Eishockey

Sven Felski: "Die Eisbären sind im Vorteil"

EHC-Legende Sven Felski glaubt im Viertelfinale um die Meisterschaft an die Kraft der Eisbären im Duell mit den favorisierten Adlern.

Sven Felski 2012 beim Feiern der sechsten Meisterschaft der Eisbären

Sven Felski 2012 beim Feiern der sechsten Meisterschaft der Eisbären

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Viel Zeit hat Sven Felski aktuell nicht. Als Geschäftsführer der Eisbären Juniors kümmert sich der 42-Jährige darum, dass die Eisbären aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auch in Zukunft genug Spieler haben. Nebenbei schreibt er seine Bachelor-Arbeit für sein Studium (Sport und angewandte Trainingswissenschaften) und ist als TV-Experte unterwegs. Die Viertelfinalserie zwischen dem EHC und den Adlern Mannheim ist ein Klassiker, den er selbst oft erlebt hat. Gegen die Adler bestritt der frühere Stürmer sein letztes Spiel, das mit dem Titelgewinn 2012 endete. Die Morgenpost sprach mit dem Klubidol über damals und heute.

Herr Felski, sind Sie eigentlich für die Serie als Experte eingeteilt?

Sven Felski: In Spiel zwei am Freitag bin ich dabei.

Ganz ruhig und analytisch am Mikrofon oder in dem Fall, es geht ja gegen Mannheim, doch eher als der Mann mit den 1000 Spielen im Eisbären-Trikot?

Ganz ehrlich, wichtig ist natürlich, dass man Fakten bringt und aufzeigt, wie sich die Mannschaften gerade präsentieren. Unabhängig davon, wer da auf dem Eis steht. Es geht ja darum, das Eishockey allgemein zu verkaufen. Das musst du authentisch machen.

Authentischer als mit warmen Worten zum EHC geht es doch gar nicht.

Wenn ich positiv über die Eisbären sprechen kann, fällt mir das natürlich etwas einfacher. Keine Frage.

Das erste Spiel am Dienstag war hart umkämpft, die Eisbären unterlagen unglücklich 3:4 nach Verlängerung. Wie würden Sie die Serie einschätzen?

Die Serie hat einen besonderen Beigeschmack, beide Klubs sind Erzrivalen, da geht es sehr emotional zu. Mannheim ist jedes Jahr ein Kandidat für die Meisterschaft. Genauso ist das auch unser Bestreben. Ich glaube, dass die Serie sehr lang werden wird, sechs Spiele mit Sicherheit. Und ich denke, dass die Eisbären einen kleinen psychologischen Vorteil haben, weil sie wissen, dass es trotz der schlechten Hauptrunde hinten raus noch gut enden kann.

Von den Topteams sahen die Eisbären gegen die Adler immer am besten aus in dieser Saison.

Ja, genau. Das meine ich. Das war eng und ausgeglichen. Deshalb glaube ich, dass es genauso weitergehen wird.

Enger als die bislang letzte Serie zwischen beiden Klubs kann es kaum sein. Das Finale 2012 war unvergesslich. Was wissen Sie denn noch?

Das Schwierigste war, nach diesem vierten Spiel den Fokus auf die nächste Partie zu lenken. Gerade als älterer Spieler musste ich versuchen, die Jungs einzufangen. Das war ja Wahnsinn, alle dachten: Jetzt hauen wir die weg. Manche hätten aus den Emotionen heraus Bäume ausreißen können. Aber das war ja nur ein Spiel. Nichts wäre schlimmer gewesen, als dort zu gewinnen und anschließend zu Hause zu verlieren.

Wie fühlte sich dieses letzte Drittel der regulären Spielzeit an? In Spiel vier des Finales standen die Eisbären mit dem Rücken zur Wand. Mannheim dagegen hatte quasi den Pokal in der Hand bei drei Toren Vorsprung und nur noch 14 Minuten Spielzeit – wie war das?

Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber wir waren doch das Spiel über nicht schlechter gewesen, wir haben nur die Tore nicht gemacht. Das war völlig kurios. Wir dachten: Das kann doch nicht wahr sein, was hier passiert. Da stimmt was nicht, so wie das hier läuft.

War es das intensivste Spiel Ihrer Karriere?

Emotional ja, das war ja etwas völlig Verrücktes. Irre ist auch, in der SAP-Arena, die immer eine tolle Stimmung bietet, die Fans der Adler mal total still zu erleben. Das schafft man auch nicht ganz so oft.

Im Spiel danach wurde es in der Mercedes-Benz Arena sehr laut, sechster Titel in Spiel fünf für die Eisbären. Sie zum 1000. Mal im EHC-Trikot. Auch zum letzten Mal, wie sich erst später herausstellte. Ganz großes Kino.

Es ist nicht einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden für das Karriereende. Aber ich glaube, der war perfekt.

Diese Serie haben bestimmt auch die Adler nicht vergessen.

Na klar, das werden sie nicht zugeben, aber das ist schon noch in den Köpfen drin. Das geht ja auch nicht weg, weil das eine Situation war, die so wahrscheinlich nie wieder eintreten wird.

Damals verschafften sich die Eisbären ein bisschen Abstand im Wettlauf um den Rang des Rekordmeisters. Der EHC steht bei jetzt sieben, die Adler inzwischen bei sechs DEL-Meisterschaften. Wenn man das erste Spiel der nun siebten Play-off-Serie zwischen beiden Klubs, der ersten ohne Sie, zum Maßstab nimmt: Können die Adler nach Titeln ausgleichen?

Solange sie im Play-off sind, ist alles möglich. Aber es gibt genug Teams, die auch Meister werden wollen und können.

Was erwarten Sie nach der starken Leistung der Eisbären in Mannheim nun am Freitag im ersten Heimspiel (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) von Ihrer Mannschaft?

Ich bin nicht überrascht, wie die Eisbären jetzt auftreten. So ist das Play-off. Die Niederlage müssen sie jetzt abhaken und die vielen positiven Dinge aus dem Spiel mitnehmen. Ich denke, es wird wieder sehr eng werden.

Und wer setzt ich am Ende durch in der Serie?

Schwer zu sagen. Aber sicher würde ich mich freuen, wenn die Eisbären weiterkommen.

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