Champions League

BR Volleys sind bereit für den nächsten Meilenstein

Die BR Volleys können mit einem Sieg gegen Istanbul ihren Platz in Europas Elite festigen. Es wäre die Bestätigung der guten Arbeit.

Die Volleys-Profis Tsimafei Zhukouski, Luke Perry, Robert Kromm Wouter ter Maat und Graham Vigrass

Die Volleys-Profis Tsimafei Zhukouski, Luke Perry, Robert Kromm Wouter ter Maat und Graham Vigrass

Foto: imago sportfotodienst / imago/Bernd König

Berlin.  Manchmal ist es gut, einen Schritt aus dem dicksten Getümmel zurück zu machen und alles mal mit etwas mehr Abstand zu betrachten. Erst dann ist man in der Lage, das Gesamtbild zu genießen. Bei aller Aufregung über einen verlorenen Satz, einen lausigen Schiedsrichter oder einen renitenten Trainer, der, warum auch immer, einen Spieler nicht auswechselt, obwohl der doch ganz offensichtlich einen schlechten Tag hat – bei den BR Volleys wurde so oder so in den vergangenen Jahren ziemlich viel richtig gemacht.

Sonst wäre der Berliner Bundesligist seit 2012 kaum vier Mal Deutscher Meister geworden gegen einen Kontrahenten vom Bodensee, der über ein höheres Budget verfügt. Hätte sich nicht mit seinen Zuschauerzahlen und seiner mehrfach ausgezeichneten Organisation einen solchen Ruf in Europa erworben.

Und schließlich: Obwohl der Etat der Berliner bei gerade zwei Millionen Euro angekommen ist, verblüfft auch immer wieder der sportliche Erfolg gegen finanziell weit besser ausgestattete Klubs aus Italien, Polen, manchmal gar Russland. An diesem Dienstag (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) könnten Kapitän Robert Kromm und seine Kollegen einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der BR Volleys setzen.

Ein 3:1 reicht schon zum Weiterkommen

Zu Gast ist Istanbul BBSK. Die Türken kommen zum Rückspiel in der ersten Play-off-Runde der Champions League. Die Partie am Bosporus ging für die Berliner 2:3 verloren. Sie hatten keinen guten Tag und brachten doch etwas Zählbares mit, nämlich einen Punkt, den es im Volleyball bei diesem Resultat für den Verlierer gibt. Das bedeutet: Gewinnen sie heute mit 3:0 oder 3:1, ziehen sie in die nächste Runde ein. Gewinnen sie 3:2, gibt es einen "Golden Set", und der Gewinner dieses Satzes ist weiter. Verlieren sie, ist die europäische Saison für die BR Volleys beendet.

Das wollen sie sich ersparen. Obwohl es keine Schande wäre, denn selbst Istanbul hat einen doppelt so hohen Etat wie die Berliner. Dazu drei französische Europameister im Team. Trotzdem ist Kromm zuversichtlich. "Wir haben den Heimvorteil. Im Hinspiel haben wir viele Fehler gemacht, das passiert uns nicht noch mal." Frei übersetzt heißt das: "Klar, wir kommen weiter."

Daraus spricht keine Überheblichkeit, nur gewonnenes Selbstbewusstsein. Vergangene Saison holten die BR Volleys mit dem CEV-Cup die erste internationale Trophäe in ihre Vitrine. Im Jahr davor waren sie Gastgeber für das Final Four der Champions League und belegten Platz drei nach einem Erfolg gegen PGE Skra Belchatow aus Polen. Kein Makel, nur eine Fußnote der Statistik: Als Gastgeber mussten sie sich nicht ins Viererturnier durchkämpfen, sondern waren nach dem Überstehen der Gruppenphase qualifiziert.

Sonst war die Gruppenphase Endstation

Sonst war immer spätestens nach den Gruppenpartien Schluss. Zweimal lag das am Lospech, es mit Zenit Kazan zu tun zu haben, dem stärksten Team des Kontinents. Diesmal scheint der Weg geebnet, mit einem Sieg über Istanbul erstmals die Runde der besten sechs Mannschaften Europas zu erreichen. Sportlich!

"Das", stellt Geschäftsführer Kaweh Niroomand klar, "haben wir uns erarbeitet." Durch Gruppenerfolge gegen Italiens Tabellenführer Cucine Lube Civitanova und Asseco Resovia Rzeszow, einen weiteren polnischen Spitzenklub, wurde Berlin bester Gruppenzweiter und erhielt einen etwas leichteren Konkurrenten zugelost.

Jetzt will das Team auch den nächsten Schritt schaffen. "Wir sind alle heiß", verspricht Kromm, "das ist eine große Chance für den Verein." Kaweh Niroomand ergänzt: "Schon mit dem Erreichen der Top 12 haben wir uns als europäische Spitzenmannschaft etabliert. Wenn wir jetzt noch unter die ersten Sechs kommen, ist es einfach die Bestätigung unserer Arbeit." Mit etwas Abstand betrachtet: auf jeden Fall.

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