Boxen

Die letzte Chance für Ex-Champion Arthur Abraham

Der Ex-Champion bestreitet gegen Robin Krasniqi seinen 51. Profi-Kampf. Nur bei einem Sieg bietet sich ihm eine erneute WM-Chance.

Der Wahl-Berliner Arthur Abraham verlor seinen WM-Gürtel der WBO im April 2016. Jetzt will er es noch mal wissen

Der Wahl-Berliner Arthur Abraham verlor seinen WM-Gürtel der WBO im April 2016. Jetzt will er es noch mal wissen

Foto: Getty Images / Bongarts/Getty Images

Hamburg.  Der Boxtrainer Hans-Ullrich Wegner hat in seiner Karriere so viel erlebt, dass er sich den Luxus der eigenen Meinung erlauben kann, ohne auf Empfindlichkeiten anderer zu sehr achten zu müssen. Deshalb spricht der 74-Jährige vor dem zu Deutschlands Kampf des Jahres hochstilisierten Supermittelgewichtsduell zwischen Robin Krasniqi vom Magdeburger SES-Stall und dem von ihm betreuten Ex-Weltmeister Arthur Abraham Klartext.

Berliner sinnt auf Revanche nach WM-Debakel

"Bei allem Respekt", sagt Wegner also vor dem WM-Ausscheidungskampf des Weltverbands WBO an diesem Sonnabend (22.15 Uhr, MDR) in der ausverkauften Messe Erfurt, "wenn Arthur gegen so einen Gegner nicht gewinnt, worüber sollen wir dann noch reden? Mit 37 Jahren kann man ihn als Rahmenkämpfer nicht mehr gebrauchen. Bei einer Niederlage muss er Schluss machen. Es ist seine letzte Chance."

Arthur Abraham lässt sich nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Die Aussagen seines Übungsleiters, mit dem ihn seit Jahren eine innige Hassliebe verbindet, lassen den in Armenien geborene Wahl-Berliner betont gelassen. "Natürlich weiß ich, dass ich gewinnen muss. Aber etwas anderes habe ich auch nicht im Kopf. Krasniqi ist ein guter Gegner, den ich nicht unterschätzen werde. Aber ich habe das Ziel, so schnell wie möglich wieder Weltmeister zu werden, und das werde ich erreichen", sagt er.

Trainer Wegner hat sich für seinen Schützling geschämt

Seit Abraham seinen WBO-WM-Titel im April 2016 in Las Vegas nach einer erbärmlichen Leistung an den Mexikaner Gilberto Ramirez verlor, sinnt er auf Revanche. Diese wäre ihm im Fall eines Sieges über Krasniqi garantiert, die WBO hat den Sieger als nächsten Pflichtherausforderer für den Champion bestimmt, der lange verletzt war und seinen Titel deshalb an diesem Sonnabend gegen den Ukrainer Max Bursak zum ersten Mal verteidigt. Die Frage, die sich Fans und Experten allerdings stellen, ist die: Hat Arthur Abraham das Feuer, um sich noch einmal ganz nach oben durchzuschlagen?

Es spricht für sich, dass selbst der Cheftrainer darauf keine eindeutige Antwort geben kann. "Arthurs Einstellung dazu ist wechselhaft", sagt Wegner, "er hat sich im Training bemüht und auch relativ gutes Sparring gemacht. Aber er hat finanziell ausgesorgt und sich geschäftliche Standbeine außerhalb des Boxens geschaffen. Deshalb muss man abwarten, ob er noch den Willen hat, durchs Feuer zu gehen." Am Karfreitag habe er sich seinen Schützling allerdings noch einmal zur Brust genommen und Wiedergutmachung gefordert. "Was er in Las Vegas gemacht hat, war eine Katastrophe", sagt Wegner, der nach der Schmach gegen Ramirez offen über eine Trennung nachgedacht hatte, "ich habe mich noch nie so für ihn geschämt. Das muss er gerade rücken, das schuldet er sich, seinen Fans, seinem Promoter und mir."

Die Bilanz verpflichtet: 45 Siege in 50 Profi-Kämpfen

Dem will der in 50 Profikämpfen 45-mal siegreiche Abraham nicht widersprechen. Genau deshalb müsse sich auch niemand Sorgen um seine Motivation machen. "Ich bin hungriger als je zuvor, denn ich will unbedingt die Revanche gegen Ramirez. Krasniqi ist ein harter Junge und ein guter Boxer, aber er ist nur ein Zwischenschritt auf meinem Weg, noch einmal Weltmeister zu werden", sagt er. Auch Promoter Kalle Sauerland glaubt an die Charakterfestigkeit seines einstigen Zugpferds. "Arthur weiß, dass für ihn alles auf dem Spiel steht. Aber er will den Rückkampf gegen Ramirez unbedingt und hat deshalb die Chance, sich gegen Krasniqi dafür zu qualifizieren, sofort angenommen", sagt er.

Dass der Kampf auf einer Gala des SES-Stalls von Promoter Ulf Steinforth stattfindet, mag ungewöhnlich scheinen, immerhin war Abraham als Gesicht von Sauerlands Exklusivpartner Sat.1 fest eingeplant. Doch SES einigte sich nach zweimal verschobener Börsenversteigerung mit Sauerland, auch weil Steinforth sich von dem Kampf eine Menge verspricht. "Es gibt weltweites Interesse, wir haben sogar in den USA einen Sender, der im Pay-per-view überträgt. Und wir glauben fest daran, dass Robin mit unseren Fans im Rücken siegen wird", sagt er.

Auch für Krasniqi ist es die wohl letzte Chance

Auch auf den im Kosovo geborenen Wahl-Münchener Krasniqi wartet in Erfurt ein Alles-oder-Nichts-Kampf. Nach den deutlichen Niederlagen in seinen beiden WM-Kämpfen gegen Abrahams Sauerland-Stallkollegen Jürgen Brähmer (WBA) und den Waliser Nathan Cleverly (WBO) wechselte der 30-Jährige vor eineinhalb Jahren vom Halbschwergewicht in die niedrigere Gewichtsklasse. Verpasst er auch im dritten Anlauf die Chance auf einen bedeutenden Titel, dürften sich die Träume vom großen Geld auch für ihn erledigt haben. "Es gibt nur eine Option", sagt er deshalb: "Arthur schlagen und klar gewinnen. Und das werde ich tun."

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene