21.05.2012, 15:48

Nach Skandalspiel Einspruch abgewiesen – Hertha legt Berufung ein

DFB-Sportgericht verkündet Urteil zum Düsseldorfer Skandalspiel

Foto: DPA

DFB-Sportgericht verkündet Urteil zum Düsseldorfer Skandalspiel Foto: DPA

Das Sportgericht des DFB hat Herthas Einspruch abgewiesen. Die Berliner wollen nun allerdings vor das DFB-Bundesgericht ziehen.

Hertha BSC wird gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts Berufung einlegen. Das erklärte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt am Montag in Frankfurt/Main. Zuvor hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes den Einspruch des Berliner Clubs gegen die Wertung des Bundesliga-Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf abgewiesen. Nächsthöhere Instanz ist nun das DFB-Bundesgericht.

Laut erster Instanz sind die Berliner damit abgestiegen, während die Fortuna nach 15 Jahren in die Bundesliga zurückkehrt. Das Sportgericht hält Herthas Einspruch für unbegründet. "Der Einspruch hatte keinen Erfolg, weil kein Einspruchsgrund nachzuweisen war. Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden", sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz.

"Ausleben ihres Glücksgefühls"

Zur Begründung sagte Lorenz weiter, dass die Düsseldorfer Fans am vergangenen Dienstag das Spielfeld "nicht mit der Absicht, Gewalt auszuüben", sondern beim "Ausleben ihres Glücksgefühls" gestürmt hätten. Am zurückliegenden Freitag hatte der Richter die Verhandlung nach fast sieben Stunden im Anschluss an die Schlussplädoyers unterbrochen und die Entscheidung auf Montag vertagt. "Der Beratung kam eine nicht unerhebliche Bedeutung zu", sagte Lorenz.

Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Partie in Düsseldorf Protest eingelegt. Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen. Als die Fans den Rasen wieder verlassen hatten, pfiff der Referee die Partie noch einmal für 93 Sekunden an.

Einen Tag später legte die Hertha Einspruch ein. "Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich", begründete Manager Michael Preetz. Herthas Anwalt Christoph Schickhardt hatte argumentiert, die Spieler hätten "Todesangst" gehabt und die Mannschaft sei laut DFB-Statuten durch einen "im Spiel auftretenden Umstand" geschwächt gewesen. Der Richter folgte aber der Argumentation von DFB-Chefankläger Anton Nachreiner, dass durch die Beweisaufnahme "eine Schwächung nicht nachzuweisen" gewesen sei.

Hertha könnte theoretisch vor Internationale Sportgerichtshof ziehen

Nun - nach Herthas Ankündigung einer Berufung - wird es wohl am Mittwoch zu einer weiteren Verhandlung am Grünen Tisch kommen. Ungewiss ist, ob die Hertha darin neue Argumente für ein gegenteiliges Urteil vorbringen kann. Anschließend wäre ein Gang vor das DFB-Schiedsgericht möglich. Selbst der Internationale Sportgerichtshof CAS könnte theoretisch noch eine Rolle in der Auseinandersetzung spielen.

Weitere Strafen wegen des Skandalsspiels

Auf beide Vereine warten aber auf jeden Fall Strafen wegen des Skandalspiels. So muss Hertha mit einer Geldstrafe rechnen, weil Fans Bengalos gezündet und auch aufs Spielfeld geworfen hatten. Düsseldorf droht wegen des Platzsturms sogar ein Geisterspiel oder eine Platzsperre.

Zu einer möglichen Geldstrafe sagte Fortuna-Finanzvorstand Paul Jäger der Zeitung "Express": "Wir werden das unter denen aufteilen, die wir ausfindig machen können. Alle anderen können anonym in einen Pool einzahlen. Dann ist es für den Rest nicht ganz so teuer."

Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt.

Kobiaschwili soll Stark mit der Faust auf den Hinterkopf geschlagen haben. Die Berliner hätten zudem "die Schiri-Kabine stürmen" wollen, hatte Stark berichtet und die entscheidende Behauptung der Berliner Offiziellen entkräftet: "Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichter-Team losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben."

(dpa/dapd/sid/ap)
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