Kultur

Hochkarätige Gratulationsschau

Auktionshaus Ketterer Kunst ist seit zehn Jahren in Berlin vertreten – und feiert es

Lasziv liegt ihr üppiger nackter Körper auf dem grünen Tuch. Ihr Blick ist auf den ebenfalls nackten Inder gerichtet, der mit langem Haar und Schnurrbart im Schneidersitz vor ihr sitzt. Im Vordergrund sind Früchte in einer geschnitzten Schale zu sehen. Man denkt an ein freizügiges Picknick im Sommer. Die Farben sind kräftig komplementär angelegt, die grüne Decke steht dabei im Kontrast zum rostig-roten Hintergrund. Das sinnliche Gemälde "Weib mit Inder auf Teppich" des Brücke-Expressionisten Hermann Max Pechstein von 1910 stammt aus einer Reihe von "Inder"-Darstellungen, von denen es wahrscheinlich fünf Stück gab, zwei davon sind verschollen.

Nun ist es in der Ausstellung "Auf Achse zwischen München und Berlin – 10 Jahre Kunst-Repräsentanz in Berlin" zum Jubiläum der Repräsentanz des Münchner Auktionshauses in dessen Räumen an der Fasanenstraße zu sehen. Mit 39 Werken feiert Ketterer Kunst seine Erfolge. Der Pechstein wurde 2011 für 800.000 Euro zur Versteigerung angeboten und erzielte schließlich mit einem Erlös von rund 3,5 Millionen Euro einen bis heute nicht gebrochenen Weltrekord für ein Pechstein-Gemälde. Nun hat der Besitzer es für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Seit 1997 ist Ketterer Kunst in Berlin präsent, erst veranstaltete das Haus Jahresauktionen mit zeitgenössischer Kunst. Davon hat sich Ketterer dann jedoch verabschiedet, da die Versteigerungen im Münchner Stammhaus lukrativer waren. Eine Repräsentanz in Berlin war jedoch unverzichtbar: "Berlin war für uns immer wichtig: als Hauptstadt, als entscheidender Ort für die Kunst mit vielen Besuchern und Kunstliebhabern aus aller Welt", sagt Robert Ketterer.

Er übernahm das Geschäft 1994 von seinem Vater, der 1954 mit einer kleinen Galerie in Stuttgart begonnen hatte. Die Nachbarschaft zur Villa Grisebach, dem Berliner Auktionshaus gleich gegenüber, hält Ketterer für äußerst fruchtbar: "Durch die Nähe zu unseren Kollegen hat das internationale Publikum – wie es auch in London Tradition ist – die Möglichkeit, in kürzester Zeit die wichtigsten Objekte zu sehen, die in Deutschland angeboten werden." Den Hauptsitz nach Berlin zu verlagern, war für Ketterer allerdings nie eine Überlegung wert, "denn in München haben wir ein starkes Umfeld, was Käufergruppen angeht. In der Masse gibt es kaum eine Region, in der so viele Sammler sitzen, wie im süddeutschen Raum."

Für die Jubiläumsschau hat sich Simone Wiechers, Leiterin der Berliner Repräsentanz, etwas Besonderes ausgedacht. Sie hat wichtige Museumsausstellungen der letzten zehn Jahre in Berlin und München recherchiert, in denen Werke der von Ketterer versteigerten Künstler vertreten waren. Von jedem hängt nun ein Gemälde in der Repräsentanz.

Zu sehen sind wunderbare Bilder von Gabriele Münter, Karl Schmidt-Rottluff, Emil Nolde, Serge Poliakoff, Emil Schumacher, Fernand Léger, Andy Warhol, Georg Baselitz, Otto Piene und vielen mehr – eine beeindruckende Liste großer Namen. Die meisten Werke sind Leihgaben, nur drei davon verkäuflich: ein großformatiges Gemälde von Wilhelm Nay aus dem Jahr 1966, eine Studie in Öl von Max Liebermann und das Relief "Frau" von Stephan Balkenhol aus dem Jahr 2013 (Preise auf Anfrage).

Ketterer Kunst, Fasanenstraße 70, Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr. Bis 30. April

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