Mein Berlin

Männer gehen in Berlin so schnell weg wie freie Parkplätze

In Prenzlauer Berg werden sogar freie Parkplätze jetzt zum Business. Dabei ließe sich das Konzept sogar noch ausweiten.

Nina Paulsen / Berliner Morgenpost

Nina Paulsen / Berliner Morgenpost

Foto: Reto Klar

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind ziemlich mysteriös. Der Yeti oder das Monster von Loch Ness. Oder wenn man nach Ewigkeiten mal wieder an einen alten Schulfreund denkt und der sich just einen Tag später wie durch Gedankenübertragung meldet. Eines der größten Mysterien ist für mich allerdings Werbung. Weil sie ziemlich oft megabescheuert ist. Und weil ich einfach nicht verstehe, wie die Psychologie dahinter funktioniert.

Bei uns um die Ecke zum Beispiel hat eine Immobilienfirma ihr Büro. Vor der Tür gibt es einen Aufsteller mit der tiefschürfenden Aufforderung: "Träume nicht dein Leben. Lebe deine Träume". Nicht der originellste Satz aller Zeiten, aber nun gut. Seine Träume leben will jeder, dagegen kann man nichts sagen. Auf dem Aufsteller allerdings ist ein Mann abgebildet, der in einer Badewanne voller Fruit Loops sitzt. Jep. Nicht Schampus. Nicht Hundert-Euro-Scheine. Fruit Loops. Wer träumt von so was? Was hat das mit Häusern zu tun? Und wen um alles in der Welt soll das dazu bewegen, das Büro der Immobilienfirma zu betreten? Kinder vielleicht, denn die essen gerne Fruit Loops. Nur haben die für eine Wohnung meist nicht genügend Kapital. Nicht mal in Prenzlauer Berg.

Prenzlauer Berg in den 80er-Jahren und heute

Neuer Trend in Sachen Werbung ist in Berlin ja jetzt, Plakate wie handgeschriebene Abreißzettel aussehen zu lassen. Wie am Schwarzen Brett in der Uni. Das soll dann bestimmt einen persönlichen Touch vermitteln, so wie ein handgeschriebener Brief, der ja als Kommunikationsform immer noch das Nonplusultra ist. Ein Unternehmen für Reinigungskräfte macht das mit den Pseudo-Abreißzetteln. Und seit einiger Zeit die Macher einer Parkplatz-App, die ihre Plakate an sämtliche Haustüren bei uns gepinnt haben: "Hallo an alle!", steht da.

"Mein Name ist Max, ich bin 22 Jahre alt und Student und wohne hier in Prenzlauer Berg. Neben dem Studium bin ich Parkplatz-Spotter in Deiner Nachbarschaft." Aha. Max schreibt weiter, dass er meine Gegend "ständig" nach freien Parkplätzen absucht. Und dann einer App Bescheid sagt, die ich mir auf mein Handy laden kann. Den Namen der App kann man sich dann unten abreißen.

Männer gehen heutzutage ebenso schnell weg wie freie Parkplätze

Oh Mann. In Berlin kann man auch wirklich alles zu einem Business machen. Selbst etwas so Kurzlebiges wie Parklücken. Ich finde, Max könnte auf seinen Touren dann gleich noch mal nach anderen Dingen Ausschau halten. Hundehaufen zum Beispiel. Gerade jetzt, wo es schon so früh dunkel ist, sind die Hinterlassenschaften der Vierbeiner ja nicht immer gut zu erkennen.

Die könnte die App dann in eine Karte einzeichnen, so dass ich immer weiß, wo ich gefahrlos langgehen kann. Oder freie Sitzplätze in Bus und Bahn. Oder den niedrigsten Bier- und Dönerpreis der Stadt. Oder für Frauen: Eine App mit Sin­gle-Männern über 30. "Achtung, Mann gesichtet. Allein, 1,80 Meter groß, Karohemd, kein Ehering, schütteres Haar, aber noch alle Zähne. Jetzt vor der Pizzeria am Kollwitzplatz. Gruß, Max." Da müsste man sich dann aber beeilen. Männer gehen heutzutage ebenso schnell weg wie freie Parkplätze.

So ist das mit der Werbung

Aber eigentlich sollte Max sich doch auf sein Studium konzentrieren und nicht "ständig" in meinem Kiez Dinge suchen müssen. Max mit seinen 22 Jahren macht gerade bestimmt seinen Bachelor in irgendwas. Vielleicht in BWL, vielleicht aber auch in Angewandter Freizeitwissenschaft oder Coffee Management. Beides gibt es wirklich und würde ebenso gut wie das professionelle Parkplatzsuchen ganz hervorragend nach Berlin passen. Vielleicht will Max aber auch Werbefachmann werden.

Um sich richtig ausgefallene Slogans auszudenken: Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Dazu ein Mann, der in einer Badewanne mit Knetmasse sitzt. Die Werbung ist dann für ein teures Auto. Ja, das klingt absurd. Aber so ist das mit der Werbung. Mysteriös, nicht wahr?

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