Auf Antrag der Grünen wurde zu diesem Thema im Abgeordnetenhaus diskutiert - auch vor dem Hintergrund des Mitspracherechts der Länder bei dem CCS-Gesetz, über das Ende Juni dieses Jahres erneut entschieden werden soll.
"Sollte das Gesetz kommen, werden die Speicher in Beeskow und Neutrebbin sehr schnell voll sein", mahnte BUND-Sprecher Axel Kruschat am Montag während einer Anhörung im Abgeordnetenhaus. Bei 35 Millionen Tonnen flüssigem CO2 unter der Erde Brandenburgs sei Berlin "mitten drin". Die größte Gefahr sieht er in einer drohenden Versalzung des Grundwassers. "Die Ströme bewegen sich unterirdisch in einem Radius von 100 Kilometer, Berliner müssen begreifen, dass sie direkt betroffen sind, sollte es zur Verpressung kommen", sagte der Umweltschützer. Eine Einschätzung, die die Berliner Wasserbetriebe teilen.
NOCH IMMER IN DER TESTPHASE
Zur Anhörung war auch Klaus Freytag, Präsident des Landesamts für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) anwesend. Freytag betonte die Notwendigkeit, den Kohlendioxidausstoß aus der Braunkohleverstromung zu reduzieren. "Ich betone, dass wir uns noch immer in der Testphase befinden", sagte er. Während der Anhörung kam auch Michael Donnermeyer, Geschäftsführer vom Informationszentrum für CO2-Technologien (IZ Klima), zu Wort. "Die CCS-Technologie kann einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten", sagte Donnermeyer. Der Vattenfall-Vertreter sagte, dass das Unternehmen ebenso prüfe, CO2-Zertifikaten zu kaufen, statt weiter in die teure Technologie zu investieren. Das Grundproblem des Landes Brandenburg: Es pustet zu viel CO2 in die Luft, ab 2013 müssen Emissionszertifikate zu 100 Prozent bezahlt werden.
Kritiker der Technologie werfen dem Energieunternehmen Vattenfall vor, mittels CCS die Laufzeiten der Braunkohlekraftwerke verlängern zu wollen. Zudem will das Unternehmen nur 30 Jahre haften. "Es wird keine Entscheidung ohne den Willen Berlins geben", sagte Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke). Wie Berlin seinen Einfluss gelten machen will, ließ sie offen. "Ich glaube nicht, dass es wirklich dazu kommt, dass in Berlin Kohlendioxid verpresst wird", sagte sie. Im Abgeordnetenhaus gab es nicht nur kritische Stimmen zum CCS-Gesetz. Vor allem im Hinblick auf die Wende in der Atompolitik wollten einige Abgeordnete keine Grundsatzkritik üben. "Die Energiepolitik wird sich in den nächsten Jahren ändern, wir müssen alle Optionen prüfen, auch diese", sagte Henner Schmidt (FDP). Er betonte aber auch, dass er die noch wenig erforschte Technologie mit der nötigen Skepsis begleiten werde. Ähnlich sehen das die Grünen. "Wir müssen prüfen, wie umweltverträglich die CCS-Technik tatsächlich ist", sagte der Abgeordnete Michael Schäfer. Er hält den Einsatz der Technologie dort für sinnvoll, wo man auf Braunkohle nicht verzichten könne. "CCS darf aber nicht dazu führen, um den Braunkohleabbau zu verlängern." Dass die CO2-Verpressung kommt, dafür spricht, dass die Forschung zu unterirdischen Kohlendioxidspeichern seit einigen Jahren vorangetrieben wird. Wissenschaftler schlagen vor, Saline Aquifere - tiefliegende, mit Salzwasser getränkte Sandsteinschichten - die sich im Norden und Osten Deutschlands befinden, als Speicher zu nutzen. Mehrere Millionen flüssiges CO2 könne dort rund 1000 Meter tief und sicher verpresst werden.
Mit Fördergeld der Europäischen Union forciert das Land Brandenburg die Technologie. Derzeit gibt es eine Testanlage in Ketzin. Kruschat, der den Austausch mit Geologen pflegt, die in den Forschungsprozess involviert sind, warnte nicht nur vor CO2-Leckagen und einer Grundwasserversalzung. "Wenn dort flüssiges Gas in den Boden gepresst wird, entsteht ein enormer Druck, der sich in Erdbeben entladen könnte", mahnte er.
In Brandenburg werden Probebohrungen in Beeskow und Neutrebbin unter großem Protest der Anwohner durchgeführt. Die Gegner kritisieren, dass Kohlendioxid ab acht Prozent in der Luft tödlich sein kann und dass die Langzeitfolgen kaum abzuschätzen seien. Überregional haben sich inzwischen Bürgerinitiativen vernetzt, denn auch in Norddeutschland befinden sich viele Gebiete, die zur Verpressung geeignet sein sollen. Zuletzt zogen Tausende Menschen vor das Brandenburger Tor, darunter viele Landwirte, die sich um die Verseuchung ihrer Äcker sorgen.