Eisbären-Mannheim

Walker gegen Richer: Play-off mit vertauschten Rollen

Als Spieler prägten Steve Walker und Stephane Richer die Eisbären und Mannheim. Im Play-off stehen sie auf der jeweils anderen Seite.

Steve Walker, Co-Trainer der Adler Mannheim, und Stephane Richer, Co-Trainer des EHC Eisbären

Steve Walker, Co-Trainer der Adler Mannheim, und Stephane Richer, Co-Trainer des EHC Eisbären

Foto: pa/City-Press (2); Montage BM

Berlin.  Mal ein paar Zahlen. 593 Spiele für die Eisbären. 411 Spiele für die Adler. 213 Tore für Berlin. 68 Tore für Mannheim. 592 Punkte im EHC-Trikot. 261 Punkte im MERC-Leibchen. Eindeutiger Sieger nach Zahlen ist also Steve Walker (44) im Vergleich mit Stephane Richer (50). Aber wir schränken ein, dass Walker einst Stürmer war, Richer ein Verteidiger.

In ihrer Bedeutung als Spieler für den jeweiligen Klub rangieren beide auf einem Niveau. Deshalb hängen ihre Trikots in Berlin und Mannheim unter dem Dach der Arena, ihre Rückennummern, die 27 und 25, werden nicht mehr vergeben.

Nun stehen sich die beiden im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegenüber, als Assistenten des Cheftrainers. Der eine in Berlin, der andere in Mannheim. Aber in vertauschten Rollen. Walker in Mannheim, Richer in Berlin.

Beide bringen es auf neun Titel

"Das ist eine besondere Situation, Eishockey ist eine kleine Welt", sagt Richer. Vier Titel gewann er mit den Adlern zwischen 1995 und 2002. Walker brachte es auf fünf Meisterschaften mit den Eisbären zwischen 2000 und 2011. "Das ist Sport", erzählt er. Man sei eben zu unterschiedlichen Zeiten im Leben an anderen Orten. Walker lehnt an der Wand vor der Kabine der SAP-Arena, grinst über die ganze Breite des Gesichts.

Vergangenheit hat mit der Gegenwart nichts zu tun, das wird in diesem Moment ganz deutlich. Und das ist nicht mal unsympathisch, weil Steve Walker immer noch Steve Walker ist. Der Steve Walker, abseits des Eises der nette Typ, der er immer war. In Gedanken auf dem Eis der Ausnahmespieler, der früher die Tore für die Eisbären geschossen hat. Die meisten aller EHC-Profis in der DEL und im Play-off.

Es geht eben oft nur mit Pragmatik und Opportunismus im Sport. "Es war eine schöne Zeit in Mannheim. Jetzt geben wir alles für den anderen Verein. Wir machen beide unsere Aufgaben", erzählt Richer. Walker war dabei am Sonntag etwas erfolgreicher. Die Adler gewannen 3:2 in Spiel drei, führen die Play-off-Serie 2:1 an. "Wir hatten ein solides Spiel, haben sie nicht zurückkommen lassen. Nur das zählt", sagt Walker. Dafür, dass die Adler gut waren, die Eisbären aber schwächer spielten als zuletzt, fiel das Resultat trotzdem sehr knapp aus.

Eisbären wurden Meister bei letzter gemeinsamer Serie

Die letzte Serie, die beide gemeinsam erlebten, war nicht knapp. Als Stürmer führte Walker die Berliner mit drei Siegen im Finale 2005 zum ersten DEL-Titel, in nur drei Spielen. Als Cheftrainer der Adler konnte Richer damals nichts bewirken gegen den EHC. Viel Zeit erhielt er danach nicht mehr in Mannheim. Kassel und viele Jahre Hamburg als Manager waren seine späteren Stationen.

Walker wollte eigentlich nichts mehr mit dem Eishockey zu tun haben nach den Eisbären, dachte er. Merkte dann aber, nach dem Karriereende zurück in Kanada, dass er ohne doch nicht kann und Deutschland ein großes Betätigungsfeld bietet. Es wurden die Adler, vielen EHC-Fans stößt das immer noch bitter auf. "Es ist, wie es ist. Stephane ist eine Legende hier, aber das zeigt die Veränderung von einem Spieler zu einem Trainer. Heute versuche ich genauso Berlin zu schlagen, wie er Mannheim", erzählt Walker.

Böse sein kann man ihm immer noch nicht, weil er sich einfach authentisch gibt. "Wir wussten, dass wir gegeneinander spielen können, seit Stephane in Berlin angefangen hat", so der jetzige Mannheimer. Im Januar war das erst. Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Eisbären und über die gemeinsamen Jahre als Kollegen im EHC-Team einer der besten Freunde von Walker, wies auf die mögliche Begegnung in Textnachrichten kurz vor dem Viertelfinale noch einmal hin. Seither herrscht zwischen Walker und Ustorf professioneller Nachrichten-Stillstand: "Wir sprechen nach der Serie."

Berliner beginnen, ihr Spiel zu finden

Das kann noch ein bisschen dauern. "Beide Mannschaften spielen hart, es können sechs oder sieben Spiele werden", glaubt Richer, für den die Eisbären wohl eher eine Zwischenstation in der Organisation von Klub-Besitzer Anschutz sind. Für Walker dürften die Adler nach nun zwei Spielzeiten an der Bande zu einer langfristige Perspektive werden. "Der Rest des Weges wird schwer", sagt er zu der Serie: "Die Eisbären spielen jetzt mit der besten Mannschaft, die sie die Saison über hatten. Sie fangen an, ihr Spiel zu finden."

Zu beunruhigen scheint ihn das nicht, eher anzuspornen. "Das ist eine gesunde Rivalität, beide Klubs respektieren sich, haben eine lange gemeinsame Vergangenheit im Play-off. Das ist aufregend, na klar", sagt das Mannheimer Eisbären-Idol. Mit einem Lächeln erzählt der Berliner Adler-Held, dass er sich freue, "endlich auf der richtigen Seite" zu stehen.

Am Mittwoch treffen beide Assistenten wieder aufeinander, Spiel vier der Serie steht auf dem Programm (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). In einem Vergleichspunkt der beiden, das ist jetzt schon klar, hat Richer die Nase vorn: Er spricht nach vielen Jahren in Deutschland auch die Landessprache einigermaßen. Walker bleibt lieber beim Englischen.

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