Volleyball

Volleyball steckt in einem Teufelskreis

Die Bundesliga braucht mehr Topspiele wie das zwischen Berlin und Friedrichshafen, um sich weiterentwickeln zu können.

Feierlich: Die Fans der BR Volleys sind in Spielen gegen Friedrichshafen immer besonders motiviert. Wie die Spieler

Feierlich: Die Fans der BR Volleys sind in Spielen gegen Friedrichshafen immer besonders motiviert. Wie die Spieler

Foto: Lukas Schulze / picture alliance / dpa

Berlin.  BR Volleys oder VfB Friedrichshafen – seit 19 Jahren wird einer dieser beiden Klubs deutscher Volleyball-Meister. Zu den Auftritten der Schwaben in der Hauptstadt strömen immer die meisten Zuschauer. Jeweils 8553 Fans kamen in den Play-off-Finals der Saisons 2012/13 und 2014/15 – Bundesliga-Rekord. Die 7000er-Marke wird in schöner Regelmäßigkeit übertroffen.

Was fehlt, ist der Effekt des Neuen

Doch vor dem Aufeinandertreffen an diesem Sonntag (14.30 Uhr) zwischen dem aktuellen Tabellenführer aus Berlin und seinem schärfsten Verfolger vom Bodensee in der Schmeling-Halle hofft Kaweh Niroomand, der Geschäftsführer der BR Volleys, nur "auf 5000 bis 6000". Ein bisschen Understatement oder Realismus, weil der Lokomotive der Dampf ausgeht?

Das wohl nicht, aber "wir haben nicht mehr so den Effekt des Neuen", gibt Niroomand zu. Der Erfolg ist normal geworden, der Sexappeal, neben dem EHC Eisbären, Alba und den Füchsen eine weitere führende Kraft aus Berlin in der Spitze des deutschen Mannschaftssports etabliert zu haben, etwas verloren gegangen. In den vergangenen vier Jahren lag der Zuschauerschnitt in Berlin konstant zwischen 4700 und 4900 Fans, ein Topwert in Europa. Doch in den bisherigen vier Heimspielen kamen noch kein einziges Mal 4000 Zuschauer, obwohl mit Lüneburg, Düren und den United Volleys RheinMain schon drei Spitzenteams zu Gast waren. Und die neuformierte Berliner Mannschaft sehr stark spielt.

Die Liga stellt einen Zuschauerrekord auf

Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga (VBL), mag den Trend so nicht bestätigen. Immerhin hat die VBL in der vergangenen Saison mit 1601 Zuschauern im Schnitt ihre Bestmarke erzielt. Zugleich sieht er die Probleme, mit denen die Liga zu kämpfen hat. "Der Spielplan ist eine Katastrophe, unser Zeitfenster von Oktober bis Mai viel zu kurz. Man lässt der Liga keine Luft." Grund dafür sind die vielen Turniere, die vom europäischen und vom Weltverband im Sommer angesetzt werden.

Dazu kommt, dass die Vereine oft ihre Hallen nicht zur Verfügung haben. Das Heimrecht muss getauscht werden. So treten Klubs häufig in kurzer Folge drei, vier Mal vor eigenem Publikum an. Dieses wird dann, schon aus finanziellen Gründen, wählerisch. "Wir müssen täglich um die Popularität unserer Sportart kämpfen", sagt Niroomand, "wir haben anders als Handball oder Fußball nicht die Nationalmannschaft als Zugpferd. Und wir müssen Geduld haben. Aber es entwickelt sich schon etwas. Unsere Lokomotivrolle hat auch Wirkung gezeigt."

In Lüneburg wird eine Halle für 3500 Zuschauer gebaut

Gerade bei Klubs, die zuletzt hinzugekommen sind. In Lüneburg zum Beispiel, wo seit dem Aufstieg 2014 große Volleyball-Begeisterung entstanden ist, wird eine Halle für 3500 Zuschauer gebaut. In Herrsching soll mit Hilfe privater Investoren eine größere Spielstätte entstehen, auch bei den Netzhoppers KW vor den Toren Berlins, die lange ums nackte Überleben kämpften, sind mit einem neuen Sponsor die Hoffnungen gewachsen, ein Hallenprojekt in Angriff nehmen zu können.

Daraus könnte auch mehr sportliche Konkurrenz entstehen. Partien zwischen Berlin und Friedrichshafen bieten Champions-League-Niveau, doch erst, wenn die Konkurrenz aus Frankfurt, Düren, Lüneburg häufiger als einmal pro Saison einen der Großen ärgern kann, gewinnt die Liga an Attraktivität.

Noch immer gibt es keinen Liga-Hauptsponsor

Dazu fehlt es auch an Geld. Noch immer ist es der VBL nicht gelungen, wie versprochen einen Hauptsponsor zu gewinnen. Dafür sind die Klubs im Rahmen ihres "Masterplans" in Vorleistung getreten, haben Hallenstandards, ihre Organisationen und Infrastruktur verbessert – aber nicht ihre Teams. "Das sehen wir selbst kritisch", sagt Jung, "dass wir mit der Zentralvermarktung noch nicht so weit sind." Bis 30. Juni 2017 will er Vollzug melden. Die Zeit wird langsam knapp.

Die Krux ist: Ohne die erhofften Mehreinnahmen durch die Zentralvermarktung fehlt den Klubs finanzieller Spielraum, bessere Profis zu verpflichten oder Stars zu halten, die nach Polen, Russland, Italien oder in die Türkei weiterziehen. Auch deutsche Nationalspieler meiden die Bundesliga nicht allein wegen der geringeren Verdienstmöglichkeiten, sondern weil sie in anderen Ligen viel häufiger Topspiele bestreiten – Partien wie die an diesem Sonntag zwischen BR Volleys und Friedrichshafen.

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