, 6,95 Euro, www.korsch-verlag.de


Zeit zum Träumen mit der Mannschaft der Stunde

Der "offizielle Kalender 2016" von Hertha BSC müsste in diesem Jahr zu Weihnachten ein Renner gewesen sein: Platz 3 nach der Bundesliga-Hinrunde ist eine wohl nur von hartgesottenen Fans erwartete Platzierung, die in der Winterpause viel Raum zum Träumen lässt. Dabei helfen kann ein Blick auf die Spieler: 24, standesgemäß im Trikot des Arbeitgebers, sind in diesem Kalender abgebildet. Das ist nicht der ganze Kader, aber bekanntlich hat auch das Hertha-Jahr nur zwölf Monate – und bei mehr als zwei Akteuren auf einem Blatt wäre es wohl eng geworden. Möglicherweise hätte der visualisierte Konkurrenzkampf gedroht. Jetzt kann es natürlich passieren, dass der Lieblingsspieler fehlt; auch für den Erfolgstrainer war kein Platz. Ein Mannschaftsfoto als 13. Blatt wäre denkbar gewesen, aber wer den Europacup erreicht, dem verzeiht der Fan alles.

Der offizielle Hertha-Kalender 2016, 13,50 Euro, www.city-press.com

Der Charme des Verfalls: Kalender für Melancholiker

Dem morbiden Charme des Verfalls huldigt der Kalender "Verlassene Orte Berlin – Brandenburg". Die Farbe blättert ab, an der Wand des früheren Büros hat jemand einen Totenkopf verewigt, eine Flasche Club Cola steht noch auf dem Schreibtisch – vielleicht hat sie der Fotograf Sven Gerard dort abgestellt. Es sind zwölf stimmungsvolle, mit dem Licht spielende Aufnahmen, die ein Rätsel aufgeben: Wo sie gemacht wurden, das steht nirgends. Ein Teil der Fotos könnte in den Beelitzer Heilstätten entstanden sein, die seit Jahren ungenutzt vor sich hin verfallen. Auf dem Überblicksblatt haben die einzelnen Aufnahmen Titel bekommen, die wohl auf die frühere Nutzung verweisen: Wobei Bezeichnungen wie "Das Theater", "Die Eingangshalle" und "Das Schwimmbad" sehr allgemein gehalten sind.

Verlassene Orte Berlin-Brandenburg von Sven Gerard, Calvendo, 29,90 Euro, Infos: www.calvendo.com

Der alltägliche Irrsinn der hippen Metropole

Das Angebot bei einem großen Online-Händler mutet fast so kurios an wie das dazugehörige Produkt: Der Abreißkalender "Notes of Berlin" wurde dort kurz vor Weihnachten "gebraucht und neu" für 48 Euro angeboten. Eigentlich kostet er die Hälfte, also genau 24,80 Euro, aber beim Verlag gibt es längst keine Exemplare mehr. Und im Buchhandel muss man Glück haben, wenn man noch ein Stück ergattern kann. Das ist verständlich. Der Kalender genießt Kultstatus, er basiert auf dem geichnamigen Blog. Laut Verlag seltmann+söhne wurden die "unterhaltsamsten, kreativsten oder kryptischsten Notes" aus dem Straßenalltag ausgewählt. Wie der an einem Straßenbaum getackerte Warnhinweis: "Vorsicht. Alter Mann spuckt vom Balkon". Oder der an ein Fahrrad samt Handynummer angeklebte Zettel: "Ich würde gern dein Fahrrad klauen, aber kaufen ist fairer." Der Laptop-Dieb muss sich mit dem Hinweis auseinandersetzen: "Das Karma sieht alles". Der Kalender zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Täglich.

Notes of Berlin, seltmann+söhne, 366 Abreißzettel incl. Schuber und Tischaufsteller, 24,80 Euro

Als in der Hauptstadt noch Kutschen fuhren

Natürlich ist der Berliner Dom ein zentrales Bauwerk dieser Stadt. Aber dass er es gleich dreimal in den Kalender "Alt Berlin" geschafft hat, überrascht dann doch. Ok, einmal ist Winter, eine stimmungsvolle Aufnahme, einmal ist das Gotteshaus eingebettet in das umliegende Häusermeer, zu erkennen sind auch das Stadtschloss und der Neptunbrunnen, der sich damals noch an seinem Originalstandort befand. Und das dritte Mal ist das Foto auch einem Jahr zugeordnet: 1929, nach dem Laubstand der Bäume zu urteilen, eine Sommeraufnahme.

Der Nutzwert dieses Kalenders ist hoch, denn die einzelnen Seiten (aus dickem Papier) sind als Postkarten zu verwenden.Von den 12 Aufnahmen sind lediglich drei datiert, das ist ein bisschen schade, denn man hätte gern gewusst, ob die Stadtansicht aus dem Kaiserreich, der Weimarer Republik oder der Nazizeit stammt. Busse mit "Chlorodont"-Werbung vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (das Juli-Blatt) lassen auf die 20er-Jahre tippen. Die Pferdestraßenbahnen (September) auf der Friedrichsbrücke und ein Teil der Museumsinsel einschließlich Nationalgalerie lassen die Jahrhundertwende als Aufnahmedatum vermuten – aber man hätte es doch gern etwas genauer gewusst.

Alt Berlin 2016, Schikkus/Schoening Verlag, 6,50 Euro, Infos: www.schikkus.de


Historische Strecken und alte S-Bahnzüge

Sie gehören zu Berlin, wie die "Großen Gelben" der BVG oder die Verkehrsampel am Potsdamer Platz: Die Züge der Berliner S-Bahn. Seit 1924 fahren sie elektrisch angetriebenen – mal mehr, mal weniger zuverlässig – durch die Stadt, seit 90 Jahren in ihrem unverwechselbaren rot-gelben Look. Wer eine kleine Reise durch die wechselvolle Geschichte des Verkehrsmittels unternehmen will, dem sei der Fotokalender des Vereins "Historische S-Bahn" empfohlen. Er ermöglicht nicht nur ein Wiedersehen mit Zug-Baureihen, deren Vertreter größtenteils längst auf dem Schrott gelandet sind. Die Fotos aus den Archivkisten erinnern auch an Strecken, die nach dem Zweiten Weltkrieg oder in Folge der Teilung der Stadt vor vielen Jahren stillgelegt wurden. Das April-Kalenderblatt etwa zeigt einen Zug der allerersten S-Bahn-Baureihe ET/EB 169 (Bauart Bernau) beim Halt im Bahnhof Düppel-Kleinmachnow. Die Strecke nach Zehlendorf liegt seit 1980 brach. Den Monatskalender gibt es nicht im Buchhandel, er wird vom Verein Historische S-Bahn vielmehr als Dankeschön für eine Unterstützung ab 19,38 Euro direkt an den Spender versandt. Mit dem Geld wird die Instandsetzung eines Halbzuges der historischen Baureihe 167 gefördert, den der Verein im Dezember 2016 nach langer Unterbrechung als Weihnachtszug fahren lassen will.

www.hisb.de


Ganz Berlin ist eine Bühne

Das Foto täuscht: Dieser "Stages of Berlin"-Tischkalender ist nicht die Fortsetzung des s-wert-U-Bahnhof-Kalenders mit anderen Mitteln. Der Fotograf und Filmer Gero Breloer hat Balletttänzerinnen, angeblich 28, wir haben nicht nachgezählt, etwas abseits der touristischen Hauptrouten Berlins inszeniert. Also beispielsweise auf der Rolltreppe im Einkaufscenter Boulevard Berlin in Steglitz. Im 1914 eröffneten Schwimmbad Neukölln, in einem Kreuzberger Späti unter kurdischen Wandteppichen, an Konnopke's Imbiss, auf dem noch maßvoll frequentierten U-Bahnhof Bundestag. Oder vor dem von Fritz Kühn gestalteten Brunnen auf dem Strausberger Platz. Auf der Rückseite jedes Blattes gibt es eine Kurzinfo zur abgebildeten Location.

Stages of Berlin von Gero Breloer, Tischkalender inklusive Geschenkverpackung Versand, 15 Euro, Info: gero@breloer.com



Ein Herz für die ganz kleinen Lebewesen in Lichtenberg

Lichtenberg ist anders. Der Bezirk, der sich als familienfreundlich vermarktet, bietet aber offenbar nicht nur Kindern einen Lebensraum. Sondern auch zahllosen Wasserlebewesen, die sich in über 140 Seen, Tümpeln, Teichen und Gräben im Bezirk tummeln. Sie sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann, etwa die Zieralge Cosmarium botrytis. Die kommt beispielsweise im Gutsteich im Landschaftspark Herzberge vor – sowohl das Gewässer als auch die auf dem Foto natürlich vergrößerte, weil sonst doch schwer erkennbare Alge zieren das Januarblatt des Kalenders "Wasserlebewesen in Berlin Lichtenberg".

Auf der Rückseite gibt es die entsprechenden Erläuterungen zu den Tieren und ihrem Lebensraum. So erfahren wir beispielsweise, wie die Malchower Aue entstanden ist, wo die Lindenhofteiche liegen und was sie auszeichnet. Auch wenn die verschiedene Algenarten (Jochalgen, Grünalgen, Kieselalgen, Goldalgen) das Jahr in diesem außergewöhnlichen Heimatkalender zu dominieren scheinen, ab August kommen andere Lebewesen wie die Augen-, Sonnen-, Räder- und Wimpertierchen zu ihrem Abbildungsrecht. Und das letzte Blatt zum Jahr gehört dem Wasserfloh.

Wasserlebewesen in Berlin Lichtenberg, herausgegeben vom Bezirksamt, kostenlos im Rathaus Lichtenberg – so lange der Vorrat reicht

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