Eishockey

Eisbären im Duell mit den Experten

Die Eisbären bekommen es im Pre-Play-off mit den Straubing Tigers zu tun. Die Niederbayern wissen, wie man diese Runde für sich nutzt.

Endlich ist die Hauptrunde überstanden für die Eisbären

Endlich ist die Hauptrunde überstanden für die Eisbären

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin.  Als in Berlin das Spiel längst beendet und die Stimmung bereits etwas ausgelassener war, reiften in Bremerhaven und Mannheim gerade die Entscheidungen. Der eine Außenseiter gestaltete das Ergebnis enger, der andere geriet unter Druck. Am 52. und letzten Hauptrunden-Spieltag in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mussten tatsächlich erst die Schlussminuten darüber richten, wie sich die Saison für die Eisbären fortsetzt. Scheinbar unbeeindruckt nahmen die Fans der Berliner das zur Kenntnis: "Der EHC ist wieder da", sangen sie nach dem 4:1 (2:1, 0:0, 2:0) gegen Iserlohn. Egal, wer nun kommt, ist wohl die beste Übersetzung dessen.

Es werden die Straubing Tigers sein, mit denen sich der Rekordmeister der DEL ab Mittwoch im Pre-Play-off duelliert (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Nach zwei Siegen zieht das bessere Team in das Viertelfinale ein. "Das werden enge, körperbetonte Spiele", sagte EHC-Trainer Uwe Krupp, "Straubing ist ein sehr guter Gegner. Das ist eine kampfstarke, schnelle Mannschaft." Drei der vier Punktspiele dieser Saison verloren die Eisbären.

4:1 gegen Iserlohn

Die Punkterunde ist jedoch Vergangenheit, und nichts haken die Berliner lieber ab als die zurückliegenenden 52 Spieltage. Die wenigsten Hauptrundensiege seit 21 Jahren sprangen heraus (21 Siege, 31 Niederlagen). Erstmals seit der EHC 2008 in die Mercedes-Benz Arena umzog, ist er nicht mehr Zuschauerkrösus, sondern mit im Durchschnitt 12.052 Besuchern pro Partie auf Platz zwei zurückgefallen. Erst am letzten Spieltag sicherten die Tore von Louis-Marc Aubry (10.), Florian Busch (14.), Laurin Braun (48.) und Daniel Fischbuch (49.) den Sieg über Iserlohn und damit den achten Platz sowie das Heimrecht für das Pre-Play-off. Einen Zähler vor dem Neunten aus Straubing.

Die Berliner können froh sein darüber bei ihrer verheerenden Auswärtsbilanz (fünf Siege in 26 Spielen). Das Heimrecht wird helfen bei der Suche nach Selbstvertrauen für das Pre-Play-off, mit dem die Eisbären bislang keine guten Erfahrungen gemacht haben. Dreimal mussten sie diese Hürde angehen, scheiterten aber 2007 (Frankfurt Lions), 2014 (ERC Ingolstadt) und 2015 (Nürnberg Ice Tigers) jeweils.

Kleinster Standort der Liga

Ganz anders können die Straubinger in diese Runde eintreten. Sie haben nichts zu verlieren, wie etwa der Großklub aus der Hauptstadt es hat mit seiner Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Mehr als das Pre-Play-off nimmt sich dort keiner vor. "Wenn wir das schaffen als kleinster DEL-Standort, ist das das Höchste, was man erwarten kann", sagte Gaby Sennebogen. Sie ist die Geschäftsführerin der Tigers, die einzige Frau, die in der DEL eine solche Position bekleidet.

In der elften Saison spielen die Niederbayern in der DEL, mit kleinem Etat zwar, aber doch einigen Achtungserfolgen. Schon 2012 begegneten sich beide Klubs, im Halbfinale mussten die Eisbären damals hart kämpfen auf dem Weg zum sechsten Titel. Zweimal standen die Tigers danach noch im Viertelfinale, 2013 und 2016. Jeweils über das Pre-Play-off zogen sie dort ein. Mit jeweils 2:0 Siegen. Die Eisbären bekommen es also mit Experten für die kurze erste Play-off-Runde zu tun.

Ein gefährlicher Gegner

Während das für die Klubführung mehr als respektabel ist, genügt das den Fans dort nicht unbedingt. "Anfangs waren sie zufrieden, dabei zu sein. Jetzt reicht das nicht mehr", sagte Sennebogen. Sie schärft deswegen gern den Realitätssinn des Anhangs und nimmt eine Einordnung mit Zahlen vor. Mit etwa 5,2 Millionen Euro liegen die Tigers in der Etat-Rangliste der Liga auf dem vorletzten Platz – und bei gut der Hälfte der EHC-Möglichkeiten.

Doch Herz und Leidenschaftdrängen Zahlen eben manchmal in den Hintergrund. Wie Straubing am letzten Spieltag mit dem 4:1 in Mannheim demonstrierte. Die Adler verloren durch diese Partie den ersten Platz zum Hauptrundenabschluss. "Wir wissen, dass wir in Berlin und natürlich auch in Straubing gewinnen können. Wir sind Außenseiter, aber noch lange nicht chancenlos", sagte Trainer Larry Mitchell nach dem Sieg in Mannheim. Wobei die Favoritenrolle der Eisbären sich einzig auf den Heimvorteil beziehen kann nach dieser bisher ernüchternden Saison. Ob sie noch einen positiven Dreh bekommt, zeigt sich jetzt. "Pre-Play-offs sind immer eklig, egal gegen wen", sagt EHC-Stürmer Busch. Er kennt sich damit aus.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene