Kultur

Galerist Michael Kewenig stirbt mit 68 Jahren

Berlin verliert einen leidenschaftlichen Kunsthändler, Ästheten und Kenner der Kunst im umfassenden Sinne: Der Galerist Michael Kewenig starb Ostern ganz überraschend im Alter von 68 Jahren auf Mallorca, wo er eine Dependance besitzt. Die Berliner Galerie in der Brüderstraße 10 wird sein Sohn weiterführen, in Palma de Mallorca wird seine Frau Jule die Geschäfte regeln. Das Ehepaar hatte zuvor noch eine Woche gemeinsam auf der Insel verbracht, wie es auf Mallorca heißt. Kewenig war auch dort ein gern gesehener Gast bei Vernissagen.

Die Überraschung war groß, als Kewenig 2013 den Hauptsitz seiner Galerie aus Köln nach Berlin verlegte. Er wollte noch einmal frischen Wind im Geschäft, Veränderung tut immer gut. Das Signal war deutlich: nicht mehr das Rheinland, sondern Berlin sei der Nabel der Kunstwelt, so zumindest deutete man den Umzug in Berlin. Kewenig hatte eigentlich Jura studierte, arbeitete dann aber bei dem renommierten Kunsthändler Rudolf Zwirner. Hier fing er an, Kontakte in der Kunstszene zu knüpfen.

2004 eröffnete er die Dependance auf Mallorca

1986 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Jule in Frechen bei Köln seine eigene Galerie. Die Galerie spezialisierte sich auf die italienische Arte Povera und auf Konzeptkunst. 2003 zog das Haus in die Kölner Innenstadt, 2004 eröffnete die Dependance auf Mallorca. Die Kewenig Galerie gehört zu den großen in Deutschland. Man setzt auf Konzeptkunst, Minimalismus und Arte Povera. Hanne Darboven, A.R. Penck, Nan Goldin gehören auf die große Künstlerliste. Zudem vertritt die Galerie Nachlässe wichtiger Künstler. Wenn es um Kompromisse ging – in der Kunst gab es für den Galeristen nur Qualität. Wer ihn zum Gespräch traf, verließ ihn äußerst angeregt und voller Ideen.

In Berlin zog Kewenig zunächst in ein Umspannwerk in Moabit, später ins historische Palais Happe, auch "Galgenhaus" genannt, ein sensibel und denkmalgerecht saniertes Bürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert in Mitte. Zur Eröffnung zeigte Kewenig den Geschichtsbeschwörer Christian Boltanski mit der Ausstellung "Große Hamburger Straße", ein Projekt, das der Künstler 1990 kurz nach dem Mauerfall unter der Ägide des Dramatikers Heiner Müller realisiert hatte. Es folgten Ausstellungen von internationalen Künstlern wie Kounellis und Kentridge. Zum Gallery Weekend nächste Woche annonciert die Galerie die südkoreanische Künstlerin Kimsooja. Michael Kewenig wird fehlen.

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