DEL-Viertelfinale

Die Reise der Eisbären in die verbotene Stadt

Die Eisbären und Adler Mannheim verbindet eine lange Rivalität in der DEL. Im Viertelfinale sehen sich beide Klubs nun wieder.

Eisbären-Torhüter Petri Vehanen wird gegen die Adler viel zu tun bekommen

Eisbären-Torhüter Petri Vehanen wird gegen die Adler viel zu tun bekommen

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Einen guten Hinweis für das Spannungsfeld einer Partie liefern die Befindlichkeiten der Fans. Manche von ihnen sind bei einigen Klubs nicht oder nur ungern bereit, deren Namen auszusprechen. Auch unter den Berliner Eishockeyanhängern hat es ein Team geschafft, sich dieses Privileg zu erarbeiten. Wenn der EHC Eisbären es mit einem Team aus dem Südwesten der Republik zu tun bekommt, reden sie wahlweise von der "verbotenen Stadt" oder auch "Mädchenheim". Es sind lange nicht die einzigen Namen, die den Berlinern einfallen.

Mannheim mögen die meisten nicht – und die Adler schon gar nicht. Der Zufall wollte es, dass die Berliner im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf die Kurpfälzer treffen, am Dienstag startet die "Best of seven"-Serie in Mannheim (19.30 Uhr). "Das ist ein Klassiker, der hat schon fast Derby-Charakter", erzählt EHC-Kapitän André Rankel. Gegen keinen anderen Kontrahenten in der DEL spielten die Berliner öfter, gegen kein anderes Team gibt es eine speziellere Play-off-Geschichte. Rankel sagt: "Wir freuen uns darauf."

Ewiges Duell für den EHC

Wer weiß, ob die Mannheimer das auch tun. Erster waren sie dank einer zwölf Partien währenden Siegesserie bis zum letzten Spieltag. Dann verloren sie den Spitzenplatz zum Hauptrundenende durch ein 1:4 daheim gegen Straubing. Das Team, das die Eisbären nun im Pre-Play-off bezwangen. Als Erster hätten es die Adler mit Liga-Neuling Bremerhaven zu tun bekommen, als Zweiter steht ihnen jetzt das Team gegenüber, gegen das sie in der jüngeren Vergangenheit oft schlecht aussahen, als es wichtig wurde. Dem sie den Titel des Rekordmeisters der DEL überlassen mussten.

Aus den vielen Play-off-Duellen und dem Kampf um die Vorherrschaft im deutschen Eishockey erwuchs diese besondere Rivalität. "Man hat das alles in Erinnerung", sagt Rankel, schränkt aber ein, dass dies nun keine Rolle spielen würde. Doch es gibt auch andere Stimmen. "Ich habe mir Mannheim gewünscht. Wir haben gegen die immer gute Spiele gemacht", sagt Constantin Braun. Der angeschlagene Verteidiger spricht auf die Hauptrunde an, gegen keinen der vier Topklubs haben die Berliner besser ausgesehen mit zwei Siegen und zwei Niederlagen. Gegen keinen der vier Topklubs scheinen die Eisbären realistischere Chancen zu haben, eine Überraschung zu vollbringen.

Autocheck mit Hintergrund

Vielleicht hilft die Historie ja doch dabei. Zuletzt standen sich beide Klubs 2012 im Finale gegenüber. Wie sehr die Rivalität da fortgeschritten war, zeigt eine kleine Episode. Zu Beginn der damaligen Saison hatten die Adler ein Video produziert, das gewissermaßen das Saisonziel definierte. Verteidiger Denis Reul checkte darin ein Auto mit Eisbären-Logo. Eine amüsante Nummer, aber eben mit Hintergrund. Beide Klubs hatten da fünf Meistertitel in der DEL gesammelt.

Die Mannheimer waren genervt, dass ihnen der Rang abgelaufen wurde. Am Ende übernahmen die Berliner das Prädikat des alleinigen Rekordmeisters. In der dramatischsten Form. Bei 5:2-Führung in Spiel vier bei nur noch 14 Minuten Spielzeit standen die Adler praktisch als Meister fest. Doch die Eisbären glichen aus, siegten in der Verlängerung und gewannen Spiel fünf und Titel Nummer sechs zwei Tage später in Berlin.

Titelraub 2012 bleibt allen im Gedächtnis

Sechs Serien lang duellierten sich beide Klubs bisher. Die ersten drei verloren die Eisbären, da war Mannheim der unangefochtene Topklub der Liga. Die jüngsten drei gewannen die Eisbären, jede mit einer kleinen Demütigung. Mit dem 4:0 im letzten Spiel im alten Mannheimer Friedrichspark in der Finalserie 2005. Dem Versenken der Öltanker, EHC-Stürmer Florian Busch hatte die Verteidiger als Spieler mit einem Wendekreis selbiger bezeichnet, im Halbfinale 2009. Und eben jenem Titelraub 2012.

Spiele gegen Mannheim gehen für die Berliner über den normalen Rahmen hinaus. "Das sind immer heiße Duelle", sagt Rankel. Braun findet: "Gegen Mannheim zu gewinnen, macht immer doppelt so viel Spaß." Obwohl die Berliner wegen der Hauptrunde als Außenseiter in die Serie gehen, könnte die Motivation also größer nicht sein. Zumal der Auswärtsbann in Straubing nach zwölf Niederlagen in Serie gebrochen wurde. "Das hat der Mannschaft einen Riesenschub gegeben", so Braun. Genau die richtige Gefühlslage für die erste Reise in die "verbotene Stadt".

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