Streiks an Flughäfen

In der Boombranche regiert der Billiglohn

Das Bodenpersonal hat zu wenig vom Geschäft an den Flughäfen, meint Joachim Fahrun.

Leere Counter am Flughafen Tegel während des Warnstreiks am 16. Februar 2017

Leere Counter am Flughafen Tegel während des Warnstreiks am 16. Februar 2017

Foto: Frank Lehmann

Arbeitskämpfe treffen meistens Menschen, die für den Konflikt nichts können. Das gilt umso mehr an den Berliner Flughäfen, wo unbeteiligte Reisende ausbaden müssen, dass sich die Gewerkschaft und die Arbeitgeber nicht auf mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen für das Bodenpersonal einigen konnten. Jetzt erhöht Verdi, offenbar unterstützt von einem Großteil der Belegschaft, den Druck und bereitet die Urabstimmung über einen echten Streik vor. Sollte der kommen, wäre der Schaden für Reisende, Airlines, Flughäfen und Berlin insgesamt enorm.

Dennoch ist die Kampfbereitschaft der Koffer-Schlepper und anderer, die Tegel und Tempelhof am Laufen halten, nachvollziehbar. Elf Euro verdienen sie pro Stunde, nicht viel über Mindestlohn. Dabei ist die Arbeit hart, verantwortungsvoll, und wichtig für den geregelten Betriebsablauf und die Sicherheit.

An Berlins Flughäfen werden Millionen verdient

Die Luftfahrt ist alles andere als eine Krisenbranche, wo Lohnzurückhaltung den eigenen Job sichern kann. Berlins Flughäfen brummen, hier werden Millionen verdient, die zum großen Teil ins Endlosprojekt BER fließen. Berlin lockt die Billig-Airlines mit günstigen Tarifen, da ist offenbar kein Geld mehr da, um auch die letzten Glieder der Kette auf den Rollfeldern, an den Check-ins und an den Kofferbändern ordentlich zu bezahlen. Tatsächlich ist bei Dumpingpreisen für viele Tickets kaum vorstellbar, wo da noch die paar Euros für das Bodenpersonal enthalten sein sollen. Dabei steigen die Anforderungen mit der Zahl der Fluggäste.

Das Schicksal der Beschäftigten bei den externen Dienstleistern darf auch Berlins Politik nicht egal sein. Denn auch diese Arbeiten wurden im Laufe der letzten Jahre privatisiert. Darum arbeiten dort jetzt viele Menschen in Teilzeit oder mit befristeten Verträgen. Die von Rot-Rot-Grün propagierte "Gute Arbeit" sieht jedenfalls anders aus als die Billig-Jobs im Bauch der Geldmaschinen Tegel und Schönefeld.

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