Play-off-Start

Neustart statt Fortsetzung für die Eisbären

Berlin geht zuversichtlich in die erste K.o.-Runde gegen Straubing. Alles, was bisher passiert ist in dieser Saison, zählt nicht mehr.

Jens Baxmann (r.) freut sich über den Play-off-Einzug des EHC

Jens Baxmann (r.) freut sich über den Play-off-Einzug des EHC

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin.  Zwar sind die meisten Spieler deutscher Herkunft, als Amtssprache in den Kabinen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) darf dennoch das Englische gelten. Als Gemeinschaft kommen die Teams damit am besten klar, zumal die meisten Trainer ohnehin keine hiesigen sind und ihnen Erklärungen in Landessprache kaum glücken würden. In Berlin steht mit Uwe Krupp ein deutscher Übungsleiter an der Bande, der sich wegen seines Hintergrundes allerdings mit Vorliebe in Englisch dem Team mitteilt. Am Dienstag wies Krupp die Mannschaft nun in beiden Sprachen an der Taktiktafel an. Als würde er damit sichergehen wollen, dass jetzt auch bei jedem alles exakt so ankommt, wie er es meint.

Das wäre wirklich wichtig, denn der EHC Eisbären startet in das Pre-Play-off. Als Achter der Hauptrunde kämpfen die Berliner ab Mittwoch (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) in maximal drei Spielen gegen den Neunten Straubing Tigers um den Einzug in das Viertelfinale. "Das ist ein schwerer Gegner", sagt Verteidiger Jens Baxmann. Einer, der wegen der körperlichen Note in seinem Spiel immer sehr unangenehm ist. Einer, gegen den man selten glänzen kann, sondern vor allem extrem hart arbeiten muss. Einer, gegen den man drei der vier Partien der Hauptrunde verloren hat.

Hauptrunde ist Vergangenheit

Doch die Punkterunde war einmal. "Echte Schlussfolgerungen kannst du nur bedingt daraus ziehen", sagt der Trainer. Was nach Zweckoptimismus klingt, trifft beim EHC tatsächlich zu. Krupp: "Wir haben eine Saison gehabt, in der wir uns mit vielen unterschiedlichen Situationen auseinandersetzen mussten. Wir sind jetzt anders aufgestellt, als wir zum größten Teil in der Hauptrunde gespielt haben." Wichtigster Aspekt: die Kadergröße.

Nach Monaten voller Verletzungen und Mini-Besetzungen steht das Team nun ziemlich gesund da. Für die erste Partie muss sogar ein überzähliger Ausländer auf die Tribüne. Aus dieser neuen Frische ziehen die Eisbären eine Menge Kraft. Zudem zeigt die Formkurve bei einigen Profis nach oben. Das allein wird gegen Straubing jedoch nicht reichen. Es gibt trotzdem viel zu verbessern. Mit den enorm schwachen Special Teams (bei Strafenzeiten im Einsatz) beschäftigte sich der Trainer jetzt intensiv. Zumal Straubing in Überzahl bislang zu den Besten gehörte, kommt den Special Teams besondere Bedeutung zu.

Entwicklung wird nachgeholt

Die Zweikampfführung wird ebenfalls wichtig. "Du musst diszipliniert und trotzdem hart spielen", sagt Krupp. Der Zug zum Tor bedarf mehr Geradlinigkeit, die Chancenverwertung mehr Konsequenz, die Defensive mehr Stabilität. Zuletzt konnten sich die Eisbären in allen Punkten bereits steigern. Besonders das Toreerzielen fiel ihnen wieder leichter. "Wir haben Selbstvertrauen getankt", sagt Baxmann. Straubing konnte jüngst in Mannheim (4:1) seine Fähigkeiten zeigen, ohne Zuversicht gehen auch die Niederbayern nicht in diese Serie.

Trotzdem scheint es, als befänden sich die Eisbären gerade in einer Phase, in der sie eine Entwicklung nachholen, die ihnen aufgrund der Umstände in der Hauptrunde versagt geblieben ist. Kein schlechter Faktor für ein Team, das bei drei Pre-Play-off-Teilnahmen bisher jedes Mal ausschied. "Man weiß das, denkt aber nicht jeden Morgen dran. Jede Serie ist dazu da, irgendwann gebrochen zu werden", erzählt Baxmann.

Ein bisschen Schaden anrichten

Und selbst als Neunter lassen sich in der DEL noch Titel gewinnen, wie es Ingolstadt 2014 vorgemacht hat. "Ich glaube nicht, dass sich im Moment irgendjemand mit irgendwelchen Wundern beschäftigt. Dafür sind wir nach dieser Saison zu bodenständig", sagt Uwe Krupp. Sein neuer Vorgesetzter, Aufsichtsratschef Luc Robitaille, sieht es so: "Mit der richtigen Einstellung können wir noch einigen Schaden anrichten." Bei der Konkurrenz, meint er. Na dann.

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