Duell gegen Mannheim

Die Eisbären und das verflixte siebte Spiel

Die Eisbären treten zum letzten Viertelfinalduell in Mannheim an. Bisher gewannen solche Entscheidungspartien meistens die Gästeteams.

Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann (l.) hält Ryan MacMurchy auf Abstand

Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann (l.) hält Ryan MacMurchy auf Abstand

Foto: imago sport / imago/Nordphoto

Berlin.  Man hat sich inzwischen daran gewöhnt. Eisbären gegen Adler, Adler gegen Eisbären, Eisbären gegen Adler. Hin und her, sechs Mal, weil beide ihre Stärken in gleicher Weise ausspielen. Weil sich keiner vom anderen abheben kann, weil auf den Sieg immer die Niederlage folgt. Im Play-off der Deutschen Eishockey Liga (DEL) führt das zwangsläufig an den Punkt, an dem in Spiel sieben das Ende der Serie klar definiert ist. Wer es gewinnt, zieht in das Halbfinale ein. Wer es verliert, kann sich überlegen, wie er den Sommer verbringt. Genau an diesem Punkt befinden sich die Eisbären aus Berlin und die Adler aus Mannheim nun. Eine Partie noch, dann gehen die Kontrahenten wieder getrennte Wege.

Zweimal mehr als 100 Minuten

In Mannheim kommt es am Dienstag zum finalen Aufeinandertreffen (20 Uhr, Sport1). "Ich erwarte, dass es eng wird", sagt EHC-Trainer Uwe Krupp. Mit einem 4:3 nach Verlängerung erkämpfte sich seine Mannschaft den Ausgleich in der Serie zum 3:3 und das Recht auf dieses siebte Spiel. Zum zweiten Mal im Play-off standen die Berliner länger als 100 Minuten auf dem Eis und offenbarten bis zum Siegtreffer von Marcel Noebels nach 100:28 Minuten eine erstaunliche Kondition. Die Eisbären dominierten die Verlängerung, sie spielten ihren Vorteil aus. "Zu Hause zu sein, hat definitiv geholfen" sagt Stürmer Nicholas Petersen.

Die Heimstärke, der bislang entscheidende Faktor in allen zehn Saisonvergleichen mit den Adlern, konnte die Eisbären in diesem Viertelfinale nur bis zu diesem Punkt bringen. "Dieses Jahr haben wir kein Heimrecht. Wir müssen ein Auswärtsspiel gewinnen. Jetzt ist es das letzte", erzählt Noebels. Die Aufgabe ist schwierig, aber vielleicht bietet die Situation sogar einen Vorteil für die Berliner.

Eisbären kennen die Bürde

Sie kennen es, als Favorit in dieses siebte Spiel zu gehen. "Ich erinnere mich letztes Jahr an Köln. Nichts ist unmöglich", so Noebels. Vergangenes Jahr erst traf der EHC als Zweiter der Hauptrunde auf den Siebten, die Kölner Haie. Das letzte Spiel in der eigenen Halle verloren die Berliner und schieden im Viertelfinale aus gegen ein Team, das aus dem Pre-Play-off kam. Bereits 2010 widerfuhr den Eisbären etwas Ähnliches. Als Team, das gerade den Hauptrunden-Punkterekord aufgestellt hatte, verlor man gegen Augsburg, den Außenseiter aus dem Pre-Play-off, das letzte Heimspiel der damals über fünf Partien gehenden Serie.

Für die an sich favorisierte Mannschaft scheinen solche Entscheidungsspiele kniffliger zu sein. Im deutschen Erstliga-Eishockey zogen sich bislang elf Serien in ein siebtes Spiel, nur vier Mal setzte sich dabei die Heimmannschaft durch. Sieben Mal gewannen die Gäste. "Mannheim ist jetzt in einer Situation, in der sie gehofft hatten, nicht zu sein", sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Eisbären.

Der Kopf spielt auf einmal mit

Als Zweitem der Hauptrunde gelang es den Adlern nicht, den aus dem Pre-Play-off kommenden Achten in die Schranken zu weisen. Begriffe wie Favorit und Außenseiter spielen eigentlich keine Rolle mehr nach den gezeigten Leistungen. Doch in den Köpfen sind sie noch verhaftet, da wäre ein Saisonaus für den einen nun eine Enttäuschung, für den anderen nur eine eintreffende Erwartung. Gegen das eine anzuspielen, kann lähmend sein. Gegen das andere aufzubegehren, Flügel verleihen.

Solche Gedankenspiele mag Ustorf nicht. "Der Druck ist jetzt für beide gleich. Du willst gewinnen. Wir sagen ja jetzt nicht, das wir zufrieden sind, die Serie so lang gemacht zu haben", so Ustorf. Nach einer schwachen Hauptrunde wäre das ein Trost, aber nichts, das glücklich macht. Die Eisbären wollen mehr erreichen als in der vergangenen Saison, den einen Schritt nach vorn machen, den ihnen seit Monaten niemand mehr zugetraut hat.

Auswärtsfluch muss enden

Das Gefühl, das schaffen zu können, treibt die Eisbären an. "Wir müssen alles reinwerfen und diszipliniert spielen, um den Mannheimern keine Powerplay-Möglichkeiten zu geben", sagt Noebels, "mit Fünf gegen Fünf haben wir eine gute Chance, dort zu gewinnen." Sie waren bereits nah dran gewesen. "Wir hätten schon ein oder zwei Spiele dort gewinnen können", erzählt Petersen. Doch bislang fehlte den Berlinern in dieser Saison auswärts das Glück. Das ist ihre Bürde für diese Partie, nur sechs von 30 Auswärtsspielen wurden gewonnen.

In Mannheim liegt der letzte Sieg schon drei Jahre zurück, neun Partien am Stück wurden verloren. Lange, das ist eine ganz natürliche Sache, wird diese Serie keinen Bestand mehr haben. Dafür hat sie schon eine zu große Ausprägung. Aus Sicht der Eisbären könnte es keinen besseren Zeitpunkt geben, die sieglose Phase in Mannheim zu beenden. Im wichtigsten Auswärtsspiel der Saison – das für Fans selbst in der Berliner Mercedes-Benz Arena übertragen wird –, dem vorerst letzten Duell zwischen Eisbären und Adler.

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