Mein Berlin

Mit George Clooney ins Strandbad Wannsee

Ein letztes Mal in diesem Jahr kehrt in dieser Woche der Sommer nach Berlin zurück. Zeit für einen Abschiedsbrief, findet Nina Paulsen.

Dunkle Wolken über leeren Strandkörbe am Strandbad Wannsee

Dunkle Wolken über leeren Strandkörbe am Strandbad Wannsee

Foto: Rainer Jensen / dpa

Lieber Berliner Sommer, es ist Zeit, dass wir uns verabschieden. Am Donnerstag und Freitag sollst du deine letzte Vorstellung geben, und ich muss sagen: Ich bin ein bisschen betrübt. Auch wenn die vergangenen Wochen wirklich nicht besonders toll waren, hast du insgesamt einen ziemlich guten Job gemacht. Du bist zwar nicht der George Clooney unter den Sommern gewesen, nicht der makellose Schönling, der alles kann und den sowieso jeder liebt. Dafür hattest du einfach zu viele Hänger. Aber du hast dein Bestes gegeben. Müsste ich dir ein Arbeitszeugnis schreiben, Berliner Sommer, es hieße darin: Er hat sich stets sehr bemüht.

Berliner Sommer, ich werde dich vermissen. Es war mal wieder eine richtig magische Zeit mit dir, von der man schon im April eine Ahnung bekam und die im Mai so richtig begann. Was war das toll, zum ersten Mal draußen auf dem Kudamm Mittag zu essen, die Großstädter hielten ihre blassen Winterwaden und Arme in die Sonne, auf die du in den kommenden Wochen ein zauberhaft zartes Braun zaubern solltest. Und was war es toll, mit dem ersten Eis der Saison nach Feierabend durch den Kiez zu schlendern.

Juni war der Höhepunkt und die allerbeste Zeit

Der Juni war der Höhepunkt und deine allerbeste Zeit. Ja, Sommer, hier hast du dann richtig aufgedreht. Ein paar Tage lang hast du uns bei mehr als 30 Grad schwitzen lassen – und jeden in einer aufgeheizten Altbauwohnung noch länger. Wie die Hähnchen am Grill rösteten wir Montag bis Freitag im Büro vor uns hin. Und am Wochenende dann am See. Der Mensch soll ja dazu neigen, die Dinge im Nachhinein zu verklären – aber: War es wirklich so schlimm, 45 Minuten in der glühend heißen S-Bahn Richtung Wannsee zu fahren? Habe ich mich wirklich beschwert, als die Schlange vor dem Eingang wieder einmal über den gesamten sandigen Vorplatz des Strandbades reichte, sodass man für den Rest des Tages seine Staublunge freihusten musste? Ach, Berliner Sommer, ich war manchmal ungerecht zu dir. Und jetzt, da es vorbei ist, weiß ich: Du wirst mir wirklich fehlen. Wobei: Die Hitze hatte auch ihre Nachteile. Ich habe noch nie verstanden, warum Wlan bei steigenden Temperaturen immer langsamer wird, vor allem dann, wenn man gerade seine Lieblingsserie bei Netflix gucken will. In meinem Stammsupermarkt in Prenzlauer Berg erzählte mir ein Angestellter, dass die Kassen bei großer Wärme ebenfalls deutlich langsamer arbeiten. Und die Straßenbahnen, die im übrigen Jahr so klimatisiert sind, dass man darin friert wie eine Tiefkühlgans, scheinen sich bei heißer Sommersonne ebenfalls automatisch mit zu erwärmen. Um verbal im Bereich der Kulinarik zu bleiben: Das Wort Dampfgaren erhält im Berliner Sommer in den Trams eine ganz neue Bedeutung. Wobei ich bei alldem nicht weiß, ob es wirklich an dir liegt, lieber Sommer. Ich glaube vielmehr, es liegt an Berlin.

Manchen fällt der Abschied nicht so schwer

Ich schätze, manchen fällt der Abschied von dir aber auch nicht ganz so schwer wie mir. Die vergangenen Tage waren schon hart. Und nass. Ein schweres Unwetter hat Ende Juli Keller und Gullys volllaufen lassen. Unseren Hausflur konnte man auch nur noch mit Gummistiefeln durchqueren. Und dann die Sache mit dem Gleimtunnel am Mauerpark in Pankow. "Lebensgefahr" steht dort seit der Überflutung durch die Regenmassen auf einem Schild. Fußgänger und Radfahrer dürfen trotzdem hindurch. Nun ja.

Aber, lieber Berliner Sommer, das alles werden wir vergessen, wenn du nun Ende dieser Woche ein letztes Mal für ein paar Tage zu uns kommst. Wir werden dich genießen. Wir werden draußen sein. Ein letztes Mittagessen an der warmen Luft, ein letztes Eis nach Feierabend. Und dann? Wird es Herbst. Und auch der hat seine Vorzüge. Goldene Bäume, frische Luft, raschelnde Blätter – zumindest dann, wenn er sich wie George Clooney benimmt. Aber wir wollen nicht zu viel erwarten. Ich bin glücklich über alles – solange es kein Til Schweiger ist.

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