Alba-Trainer

Ahmet Caki: "Fehler der Spieler sind auch meine"

Wie Alba-Trainer Ahmet Caki sein erstes halbes Jahr in Berlin erlebte und er Bayern München gleich zweimal besiegen will.

Alba-Trainer Ahmet Caki muss nicht brüllen, um seine Spieler zu überzeugen

Alba-Trainer Ahmet Caki muss nicht brüllen, um seine Spieler zu überzeugen

Foto: Reto Klar

Ihn hatte niemand auf dem Zettel, als im vergangenen Sommer über die Nachfolge von Sasa Obradovic spekuliert wurde. Dann präsentierte Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi seinen "Wunschtrainer" Ahmet Caki. Mittlerweile hat der 41-Jährige aus der Türkei, der vom Topklub Anadolu Efes Istanbul kam, 35 Pflichtspiele mit Berlins Basketballteam absolviert, erreichte die Top 16 im Eurocup und ist in der Bundesliga Fünfter. Vor den Prestige-Duellen gegen Bayern München am Sonntag (15.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) in der Bundesliga und am Sonnabend darauf an gleicher Stelle (17 Uhr) im Pokalhalbfinale spricht Caki über seinen Start in Berlin, seine Philosophie von Basketball und Besuche in Kreuzberg.

Sie haben im Oktober beim FC Bayern mit 58:97 die bislang deutlichste Niederlage erlitten. Ist das eine Hypothek vor dem jetzt anstehenden Wiedersehen, Herr Caki?

Ahmet Caki: Nein, wir sind jetzt eine andere Mannschaft. Wir hatten ja erst einige Tage vor dem Saisonstart das komplette Team zusammen, kaum eine Vorbereitung. Sie waren bereit, wir nicht und haben schlecht gespielt. Natürlich sind die Bayern ein starkes Team, aber es wird ein anderes Spiel werden. Wir wollen zeigen, dass wir uns entwickelt haben und mit unseren eigenen Fans im Rücken gewinnen.

Ohne Ihren verletzten Spielmacher Peyton Siva?

Mit ihm wäre es einfacher. Jetzt ist es wichtig, dass die anderen ihre Rollen ausfüllen, die sich durch Peytons Fehlen verändert haben. Dass sie gegen Bayern München mehr als hundert Prozent geben müssen, ist allen klar.

Wie richtungsweisend ist das Spiel am Sonntag mit Blick auf das Pokalspiel?

Das ist schwer zu beantworten. Ich kann nur sagen, dass wir jeden schlagen können, wenn wir als Team zusammen stehen, aber auch verlieren können, wenn uns das nicht gelingt. Außerdem liegt zwischen beiden Partien noch das Bundesliga-Spiel gegen Jena. Erst danach werden wir uns auf den Pokal konzentrieren.

Sie hatten sich sicherlich viel vorgenommen, als Sie nach Berlin kamen. Was davon konnten Sie umsetzen, was nicht?

Meine Pläne hatten sich schnell sehr verändert, was an all den Problemen in der Vorbereitung lag. Du brauchst halt eine gewisse Zeit, um Stärken und Schwächen von jedem einzelnen einschätzen zu lernen. Nur dann kannst du sie so einsetzen, dass sie der Mannschaft optimal helfen. Das wurde ja auch immer wieder durch Verletzungen erschwert, die von Malcolm Miller und Tony Gaffney, einige Spiele bestritten wir ohne unsere Center Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic. Wir arbeiten viel an den Grundlagen, die nötig sind, um mit einem Maximum an Energie aggressiven Basketball zu spielen.

Das ist Ihnen ja auch durchaus gelungen. Aber es fehlt an Konstanz.

Darüber rede ich viel mit den Spielern. Wir haben zehn Siege in Folge in der Bundesliga und auch gute Spiele in Europa abgeliefert und auch einige Partien noch gedreht. Wir können ein gewisses Level erreichen, es aber dann oft nicht halten, das stimmt. Ich sehe die Ursache in den Ballverlusten, die wir uns aus einem Mangel an Konzentration leisten und die zu leichten Punkten des Gegners führen. Wir bekommen dann die Kontrolle über das Spiel nicht mehr zurück. Da bin ich wieder bei den Grundlagen, wir arbeiten daran, auch an unserer Verteidigung, per Video, im Training.

Ihre Körpersprache an der Seitenlinie ist, vorsichtig ausgedrückt, eine andere als beispielsweise die Ihres Vorgängers Sasa Obradovic. Sind Sie vielleicht zu nett?

Ich will vor allem der sein, der ich bin. In einem Team, das zusammenlebt wie eine Familie, gibt es auch keinen anderen Weg. Ich bin jemand, der positiv denkt und an Kommunikation glaubt. Wenn mir etwas nicht passt, mache ich das aber auch unmissverständlich klar. Natürlich müssen die Spieler der Linie, die ich vorgebe, folgen – aber sie müssen sie auch verstehen. Ich bin mit 18 Jahren Coach geworden und auch vielen harten Hunden begegnet, die Spieler nach jedem Fehler anschreien. Aber holt ein Spieler mehr Rebounds, wenn er Angst hat? Oder verliert er weniger den Ball? Ich glaube nicht. Außerdem sind Fehler auf dem Spielfeld ja auch irgendwie meine Fehler.

Die Eurocup-Saison ist vorbei, nach dem Pokal-Wochenende werden Sie bis Anfang Mai nur noch ein Spiel pro Woche haben. Werden Sie das Training umstellen?

Ja, unser Rhythmus wird sich stark verändern. Und wir werden uns mehr mit Details befassen können, mit Dingen, für die wir im Sommer und auch in den Monaten, in denen wir alle drei, vier Tagen spielten, keine Zeit hatten. Wir werden die Zeit nutzen.

Wie haben Sie sich in Berlin eingelebt?

Sehr gut, auch meine Frau fühlt sich hier sehr wohl. Aber in meinem Beruf bekommst du, egal in welcher Stadt, von der Umgebung nicht viel mit. Du gehst morgens ins Büro, bereitest das Training vor, trainierst und bist dann wieder unterwegs.

Sie leben in einer Stadt, in der rund 200.000 Ihrer Landsleute leben. Haben Sie zu denen schon Kontakte geknüpft?

Ich war ein paar Mal zum Abendessen in Kreuzberg und habe gestaunt, dass ich oft alles verstanden habe, wenn sich Leute unterhalten haben, die an mir vorüber gingen. Im Restaurant haben sich die Leute gefreut, dass einer ihrer Landsleute jetzt hier als Coach arbeitet. Aber viel Zeit hatte ich nicht. Mein Sohn ist fünf Jahre alt, um den kümmere ich mich viel. Er lernt Englisch und Deutsch gleichzeitig, dabei will ich ihm, so gut ich kann, helfen (lacht). Ach so, ich gehe zu einem türkischen Friseur. Man möchte schließlich genau verstanden werden, wenn man sagt, wie man nach dem Haarschnitt aussehen will.

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