Eishockey

Das Gesetz der Serie muss noch einmal greifen

Die Stärke im eigenen Haus bestimmt das Viertelfinale zwischen den Eisbären und Mannheim. Nun steht das wichtigste Heimspiel der Saison an.

Julian Talbot (r) muss sich mit den Eisbären strecken, um das Saisonende am Sonntag zu vermeiden

Julian Talbot (r) muss sich mit den Eisbären strecken, um das Saisonende am Sonntag zu vermeiden

Foto: Uwe Anspach / picture alliance / Uwe Anspach/d

Berlin.  Die Bahn ist nicht das bevorzugte Fortbewegungsmittel des EHC Eisbären, meist nutzen die Berliner das Flugzeug für ihre langen Reisen durch die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Am Sonnabendmorgen in Mannheim aber stieg die Mannschaft in den Zug, im Gesicht einen Ausdruck von etwas, das sich als Zufriedenheit interpretieren ließe. Das jedoch mehr eine Gewissheit war, nicht des Bahnfahrens wegen, sondern des schönen Gefühls, nach Hause zu fahren. In den sicheren Hafen der Heimat.

Genau als in dieser Form angelegt präsentiert sich das Viertelfinalduell zwischen den Eisbären und den Adler Mannheim bisher. Fünf Spiele sind absolviert in der "Best of seven"-Serie, fünfmal setzte sich das Heimteam durch. Der Faktor der vertrauten Umgebung genoss in keiner der drei parallelen Serien eine solche Bedeutung. Die noch dazu verstärkt wird durch die Tatsache, dass auch die vier Hauptrundenpartien zwischen beiden Teams jeweils von der Heimmannschaft gewonnen wurden.

Ein neues Element kommt hinzu

Im sechsten Spiel der Serie kommt am Sonntag allerdings ein neues Element für den Gastgeber hinzu. Das Wissen, dass das Ende der Heimstärke das Ende der Saison wäre. Die Eisbären liegen 2:3 zurück nach dem 1:3 in Mannheim am Freitag. "Die Anspannung wird bei jedem schon ein bisschen steigen", sagt Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann vor der Partie in der Mercedes-Benz Arena (14 Uhr).

Ansonsten soll aber alles ziemlich normal bleiben. "Man bereitet sich genauso darauf vor wie auf jedes andere Spiel", so Baxmann. Julian Talbot erzählt: "Wir können nicht darüber nachdenken, dass es das wichtigste Spiel der Saison ist." Der Stürmer erzielte in Mannheim das einzige Tor der Mannschaft von Trainer Uwe Krupp. Der ließ sein Team sehr defensiv auftreten. Ein Plan, der bis zum ersten großen Fehler in der 46. Minute aufging. Nach dem Rückstand genügten die offensiven Anstrengungen der Eisbären nicht mehr, das Gesetz dieser Serie zu brechen.

Talbot plötzlich Top-Scorer

"Das war schon sehr passiv, viele Schüsse auf das Tor hatten wir nicht", so Talbot. Unzufrieden wirkte Krupp dennoch nicht: "Das war ein gut geführtes Spiel von beiden Mannschaften, beide waren sehr diszipliniert." Taktisch, die Adler verzichteten ebenso auf übergroßen Drang, und bezüglich der Strafen. "Das Spiel war nicht so hart wie die Partien zuvor", fand Talbot, der mit sieben Punkten, vier Toren und drei Vorlagen, etwas überraschend DEL-Top-Scorer im Play-off ist nach einer sehr durchwachsenen Saison.

Sein Trainer lächelte nach Spiel fünf verhältnismäßig viel angesichts der Situation. Die Überzeugung von den Fähigkeiten in der eigenen Arena scheint auch ihm ein gewisses Maß an Sicherheit zu geben, sich zumindest eine weitere Chance auf ein Spiel in Mannheim erkämpfen zu können. "Dazu brauchen wir definitiv mehr Torschüsse" als Freitag, sagt Talbot. Die Intensität der Partie dürfte durch die Dringlichkeit, mit der die Eisbären agieren müssen, viel höher liegen als zwei Tage zuvor.

Torverhältnis mit Optimismus-Faktor

"Der Schlüssel ist immer, die Balance zu finden. Wir müssen so gut in der Defensive spielen wie gerade, es aber gleichzeitig schaffen, die Offensive wieder ein bisschen zu beleben. In den Heimspielen haben wir sehr viele Tore geschossen, von daher, denke ich, weiß jeder, dass das möglich ist", erzählt Baxmann. Das Torverhältnis der beiden bisherigen Heimpartien des Viertelfinales liegt bei 12:4 für den EHC.

Das bringt Selbstbewusstsein, die Berliner können mit großem Glauben an die eigene Stärke in dieses Spiel gehen, das nun zum wichtigsten Heimspiel dieser Saison wird für die Eisbären. "Ein Selbstläufer ist es aber nicht", sagt Baxmann. Diese Einschätzung bewahrt vor der Überheblichkeit, die aus dem sicheren Heimathafen ein unsicheres Gewässer machen könnte.

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