Volleyball

Verlorener Sohn zu Gast bei BR Volleys

In der Champions League treffen die BR Volleys auf ihren einstigen Jugendspieler Denys Kaliberda. Den 26-Jährigen würden sie gern zurückholen.

Seit Jahren eine Stütze des Nationalteams ist Denys Kaliberda

Seit Jahren eine Stütze des Nationalteams ist Denys Kaliberda

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Auf den ersten Blick scheinen sich die BR Volleys und der italienische Spitzenklub Cucine Lube Civitanova sehr zu ähneln. Die einen führen mit 8:0 Siegen die Bundesliga an, die anderen mit 11:2 gewonnenen Spielen die italienische Liga. "Ich denke aber, man wird den Unterschied sehen, wenn wir in Berlin sind", sagt Denys Kaliberda.

Verliert er das Spiel in Berlin, ist er böse

Der 26 Jahre alte Berliner steht seit dieser Saison bei Lube unter Vertrag. Für das Champions-League-Spiel gegen die BR Volleys kehrt er in seine Heimatstadt zurück (19.30 Uhr, Schmelinghalle). "Das ist für mich sicher ein noch wichtigeres Spiel als für andere", so Kaliberda. "Wenn wir nicht gewinnen, bin ich böse."

Für einen Sieg des deutschen Nationalspielers spricht, dass die italienische Liga wesentlich stärker ist als die Bundesliga. "Ich würde sogar sagen, Italien hat die stärkste Liga der Welt", sagt Kaliberda. Er selbst spielt seit 2012 in Italien, 2014 versuchte er sein Glück in Polen, kehrte aber ein Jahr später zurück. In Italien seien noch mehr Teams auf einem Niveau als in den ebenfalls starken Ligen wie Russland und Polen, findet Kaliberda. "Zum Volleyball spielen gibt es nichts Besseres."

In Italien verdient der 26-Jährige das Dreifache

Volleyball hat in Italien eine lange Tradition: Zwischen 1989 und 2000 dominierten die italienischen Männer die Volleyball-Welt, wurden dreimal in Folge Weltmeister, gewannen acht Mal die Weltliga, vier Europameistertitel, dazu Olympia-Silber und Bronze. Italien war das Volleyball-Paradies, wo die Gehälter und die Aufmerksamkeit von Fans und Medien höher waren als überall sonst. Doch dann kriselte es. Die ganz großen Erfolge der Nationalmannschaft blieben aus, 2009 wurde Italien bei der EM nur Zehnter, zudem gerieten viele Klubs infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise in monetäre Engpässe. Volleys-Kapitän Robert Kromm, der von 2005 bis 2012 in Italien gespielt hat, musste teilweise lange auf seine Gehälter warten, mit Padua erlebte er sogar, wie der Klub insolvent ging.

"Diese Entwicklung war mit ein Grund, nach Deutschland zurückzukehren", sagt er. Kaliberda hatte mehr Glück. "Ich habe mein Geld immer pünktlich bekommen", sagt er. Das liegt auch daran, dass die Vereine die sehr hohen Spielergehälter inzwischen gekürzt haben. So ist der Verdienst des Einzelnen nicht mehr so extrem hoch wie früher, dafür aber sicher.

Italiener sind international wieder erfolgreich

Trotzdem verdient der 1,95 Meter große Außenangreifer noch ungefähr das Dreifache von dem, was er in Deutschland bekäme. 2012 gewann Italien Olympia-Bronze, in Rio de Janeiro in diesem Sommer sogar die olympische Silbermedaille. "Dadurch ist jetzt auch wieder mehr Geld da", weiß Kaliberda. Pro Woche werden zwei Volleyballspiele im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt – ein in Deutschland bis dato unrealistisches Szenario.

Und noch etwas unterscheidet die beiden Länder, denn anders als in Deutschland müssen in Italien pro Partie mindestens drei einheimische Spieler auf dem Feld stehen. "Ich verstehe nicht, warum man das in der Bundesliga nicht schon lange eingeführt hat", sagt Kaliberda. Er beanstandet, die Klubs würden lieber erfahrene Ausländer verpflichten, anstatt junge deutsche Spieler in der Liga zu entwickeln.

Kein Anruf vom Klub – das ärgert ihn heute noch

Kaliberdas Beschwerde hat eine Vorgeschichte: Nach seiner Ausbildung beim VC Olympia hätte der ehemalige Charlottenburger sich nichts sehnlicher gewünscht als einen Vertrag bei den BR Volleys. "Doch obwohl ich acht Jahre in der Jugendmannschaft gespielt und drei Meisterschaften geholt habe, hat man mich nicht einmal mit einem Anruf bedacht", ärgert er sich. "Das stimmt", bestätigt Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand. "Er war damals noch nicht so weit, nachher haben wir das bereut."

Denn inzwischen gehört Kaliberda mit seinem außergewöhnlichen Ballgefühl zu den begehrtesten Spielern Europas. Niroomand betont oft, dass er einen Spieler wie ihn gern in der Bundesliga sehen würde. Und der in jungen Jahren als Querkopf bekannte gebürtige Ukrainer ist nicht nachtragend: "Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, in meine Heimatstadt Berlin zurückzugehen", sagt er. Momentan hält ihn neben dem finanziellen Aspekt vor allem das starke Gefälle in der Bundesliga davon ab.

Neues Regelwerk könnte Berlinern helfen

Auch die BR Volleys haben damit zu kämpfen, dass sie in der Liga derzeit den Alleinunterhalter geben, während sie gleichzeitig darum ringen, sich in der Champions League zu behaupten. Neben Lube Civitanova, die vergangene Saison Platz drei in der Königsklasse belegten, wartet in Gruppe B noch der Champions-League-Vierte Asseco Resovia Rzeszów aus Polen. Einzig Dukla Liberec aus Tschechien sieht auf dem Papier weniger gefährlich aus.

Doch vielleicht können die Berliner von dem neuen Regelwerk profitieren: Während sich in der vergangenen Spielzeit nur die ersten beiden Teams aus sieben Vierergruppen für die Play-off-Phase qualifizierten, sind es nun die ersten Zwei aus fünf Gruppen plus die beiden besten Gruppendritten. Anders als in der vergangenen Saison haben die ausgeschiedenen Teams aber auch nicht mehr die Chance, im Viertelfinale in den CEV-Cup einzusteigen, wo die BR Volleys vergangene Saison die Champions-League-Pleite mit dem Europapokalsieg kompensierten.

Finanziell ist die Champions League ein Minusgeschäft

Jetzt wollen sich die Berliner aber in der Königsklasse etablieren und nehmen dafür auch ein finanzielles Minusgeschäft in Kauf: Die geplanten Ausgaben in Höhe von 150.000 Euro können mit den Einnahmen – der Titelträger erhielt bislang 50.000 Euro – nicht annähernd gedeckt werden.

Niroomand möchte seinen ausgeglichenen Kader gern möglichst lange im internationalen Geschäft auf die Probe stellen. "Je länger wir dabei sind, desto besser ist es für die Stimmung", sagt er. Darauf kann Kaliberda bei aller Verbundenheit zu seinem alten Klub aber keine Rücksicht nehmen. "Wenn wir gut aufschlagen und annehmen, wird es schwer für Berlin", prophezeit er. Der WM-Bronzemedaillengewinner von 2014 wird aller Voraussicht nach eine tragende Rolle in der Partie spielen – die Ausländerbeschränkung aus der italienischen Liga gilt nämlich nicht in der Champions League.

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