Basketball

Rudi Völlers Sohn macht Alba eine Kampfansage

Marco Völler, Sohn des Fußball-Weltmeisters, spielt mit Gießen eine erstaunlich gute Saison – und will am Sonntag in Berlin gewinnen.

Für Marco Völler läuft es im ersten Bundesliga-Jahr mit Gießen besser als erwartet

Für Marco Völler läuft es im ersten Bundesliga-Jahr mit Gießen besser als erwartet

Foto: imago sport / imago/Jan Huebner

An der Fußball-Hymne "Es gibt nur ein' Rudi Völler" ist nichts Falsches. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass es auch einen Marco Völler gibt. Der Sohn des Weltmeisters von 1990 und ehemaligen Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft ist Basketball-Profi, und seine Geschichte ist hinlänglich erzählt. Mit 14 verlor er den Spaß am Kicken und fand ihn beim Basketball wieder. Heute ist Völler junior 28 Jahre alt, misst 1,99 Meter und ist mit seiner Athletik eine Konstante im Spiel der Gießen 46ers, mit denen er am Sonntag (15.30 Uhr) bei Alba in der Mercedes-Benz Arena zu Gast ist.

Nach neun Jahren in der zweiten Liga spielen Sie jetzt Ihre erste Saison in der Bundesliga. Werden Sie noch immer darauf angesprochen, dass Sie der Sohn Ihres berühmten Vaters sind, Herr Völler?

Marco Völler: Ja, schon, aber nicht mehr ganz so oft, ich glaube, jetzt weiß es fast jeder. Wenn ich angesprochen werde, ist es auch okay, es gehört ja zu meinem Leben.

Sie haben erst mit 27 Jahren den Sprung in die Bundesliga geschafft, und wie es scheint, ohne Probleme. Elf von 18 Spielen für die 46ers standen Sie in der ersten Fünf und Ihr Vertrag wurde gerade verlängert. War das für Sie nur ein kleiner Schritt?

Marco Völler: Ich kam in eine gute Mannschaft mit einem guten Trainer, die es mir als Liga-Neuling leicht gemacht hat. Ich versuche das, was ich kann, einzubringen und ich denke, das kriege ich auch ganz gut hin, und deshalb war der Übergang auch nicht wirklich schwierig, obwohl die Anforderungen deutlich andere sind. Das Spiel ist schneller und athletischer. Meine Stärken kann ich jetzt nicht mehr so ausspielen.

Welche sind das?

Marco Völler: Ich behaupte mal, dass ich für Zweitliga-Verhältnisse schon recht athletisch und kräftig war. Jetzt ist es deutlich schwieriger, mal zum Korb zu kommen oder höher zu springen als andere.

Lieben Sie den Kraftraum? Haben Sie sich Ihre Athletik hart erarbeitet?

Marco Völler: Nein, ich mache das, was nötig ist, aber nicht viel mehr. Ich glaube, das ist bei mir eher Veranlagung.

Wenn die Athletik stimmte – was waren die Herausforderungen?

Marco Völler: Ich musste und muss noch lernen, schneller zu reagieren. In der zweiten Liga gibt es in der Verteidigung, aber auch im Angriff, Momente des Stillstands, wo du dich neu fokussieren kannst. Die gibt es in der Bundesliga nicht. Du musst innerhalb einer halben Sekunde Entscheidungen treffen, und das ist einer der Punkte, an denen ich arbeite.

Sie liegen mit Gießen auf Platz acht, einem Play-off-Platz. Das liegt oberhalb aller Erwartungen, wenn man bedenkt, dass der Klub nach einer Insolvenz erst 2015 wieder in die Bundesliga zurückkehrte. Wie haben Sie das gemacht?

Marco Völler: Wir sind schwer auszurechnen, wir spielen als Team zusammen, verteidigen hart, haben keine Ego-Zocker und jede Woche kann ein anderer zum X-Faktor werden. All das trägt natürlich die Handschrift unseres Coaches Dennis Wucherer und seines Trainerstabs, die uns auf die Gegner gut vorbereiten. Wir waren in der ersten Saisonhälfte auch eine gute Auswärtsmannschaft, und daran wollen wir in Berlin anknüpfen, zumal wir zu Hause gegen Alba mit 69:80 nur knapp verloren haben. Am Sonntag wollen wir das Spiel eng halten und es am Ende vielleicht für uns zu entscheiden.

Sie haben 2014 bereits ein Studium im Fach "International Sports Management" abgeschlossen. In genau diesem Bereich ist Ihr Vater tätig. Hat der Sie schon mal um Rat gefragt?

Marco Völler: Nein, nicht wirklich (lacht). Ich glaube, er weiß sehr gut, was zu tun ist. Es ist eher umgekehrt, dass ich ihn ab und an frage, wie er das eine oder andere früher gemacht hat.

Wissen Sie schon, was oder wen Sie einmal managen wollen?

Marco Völler: Nein, da habe ich noch nichts Konkretes im Auge. Ich konzentriere mich voll auf mein Leben als Basketball-Profi, und das genieße ich auch.

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