Eishockey-Play-off

Eine Nacht für die Ewigkeit

Das Marathonspiel in Straubing hat die Eisbären viel Kraft gekostet. Vor dem Viertelfinale gegen Mannheim gibt es jetzt erst einmal Ruhe.

Kyle Wilson (M.) und Bruno Gervais bejubeln den Sieg des EHC

Kyle Wilson (M.) und Bruno Gervais bejubeln den Sieg des EHC

Foto: City-Press / City-Press GbR

Berlin.  Die Ökobilanz des EHC Eisbären mag nicht die beste sein bei den vielen Reisen, die in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu absolvieren sind, aber die Berliner bewegen sich recht bewusst fort. Am Sonnabendmittag stieg ein großer Teil der Mannschaft am Flughafen Tegel in Linienbusse und machte sich auf den Weg nach Hause. Viele Spieler mit recht kleinen Augen, die kurze Nacht hatte ihre Spuren doch sehr deutlich hinterlassen.

Mit ausgiebigem Ausgang hatte das nichts zu tun, die dienstliche Pflichterfüllung forderte die Mannschaft der Berliner wie noch nie. Erst kurz vor Mitternacht konnten die Eisbären das zweite Pre-Play-off-Spiel in der Serie gegen Straubing beenden, in der 104. Minute, also in der dritten Verlängerung traf Jamie MacQueen zum 3:2 und schoss den EHC nach dem 3:1 - hier traf MacQueen sogar doppelt - in der ersten Partie damit ins Viertelfinale, das am Dienstag gegen Mannheim beginnt. "Das Gefühl ist erst einmal dementsprechend gut, weil wir einfach weiter sind. Das Pre-Play-off ist immer eine heikle Geschichte. Wir sind glücklich", sagt Verteidiger Frank Hördler.

Andere Herausforderungen als sonst

Zum ersten Mal überstanden die Eisbären diese erste Play-off-Runde nach zuvor drei gescheiterten Anläufen. Dazu mit dem ersten Auswärtssieg nach zuvor zwölf Niederlagen in der Fremde in Serie. Obendrein mit dem längsten Spiel der Klubgeschichte, dem sechstlängsten in der DEL-Historie. Der überlange Abend von Straubing bietet vieles, an das man sich noch lange erinnern wird. "Wir spielen die ganze Nacht", sangen die EHC-Fans. Die bis dahin längste Partie der Berliner hatte 2009 in Hamburg stattgefunden und war in der 79. Minute beendet (3:2).

Marathonspiele wie das in Straubing stellen die Profis vor andere Herausforderungen als sonst. "Man muss sich wahnsinnig zusammenreißen, damit man im Kopf cool bleibt und keinen Fehler macht", sagt Hördler. Die Motivation sei kein Problem, erzählt Trainer Uwe Krupp, "du musst nur darauf achten, dass wir in die richtige Richtung gehen, dass wir ruhig bleiben". Einfach ist das nicht, schließlich zehren die vielen Spielminuten an den Kräften. Zeitweise schienen die Teams die Partie nicht mehr richtig kontrollieren zu können. In der zweiten Verlängerung wurde aus fast jeder Richtungsänderung ein gefährlicher Angriff. "Für manche Momente ging es hin und her, weil beide Teams es irgendwie beenden wollten", sagt EHC-Torhüter Petri Vehanen, der 57 Paraden zeigte.

Vehanen spielte schon länger

Für den Finnen stellte die Partie kein Novum dar. Mit Lev Prag stand er 2014 im Viertelfinale der pan-russischen KHL, nach 127 Minuten unterlag er Donbass Donezk 3:4 in Spiel zwei. "Damals hatte ich heftige Krämpfe und bin nach Paraden am Ende gar nicht mehr hochgekommen. Aber diesmal hat es sich wirklich gut angefühlt", erzählt der Torhüter, der sein Team damals bis in das Finale führte.

Überhaupt hatte er weniger Schwierigkeiten als die Vorderleute: "Weil viele Schüsse kamen, konnte ich die Konzentration gut halten." Die Feldspieler dagegen wurden "von Drittel zu Drittel müder", wie Hördler erzählt. In der Kabine stellten die Betreuer Bananen und Power-Riegel in größeren Mengen bereit, dazu befüllten sie die Wasserflaschen permanent. "Jeder hat für sich gemacht, wie er das brauchte. Manche vertragen es ja auch nicht, während des Spiels zu essen. Trinken musst du viel", sagt Hördler.

Erstmals mit Krupp eine Serie gewonnen

Auch der Trainer schaute auf diese Dinge, "wir versuchen das zu fördern, dass die Spieler Kohlenhydrate in unterschiedlichen Formen reinbekommen", so Krupp, der in dem Abnutzungskampf vor allem auf die Kleinigkeiten achtete. Auf die Länge der Wechsel, auf risikoarmes Spiel. Krupp weiß genau, wie sich solche Matches anfühlen. Er beendete selbst mal ein Marathonspiel, in der 105. Minute. Das war 1996 mit Colorado Avalanche gegen die Florida Panthers in vierten Partie der Endspielserie der NHL. Es war das Tor zum Stanley Cup.

Noch mehr Geschichtliches, doch diese Dimensionen zählen nicht in der Gegenwart. Da genügt es, sich auf profanere Dinge zu beziehen. Lange in dieser Saison schienen die Berliner mental nicht in der Lage, so ein Geduldspiel zu bestehen. Als es drauf ankam, konnten sie es. "Wichtig ist, dass wir hier durchgekommen sind. Wichtig ist auch für die Spieler, die in den letzten drei Jahren hier waren, dass wir unsere erste Serie gewonnen haben", sagt Krupp, der mit dem EHC zuvor zwei Play-off-Serien bestritt und gegen Nürnberg sowie Köln verlor.

Jetzt nicht an Eishockey denken

Spiele wie das in Straubing sind solche, die mehr möglich machen, die einen aufbauen, obwohl sie viel Kraft kosten. "Aber jetzt ist es besser, ein bisschen das Eishockey zu vergessen", sagt Vehanen. Erst am Montag muss das Team wieder richtig trainieren. Die Spuren von Straubing sind nur mit Ruhe zu verwischen.

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