Mein Berlin

Wenn Füchse die Berliner verwirren

Auch wilde Tiere scheinen das Großstadtleben in Berlin zu genießen. Nina Paulsen über den Szene-Fuchs von Prenzlauer Berg.

Auch Füchse stehen auf Berlin

Auch Füchse stehen auf Berlin

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Neulich Abend ist ein Fuchs über den Helmholtzplatz spaziert. Einfach so kam er aus der Lychener Straße, wo die Menschen bei Datteln im Speckmantel, frittierten Sardinen und Rioja auf dem Bürgersteig saßen, um einen der letzten Spätsommerabende zu genießen. Der Fuchs nahm von all dem keine Notiz. In aller Seelenruhe taperte er über die Straße und rauf auf den Platz, wo er hinter den Tischtennisplatten im Gebüsch verschwand.

Ich finde es gut, dass der Fuchs extra nach Prenzlauer Berg gekommen ist, um hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Die Menschen, die dort vor dem spanischen Restaurant saßen und aßen, allerdings weniger. "Muss man da jetzt nicht irgendeine Behörde anrufen?", fragte einer am Nebentisch. "Und was ist mit den Kindern, die dort tagsüber spielen?", warf ein anderer Gast ein. Ich weiß nicht, ob man sich in dieser Hinsicht wirklich Sorgen machen muss. Dass der Fuchs nach Prenzlberg gekommen ist, um auf dem Spielplatz mit den Kindern ein paar Sandburgen zu bauen oder um mal 'ne ausgiebige Runde zu rutschen, halte ich für unwahrscheinlich. Die paar Kaninchen, die auf dem Helmholtzplatz leben (und eine dicke Ratte), habe ich auch noch nie auf den Spielgeräten gesehen.

Es fehlt nur noch ein Tequila Sunrise

Eine Freundin von mir in Lichterfelde hat auch einen Fuchs im Garten. Man könnte allerdings auch sagen: Es gibt einen Fuchs in Lichterfelde, in dessen Revier ein paar Menschen leben, die er großmütig duldet. Neulich lag er bei meiner Freundin lang gestreckt vor der Garage und ließ sich die Sommersonne aufs rotbraune Fell scheinen. Es hätte niemanden verwundert, wenn sich der Fuchs noch einen Tequila Sunrise bestellt hätte und anschließend eine Runde im Pool geschwommen wäre.

Joachim Gauck wurde in Schloss Bellevue im April ja auch von einem Fuchs besucht – ein findiger Kameramann filmte die Stippvisite sogar. Die Tür zur Bundespräsidenten-Residenz stand sperrangelweit offen, da nutzte das kleine Tier die Gunst der Stunde. Ist doch schön, wenn man auch ohne Schlangestehen ein bisschen Sightseeing machen kann. Man erzählte sich, der Fuchs habe danach noch einen Schlenker zur Siegessäule und zum Brandenburger Tor gemacht.

Komisch eigentlich, dass Menschen gleich eine Behörde anrufen wollen, nur weil mal ein bisschen wilde Natur in der Stadt zu sehen ist. Hier gibt es Discos in Telefonzellen, Eis aus gegrillter Paprika und mit dem M29 einen Bus, der sogar Polonaise kann. Alles egal. Aber kaum tippelt mal ein kleiner Fuchs über das Kopfsteinpflaster, ist das plötzlich ein Fall für die Regierung.

Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass ausgerechnet die Tierschutzpartei unter den Sonstigen bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag die meisten Stimmen einheimste – und damit noch vor den Piraten landete.

Herr Innensenator, bitte vertreiben Sie die Wespen!

Das einzige Tier, bei dem ich am liebsten den Innensenator alarmieren würde, sind die Wespen. Bis in den Oktober kann sich die Plage noch hinziehen, bis dahin kann man eigentlich nichts mehr unter freiem Himmel essen oder trinken. Ich habe das Gefühl, die Viecher werden in Berlin immer aggressiver.

Während sie früher nur von Süßem angelockt wurden, fliegen sie jetzt auch auf Herzhaftes. Mir vergrätzten sie gestern den Genuss einer Pizza Funghi, neulich beim Frühstück umflogen gleich fünf der Biester den Teller eines Freundes mit Wurstscheiben und Avocadocreme. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn Frank Henkel gegen die Wespen mal eine Hundertschaft geschickt hätte. Darum muss sich nun Berlins nächster Innensenator kümmern. Wer auch immer es werden mag: Bitte übernehmen Sie!

Ich bin mal gespannt, ob ich unseren Fuchs bald wiedersehe. Vielleicht ist er jetzt auch bei seinem Kumpel in Lichterfelde, gemeinsam chillen die beiden in einem schönen Garten ab. Gegen eine Pizza Funghi hätten sie bestimmt auch nichts einzuwenden. Gegen Eis aus gegrillter Paprika aber sicherlich schon.

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