Nina Paulsen über Preise

In Berlin explodiert der Käsepreis - Aber deshalb wegziehen?

Dafür sind Döner, Bier und Weihnachtsgestecke billiger als anderswo. Nur eins bleibt unbezahlbar: nette Menschen, meint Nina Paulsen.

„Frau Antje“ auf der Grünen Woche in Berlin

„Frau Antje“ auf der Grünen Woche in Berlin

Foto: Tom Maelsa / messe Berlin GmbH

Ich habe gerade ein paar Tage in meiner norddeutschen Heimat verbracht und wurde zum Ende hin etwas nervös. Ich brauchte nämlich dringend ein Thema für diese Kolumne, die ja nun leider "Mein Berlin" und nicht "Mein Norddeutschland" heißt. Dummerweise hatte ich wegen meiner Abwesenheit rein gar nichts in Berlin erlebt. Die Hauptstadt war für mich in diesem Kurzurlaub so weit weg wie der Mars.

Ich tat also, was alle vernünftigen und pflichtbewussten Menschen in solch einer Situation tun: Ich verdrängte das Problem und die Nervosität irgendwo in die hinterletzte Ecke meines Kopfes und sagte mir: Mach dir nicht ins Hemd, zwei Tage haste ja noch. So wie früher an der Uni, als man die 25-seitige Hausarbeit für das wichtige Seminar auch erst kurz vor Ende der Semesterferien anfing und dann die Nächte durcharbeiten musste, um das Ding halbwegs passabel und möglichst ohne Kaffeeränder auf dem Ausdruck fertigzustellen.

Doch in einem Blumenladen in einem kleinen Dorf an der Ostsee ereilte mich die Rettung. Ein älteres Ehepaar wieselte unentschieden durch die Gänge mit den Adventsgestecken. Schließlich sagte er: "Also, nee. In Balin ist dit allet viel, viel billija." Ich habe jetzt keinen Vergleich, weil ich mich adventsgestecktechnisch nicht auskenne und noch nie etwas Vergleichbares gekauft habe. Aber was ich weiß, ist: Der Mann hat recht. In Berlin ist tatsächlich vieles günstiger als überall sonst.

Unschlagbar günstig ist auch das Bier

Am auffälligsten ist das ja immer beim Essen. Döner für eins fünfzig zum Beispiel, der Berliner Klassiker. Mit ganz viel scharfer Soße, um den komischen Nachgeschmack vom, nun ja, "Fleisch" zu übertünchen. Selbst richtige Restaurants unterbieten sich hier ja mit ihren Preisen. Eine Pizza für drei Euro, dazu 'ne kleine Cola – und schon hat man ein Abendessen für unter fünf Euro. Nur in Berlin gibt es ja auch die Sushi-Läden, die grundsätzlich immer auf ihr gesamtes Angebot 50 Prozent Rabatt gewähren und das auch direkt so in ihre Speisekarten gedruckt haben. Also: Sake Maki, 4,20 Euro durchgestrichen, 2,10 Euro in Rot daneben. Damit man das Gefühl hat, was ganz Hochwertiges für wenig Geld zu essen – und gar nicht erst anfängt, über scharfe Soße nachzudenken. Unschlagbar günstig ist hier auch das Bier. Fast nirgendwo sonst in Deutschland kann man sich so billig betrinken.

Da haben sich tatsächlich Menschen zusammengesetzt und das ausgerechnet: 2,78 Euro kostet ein Bier bei uns im Durchschnitt, so steht es im sogenannten Bierpreisindex. Günstiger ist es nur in München, wobei ich das ganz ehrlich anzweifle. In München ist doch sonst alles wahnsinnig teuer. Na ja, vielleicht erträgt man das ja auch nur, wenn man ordentlich einen in der Krone hat.

Die Flasche Rotwein kostet in Berlin weniger als in Hamburg

Apropos Alkohol: 5,89 Euro kostet eine Flasche Rotwein in Berlin im Durchschnitt – weniger als in München und Hamburg. Dafür ist Käse hier teurer als in beiden Städten – 5,65 Euro für 500 Gramm. All das kann man im Internet nachgoogeln, anscheinend sind ziemlich viele Menschen ganz besessen davon, Preise für alle möglichen Dinge des täglichen Lebens zu vergleichen. Die Frage ist nur, was man dann davon hat. Wegen der horrenden Käsepreise ist wohl noch keiner aus Berlin weggezogen. Immerhin hat man mit diesem Wissen wieder ein paar Smalltalk-Themen mehr, wenn man mal wieder nicht weiß, was man sonst auf einer langweiligen Party mit langweiligen Gästen reden soll. Gern geschehen.

Das Einzige, was ich in Berlin abartig teuer finde, sind Smoothies und frisch gepresste Säfte. In einem Laden bei mir um die Ecke kostet mein Lieblingssmoothie 5,80 Euro. Das sind elf Mark. Für Saft. So viel wie für eine Flasche Rotwein. Oder zwei Bier. Oder zwei Dreiviertelportionen Sake Maki. Oder: Fast vier Döner. Ganz schön teuer.

Doch lange nicht so unbezahlbar wie eines: Zwei Berliner, die in der norddeutschen Pampa plötzlich deine Rettung sind.

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