Neue Struktur

Die Könige herrschen jetzt in Berlin

NHL-Klub aus Los Angeles übernimmt die Führungrolle bei den Eisbären. Mit dem Strukturwandel sollen die Berliner wieder Titel gewinnen.

Luc Robitaille hat jetzt das Sagen bei den Eisbären. EHC-Geschäftsführer Peter John Lee freut sich darüber

Luc Robitaille hat jetzt das Sagen bei den Eisbären. EHC-Geschäftsführer Peter John Lee freut sich darüber

Foto: Florian Pohl / City-Press GbR

Berlin.  Zur neuen Episode gehören neue Accessoires. Am Revers seines dunklen Anzugs trägt Luc Robitaille eine Anstecknadel mit Eisbären-Logo. Links und rechts neben ihm sitzen Kelly Cheeseman und Mike O'Connell im selben Dresscode, natürlich mit Eisbären-Anstecknadel. Die Drei sind aus Los Angeles gekommen. Weil sie viel zu tun haben in Berlin, sie übernehmen die Kontrolle beim EHC Eisbären, dem Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Dieser Schachzug ist der bedeutendste Teil des Masterplans, mit dem die Berliner wieder zum Erfolg zurückfinden wollen. "Für mich ist das ein ganz wichtiger Tag bei den Eisbären", sagt Geschäftsführer Peter John Lee. Er sitzt ebenfalls auf dem Podium, als die Berliner die neue Partnerschaft verkünden. Robitaille ist Geschäftsführer bei den Los Angeles Kings aus der nordamerikanischen NHL, die ebenso wie die Eisbären im Besitz der Anschutz Entertainment Group sind.

Robitaille als Aufsichtsratschef

Bislang tauschten sich die Klubs untereinander eher lose aus. Nun sind die Berliner den US-Amerikanern direkt unterstellt. Robitaille übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat beim EHC. Dem wird auch Cheeseman angehören, ebenfalls ein Geschäftsführer bei den Kings aus LA, die 2012 und 2014 den Stanley Cup in der NHL gewannen. Die Könige herrschen nun an der Spree.

Seit Freitag schon weilen Robitaille, Cheeseman und O'Connell in Berlin, schauten sich seither Trainingseinheiten der Eisbären an und redeten viel über die Zukunft. Am Montag besuchten sie sogar noch einen Fan-Stammtisch, um dort zu erklären, warum die Eisbären bald wieder so auftreten sollen, wie sie es in der Vergangenheit getan haben. "Für uns geht es um den Gewinn von Meisterschaften", erzählt Robitaille, einst ein großer NHL-Spieler. "Wir haben realisiert, dass wir beide Klubs strukturell miteinander verknüpfen müssen."

Lee hat weniger Entscheidungsfreiraum

Das heißt auch, dass die wichtigsten Entscheidungen über Etat, Transfers und Spielerauswahl bei den Eisbären nun von den Kings abgesegnet werden müssen. "Es ist immer noch Petes Team", sagt Robitaille zwar. Nur wird Lees Entscheidungsfreiheit deutlich eingegrenzt werden.

Der Schritt zu diesem Zeitpunkt wirkt wie der Versuch von Anschutz, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. "Die Ergebnisse der vergangenen Jahre waren nicht auf dem Meisterschaftsniveau, das wir erwarten", so Robitaille. Mit einigen unglücklichen Entscheidungen manövrierten sich die Berliner seit dem letzten Titel 2013 ins DEL-Mittelfeld.

Arbeit auf anderem Niveau möglich

Allerdings trägt Anschutz seinen Anteil am Niedergang, mit straffen Budgetauflagen wurde auch finanziell der Anschluss an die Ligaspitze verpasst. Das ist ein Punkt, der sich ändern soll. "Aber wir wollen nicht nur Geld reinpumpen. Wir haben mit den Kings Möglichkeiten, viel zu bewegen", sagt Lee. Man plane jetzt zusammen, wie Meisterschaften gewonnen werden können, so Robitaille: "Wir nutzen unser ganzes Umfeld für die Eisbären." Das sei ein anderes Niveau, auf dem man nun arbeiten könne in Berlin.

Wie gut das funktioniert, hängt von der Ausgestaltung der Zusammenarbeit ab. "Es wird viel mehr Kommunikation geben, wöchentlich", sagt Robitaille. Alles, was bei den Kings in der NHL vorhanden ist, sollen die Berliner nutzen können. "Wir werden Zugang zu allen Ressourcen erhalten", so Lee. Über Trainingssteuerung, Spielersichtung bis hin zu Transfers soll alles eng abgestimmt werden. "Das wird eine Umstellung für uns. Bisher haben wir uns nur darum gekümmert, Spieler für die Kings zu entwickeln. Jetzt denken wir für die Eisbären mit", erzählt O'Connell, der in der Spielerentwicklung der Kings tätig ist. Leistungsfähige Profis für die Berliner zu finden, gehöre nun auch zu den Aufgaben des NHL-Klubs.

Kings wollen nicht nur kontrollieren

Die Kings sehen sich in der neuen Konstellation nicht nur als Kontrollorgan. "Für uns besteht die Verantwortung zu helfen, hier eine Umgebung für das Gewinnen von Meisterschaften zu schaffen. Wir sind Teamplayer", erklärt Kelly Cheeseman. Von der besten Organisation in Europa, zu der man die Eisbären machen wolle, wird fabuliert. Aufgrund bestehender Verträge von aktuellen Spielern wird das nicht sofort realisierbar sein. Langfristig immerhin könnte sich das neue Modell jedoch bezahlt machen. Je nachdem, wie viel Aufmerksamkeit die Kings den Berlinern tatsächlich widmen.

Kurzfristig müssen die Eisbären am Dienstag in Krefeld zur letzten Auswärtspartie der Hauptrunde antreten (19.30 Uhr). Vielleicht gelingt es den Berliner am ersten Tag nach der Strukturreform, die gruselige Auswärtsserie von elf Niederlagen zu beenden.

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