Volleyball

Köpenick peilt mit "Mutti" das Viertelfinale an

Dominice Steffen hat großen Anteil am Erfolg der Köpenickerinnen. Auf die 29-Jährige setzt der KSC auch im Pre-Play-off gegen Aachen.

Eine der Stärken von Dominice Steffen ist ihre Annahme

Eine der Stärken von Dominice Steffen ist ihre Annahme

Foto: Robin Rudel / picture alliance / Pressefoto Ru

Berlin.  Die Form stimmt, daran ändert auch die 2:3-Niederlage am vergangenen Sonnabend beim Hauptrundenfinale gegen Vilsbiburg nichts. Drei der vergangenen fünf Partien in der Volleyball-Bundesliga der Frauen hat der Köpenicker SC gewonnen, auch gegen Topteams wie den USC Münster und Meister Dresdener SC. Gegen die Roten Raben Vilsbiburg gab es immerhin einen Punkt.

Die Aufregung vor der Bundesliga hat sich gelegt

"Wir haben einen Lauf", sagt Dominice Steffen. "Wir machen viel weniger Fehler als noch zu Beginn der Saison. Gerade die Jüngeren sind längst nicht mehr so aufgeregt." Dass der Klassenerhalt souverän geschafft wurde, ist für das junge Team ein großer Erfolg. Denn für viele KSC-Spielerinnen war es ihre erste Saison in der Bundesliga, entsprechend groß war anfangs die Nervosität.

Dominice Steffen hingegen spielt seit neun Jahren im Oberhaus, hinzu kommt die Erfahrung aus 43 Länderspielen. Die Außenangreiferin bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Mit 29 Jahren ist sie die älteste Spielerin im Kader – die anderen nennen sie "Mutti". Sie sagt: "Ich versuche, die Rolle der Erzieherin zu übernehmen."

Nachhilfe im Waschen, Aufräumen und Putzen

Vergangene Saison wohnte sie sogar mit zwei jüngeren Mannschaftskolleginnen – Nele Iwohn und Annalena Grätz – zusammen in einer WG und passte ein bisschen auf die beiden auf. Sie brachte ihnen bei, wie man die Waschmaschine bedient, aufräumt und putzt. Und wenn es ihr zu unordentlich wurde, machte sie auch mal eine Ansage. "Aber welche Mutter macht das nicht?", meint Dominice Steffen augenzwinkernd.

Köpenicks Trainer Manuel Rieke schätzt die Führungsqualitäten Steffens. Mit ihrer sicheren Annahme und dem variablen Angriffsspiel sei sie extrem wichtig für die Mannschaft. "Sie hat einen ziemlich harten Schlag für eine Frau, aber sie kann auch mit Gefühl spielen. Und durch ihre Erfahrung entscheidet sie sich meist für die richtige Variante." Auf diese Routine setzt der KSC auch im Pre-Play-off, das für die Köpenickerinnen am Mittwoch auswärts in Aachen beginnt. "Wir wollen unbedingt ins Viertelfinale", sagt Dominice Steffen.

Nach Kreuzbandriss in 2. Liga neuen Anlauf genommen

Die 29-Jährige stammt aus Berlin, doch ihre größten Erfolge feierte sie in Hamburg und Suhl – mit den Thüringerinnen stand sie unter anderem dreimal im Pokalfinale. Nach einem Kreuzbandriss wechselte sie 2012 in die Zweite Liga. "Ich stand vor der Wahl: entweder weiter in der Ersten Liga Vollgas zu geben und zu riskieren, dass die Verletzung erneut aufbricht und meine Karriere beendet ist, oder erst einmal ein bisschen piano in der Zweiten Liga zu spielen, aber dafür noch ein paar Jahre länger dabei zu sein", sagt sie.

Erst 2015 kehrte sie beim Köpenicker SC in die Bundesliga zurück. Mittlerweile ist sie aus dem Team der Berlinerinnen nicht mehr wegzudenken. Beim KSC konzentriert sich Steffen wieder ganz auf den Sport, nachdem sie zwischenzeitig eine Ausbildung zur Schneidermeisterin absolviert hatte. "Ich wollte einfach etwas Kreatives machen", erzählt sie.

Kleidung für Mitspielerinnen entworfen

Auch für einige Volleyballer hat sie bereits Kleidung entworfen: ein Hochzeitskleid für eine Berliner Beachvolleyballerin, ein Dirndl für eine frühere Mitspielerin aus Sonthofen, Winterjacke und Hose für einen Spieler aus Herrsching. "Die meisten Volleyballer sind groß und athletisch gebaut, die finden im Geschäft sonst nichts", sagt Steffen. In solchen Fällen helfen ihre individuellen Kreationen. Dann stimmt die Form wieder. So wie beim KSC.

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