Basketball

Der Trainer, der Albas ewiger Rivale ist

Dirk Bauermann trifft mit Würzburg auf die Berliner Basketballer. Von seinem Ehrgeiz hat der frühere Meistermacher nichts eingebüßt.

Trainer Dirk Bauermann und Lamonte Ulmer

Trainer Dirk Bauermann und Lamonte Ulmer

Foto: Heiko Becker / picture alliance / HMB Media

Essen.  Es gibt Situationen, die selbst ein Dirk Bauermann nicht gewohnt ist. Das sagt viel aus, denn Dirk Bauermann ist so einiges gewohnt, er hat bei seiner Arbeit als Basketball-Trainer schon viel erlebt. Sei es das Gespräch mit dem Präsidenten von Dafni Athen, bei dem der Chef des griechischen Vereins eine Pistole aus der Schreibtischschublade zog, als Bauermann einen Spieler verteidigte. Oder die Situation beim russischen Klub Krasny Oktjabr Wolgograd, als der Vereinspräsident selbst ein Trikot überstreifen und im europäischen Wettbewerb mitspielen wollte. Doch verlieren? Sechs Mal hintereinander? Diese Situation war eine völlig neue für den 59-Jährigen. "Ich habe bisher vielleicht drei, vier Spiele hintereinander verloren. Aber Herausforderungen sind dafür da, dass man sich ihnen stellt und dass man so lange kämpft, bis sich alles zum Guten wendet."

Kompromissloser Workaholic

Es war eine kleine Sensation, als Dirk Bauermann Anfang des Jahres als neuer Trainer von Würzburg vorgestellt wurde. Lange gab es im deutschen Basketball nur zwei Namen, die fast jeder kannte. Den von NBA-Star Dirk Nowitzki. Und den von Dirk Bauermann, dem Trainer in dem dunklen Anzug, mit dem grimmigen Blick und der stets perfekt gegelten Frisur. Während Spieler Nowitzki allseits bejubelt wurde, galt Bauermann lange als polarisierend. Respektiert wurde er, gemocht weniger.

Der Oberhausener wirkte oft unnahbar, strahlte in manchen Situationen eine Aura der Arroganz aus. Doch abseits des Feldes war Bauermann auch schon früher ein angenehmer Gesprächspartner und unumstrittener Fachmann. Ein Workaholic, der von seinen Spielern kompromisslosen Einsatz verlangt und sich selbst davon nicht ausnimmt. Der Erfolg gab ihm recht. Sieben Mal wurde er mit Leverkusen und zweimal mit Bamberg Deutscher Meister, das Nationalteam führte er 2005 als Bundestrainer zum Gewinn der Silbermedaille bei der EM. Es gibt keinen erfolgreicheren deutschen Trainer im Basketball.

Aura der Arroganz

Bauermann bezeichnet sich selbst gern als "Kind der Bundesliga". Nun also hat Deutschlands Oberhaus seinen verlorenen Sohn zurück, nachdem dieser 2012 überraschend von Bayern München entlassen wurde und für vier Jahre ins Ausland ging. Er war Vereinstrainer in Litauen und Russland, er war Nationaltrainer von Polen und dem Iran. Vier Jahre im Ausland. Vier Jahre, die ihn verändert haben. "Grundsätzlich wird man mit der zunehmenden Erfahrung immer etwas gelassener. Man hat schon jede Situation erlebt und durchlebt, insofern kann einen da nichts mehr überraschen. Gerade Erfahrungen mit den nicht immer einfachen Strukturen in Russland und im Iran sind sicher hilfreich für den künftigen Weg."

Der hat ihn nun nach Würzburg geführt. Zu einem Team, das in der laufenden Spielzeit zu selten gewann und sich deshalb Ende vergangenen Jahres von seinem Trainer Doug Spradley trennte. Die Unterfranken sind keines der Spitzenteams, bei denen man Bauermanns Rückkehr erwartet hätte. Warum also die bayerische Universitätsstadt? "Würzburg ist ein Klub, bei dem sehr viel möglich ist. Es gibt einen stabilen Hauptsponsor, der anvisierte Bau einer neuen Halle scheint zu klappen. Und es gibt die Möglichkeit, langfristig etwas aufzubauen. Das waren die Kriterien, nach denen ich gesucht habe", sagt Bauermann.

Plötzlich ein Retter

In Würzburg hat er jedoch eine für ihn völlig neue Situation vorgefunden. Statt in Ruhe ein Spitzenteam zu formen, muss er mitten in der Saison als Retter funktionieren. Denn Würzburg taumelt immer näher an die Abstiegszone, auch unter Bauermann stellte sich lange kein Erfolg ein. Gegen Bayern München sahen seine Würzburger zwar gut aus, gegen Meister Bamberg ebenfalls. Doch am Ende standen sechs Niederlagen unter seiner Leitung. "Ich habe schon sehr viel schwierigere Situationen erlebt und gelöst. Insofern beunruhigt mich das hier überhaupt nicht", sagte Bauermann trotzig, und tatsächlich gab es vergangenen Freitag den ersten Sieg. 98:73 hieß es gegen favorisierte Oldenburger. "Erfolge kommen immer über den Kampf", sagte Bauermann danach sichtlich zufrieden.

Er stand schon immer für kämpferischen Basketball. Unter seiner Leitung waren die Bamberger wegen ihres physischen Spiels und der kompromisslosen Defensivarbeit Anfang des neuen Jahrtausends schon lange vor der deutschen Handball-Nationalmannschaft als "Bad Boys" bekannt. Auch in Würzburg gilt es zunächst, die Verteidigungsarbeit zu verbessern. Da das Erreichen des Play-offs unrealistisch ist, blickt Bauermann bereits voraus, sein Vertrag gilt bis 2020. Er soll etwas aufbauen in Würzburg, den Verein in die deutsche Spitze bringen. Bauermann: "Ich glaube, wir müssen in allen Bereichen professioneller werden. Sei es Infrastruktur, Trainerstab oder in der Betreuung der Spieler. Das ist ein Prozess."

Nowitzki beobachtet alles

Am Sonnabend (18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) geht es für Würzburg gegen Alba Berlin, Bauermanns ewigen Rivalen. Ob in den 1990er-Jahren mit Leverkusen oder Anfang der 2000er-Jahre mit Bamberg – stets war Alba einer der größten Gegner von Bauermanns Teams im Titelkampf. Der Hauptstadtklub schwächelt: In Göttingen verlor Alba am Sonntag mit 76:81, es war die vierte Niederlage in Serie.

Immerhin: Würzburgs berühmtester Basketballer drückt aus dem fernen Dallas die Daumen. "Er hat sich gemeldet und viel Glück gewünscht", sagte Bauermann über seinen Kontakt zu Dirk Nowitzki. "Er beobachtet alles mit Wohlwollen."

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