Basketball

Alba träumt jetzt von einer Siegesserie

Der Erfolg im Europacup und neue Optionen in der Mannschaft machen die Berliner zuversichtlich, den positiven Trend jetzt fortzusetzen.

Es geht wieder vorwärts für Trainer Ahmet Caki und Alba

Es geht wieder vorwärts für Trainer Ahmet Caki und Alba

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin.  Der neue Mann hatte Muße, sich sein neues Team ganz genau anzuschauen. Knapp fünf Minuten Einsatzzeit gönnte Alba Berlins Trainer Ahmet Caki dem erst am Montag verpflichteten Carl English beim Eurocupspiel in Vilnius, den Rest des Abends verbrachte der Kanadier auf der Bank. So erlebte er am Mittwoch beim 99:97-Sieg Albas "eine der verrücktesten Schlussphasen meiner Karriere". Was dem 35-Jährigen, für den Berlin die zehnte Station in Europa ist, aber besonders auffiel: "Es steckt viel Talent in der Mannschaft, da sind viele großartige Puzzleteile. Jeder hat seinen Beitrag zum Erfolg geleistet."

Im Eurocup heißt das neue Ziel Viertelfinale

Für das Zusammenfügen der Teile ist Caki da. Nüchtern rechnet er das bisher Erreichte ab. "Wir haben im Eurocup einen guten Job gemacht, das Top 16 erreicht", sagt der Türke, "nun wollen wir dort auch ins Viertelfinale kommen." Doch zunächst hat er sich etwas anderes vorgenommen: "Jetzt ist unser Ziel, in der Bundesliga besser zu werden." Der aktuelle Mittelfeldplatz entspricht kaum den Erwartungen. Die nächste Gelegenheit, national Fortschritte zu machen, besteht an diesem Sonntag (15.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) gegen die Eisbären Bremerhaven.

Zugleich ist es die Chance, nicht gleich wieder umzustoßen, was soeben mühsam entstanden ist: der Glaube, das diese Alba-Mannschaft mehr kann, als sie bisher gezeigt hat. Wer in Vilnius, Bilbao, Ludwigsburg oder Gießen gewinnt, bei durchweg heimstarken Kontrahenten also, der muss Potenzial haben. Wer andererseits daheim gegen Moskau, in München und Fuenlabrada förmlich untergeht, der wird gerade beim eigenen Anhang Kopfschütteln hervorrufen und die Frage: Wo bleibt die Konstanz?

Der Caki-Stil ist attraktiverer Basketball

Besonders in Berlin, wo die Zuschauer über Jahre gewohnt waren, knüppelhart verteidigende Alba-Mannschaften meistens siegen zu sehen, ist es für viele nicht so einfach, mit dem Caki-Stil warm zu werden. Jedenfalls, solange er nicht zum Erfolg führt. In der Arena am Ostbahnhof wurden in dieser Saison fünf der zehn Heimspiele verloren, kein Ruhmesblatt. "Der Coach gibt uns mehr Freiheit, kreativ zu sein", sagt Spielmacher Peyton Siva, "ich glaube, dass die Fans das mögen. Aber wir dürfen nicht so viele Ballverluste haben und müssen weniger Offensivrebounds des Gegners zulassen, das ist unser Problem. Daran arbeiten wir." Es ist eine Art Selbstkritik, denn der Amerikaner hat in Europa wie in der BBL mit durchschnittlich mehr als drei Turnovers die schlechteste Bilanz im Team.

Doch zuletzt ging der Trend bei Alba ins Positive. Das liegt auch an vielen neuen Optionen. So zeigte etwa Niels Giffey, dass er eine sehr gute Alternative auf der Position des Power Forwards sein kann, als Tony Gaffney verletzt ausfiel. Der Deutsche punktete und sammelte Rebounds wie nie zuvor in seiner Zeit bei Alba. Nun ist Gaffney wieder da, so dass auch Malcolm Miller mehr auf dem Flügel zum Einsatz kam. In Vilnius gelangen ihm 15 Punkte, sein persönlicher Bestwert in Berlin. Erfreulich ist zudem, dass Kapitän Dragan Milosavljevic einen enormen Formanstieg zeigt. Und Elmedin Kikanovic, Topscorer im Eurocup, liefert auf einem erstaunlich hohen Niveau konstante Statistiken ab. Schon zweimal war der Bosnier im Eurocup wertvollster Spieler des Spieltages.

Trotz Rückständen immer an den Sieg geglaubt

"Unser Sieg in Vilnius war ein Teamsieg", sagt Miller, "obwohl wir fast die ganze Zeit hinten lagen, haben wir immer gefühlt, dass wir gewinnen können." Wenn zum Gefühl der Erfolg kommt, dann kann daraus nun vielleicht die von den Fans herbeigesehnte Konstanz werden. "Wir müssen jetzt mal eine Siegesserie starten", wünscht sich Siva. Während der 26-Jährige ein bisschen ungeduldig wirkt, bremst der knapp zehn Jahre ältere Carl English: "Das muss alles noch langsam zusammenwachsen." Aber er macht auch große Hoffnung: "Am Ende wird es funktionieren."

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene