Volleyball

Der Kanadier Vigrass bleibt bei den Volleys ganz cool

Graham Vigrass hat sich zum effizientesten Spieler bei den BR Volleys entwickelt. Und Geschäftsmann ist der Kanadier auch noch.

Graham Vigrass (r.) macht zur Freude seines Klubs BR Volleys kaum Fehler

Graham Vigrass (r.) macht zur Freude seines Klubs BR Volleys kaum Fehler

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin.  Graham Vigrass (27) verschränkt die Arme vor der Brust und legt die Stirn in Falten. So verharrt der Mittelblocker der BR Volleys kurz, dann lächelt er verlegen und schüttelt den Kopf. Ob es etwas gebe, dass ihn so richtig auf die Palme bringt, lautete die Frage. "Ich glaube, gar nichts", sagt er lachend.

Der 27-Jährige strahlt eine Gelassenheit aus, die auch Mannschaftskollege Felix Fischer bewundert, der gerade das Café vor der Max-Schmeling-Halle betritt, in dem Vigrass sitzt. "Es stört ihn nicht, wenn er einen Fehler macht, er macht dann einfach weiter, als sei nichts gewesen", sagt Fischer. Vigrass lacht: "Bei mir sieht man das nur nicht so wie bei Felix."

Allzu oft musste sich der kanadische Nationalspieler in dieser Saison aber auch noch nicht über sich selbst ärgern. Im Angriff sind ihm bei 96 Versuchen genau drei Fehler unterlaufen, dem gegenüber stehen 60 Punkte. Damit ist Vigrass sogar einer der drei effizientesten Angreifer der Bundesliga. "Er ist ein sehr intelligenter Spieler", lobt Volleys-Trainer Roberto Serniotti. "Mit ihm zu arbeiten, ist für jeden Coach angenehm."

Nebenbei entwickelt der Kanadier Kühlbeutel

Bei Instagram ist Vigrass unter dem Namen just_ice aktiv, das hat allerdings weder mit seiner Coolness noch mit seiner Herkunft aus der Eishockey-Hochburg Kanada zu tun: Vor einigen Jahren begann er neben seiner Karriere als Profisportler, Kühlbeutel aus Neopren-Material zu entwerfen

Sie kühlen die schmerzenden Körperstellen von Volleyballern, ohne zu verrutschen, weil sie direkt in Bandagen befestigt sind. Momentan kümmert sich seine Mutter im heimischen Keller um den Versand. "Sie freut sich immer, wenn sie endlich einige von den Kisten los wird", sagt er.

Vigrass kam nicht drumherum, Volleyballer zu werden. "Meine Familie ist verrückt nach diesem Sport", sagt er. Sein Onkel, 1984 Olympia-Vierter mit Kanadas Auswahl, besitzt eine aufblasbare Volleyball-Anlage in seiner Heimatstadt Calgary, mit sechs Feldern und mehreren Beachvolleyball-Courts im Außenbereich. Cousin Ben Saxton spielt professionell Beachvolleyball. Vigrass hingegen hatte sich schon früh für die Halle entschieden.

Im Vorjahr nahezu unbekannt, jetzt nicht mehr wegzudenken

Über die Stationen Frankreich, Tunesien und Türkei landete er in Berlin. Als die BR Volleys ihn im Mai vergangenen Jahres verpflichteten, damit er Starspieler Nicolas Le Goeff ersetzt, war der 2,03 Meter große Athlet für viele noch ein Unbekannter.

"Er hat sein richtig gutes Level erst etwas später in seiner Karriere erreicht", sagt Serniotti, dem der Kanadier im vergangenen Jahr beim Champions-League-Gegner Izmir aufgefallen war. Im Sommer erreichte Vigrass mit Kanada Platz fünf bei den Olympischen Spielen, zuvor hatte sich das Land seit 1992 nicht mehr für Olympia qualifiziert.

Am Sonnabend empfangen die BR Volleys den TV Rottenburg in der Schmeling-Halle (18.30 Uhr). Gegen den Tabellenneunten dürfen sich die Berliner keinen Fehler erlauben, um punktgleich mit Spitzenreiter VfB Friedrichshafen zu bleiben, der fast zeitgleich gegen Tabellenschlusslicht VCO spielt (18 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen). Den fehlerfreien Spielstil beherrscht Graham Vigrass, daher ist sein Einsatz wahrscheinlich.

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