Petkovic Nachfolger

Füchse trennen sich überraschend von Trainer Richardsson

Der 44-jährige Erlingur Richardsson ist ab sofort nicht mehr Füchse-Trainer. Einen Nachfolger gibt es schon.

Erlingur Richardsson

Erlingur Richardsson

Foto: Soeren Stache / dpa

BerlinBob Hanning erinnert gerade ein bisschen an das Eichhörnchen Scrat aus dem Film "Ice Age". Immer, wenn der kleine Nager glaubt, sich aus einer misslichen Lage befreit zu haben, taucht schon das nächste Problem auf. Als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes hatte Hanning gerade etwas Ruhe in die Diskussion um die Nachfolge von Bundestrainer Dagur Sigurdsson gebracht, da holt ihn die Trainerdebatte in seiner Funktion als Geschäftsführer der Füchse Berlin ein.

Am Dienstag gaben die Füchse die Trennung von Trainer Erlingur Richardsson bekannt. Der 44-jährige Isländer hatte einen Vertrag bis 2018. Dieser wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Schon im Spiel bei der SG Flensburg-Handewitt am Sonntag (15 Uhr, Sport1) wird Velimir Petkovic als Trainer an der Seitenlinie sitzen.

In der Mannschaft fehlte zuletzt eine klare Hierarchie

Richtig überraschend kam die Entscheidung nicht, obwohl Richardsson erst 2015 die Nachfolge seines Landsmannes Dagur Sigurdsson angetreten hatte. Schon im vergangenen Jahr, als die Mannschaft nach dem Titelgewinn bei der Vereins-WM nicht die gewünschten Leistungen zeigte, hatte Hanning diesen Schritt erwogen. Zu dem Zeitpunkt hatte er aber einige Fehler seinerseits ausgemacht: Für die Verletzten Mattias Zachrisson und Paul Drux hatte er aus finanziellen Gründen keinen Ersatz geholt, der physische Zustand der Mannschaft ließ zu wünschen übrig, zudem hatte Hanning selbst Fredrik Petersen als Kapitän vorgeschlagen – ein Fehlgriff.

Inzwischen haben die Füchse große Namen wie Hans Lindberg und Steffen Fäth verpflichtet, mit Carsten Köhrbrück den athletischen Bereich professionalisiert und mit Petr Stochl einen starken Kapitän. "Die Rahmenbedingungen sind viel besser", sagt Hanning. Das instabile Bild, das die Füchse seit Wochen abgeben, erinnert aber stark an das vorherige Jahr.

Zwar steht das Team in der Bundesliga gut da. Mit 24:6 Punkten führen die Füchse mit Abstand die Verfolgergruppe hinter Kiel, Flensburg und den Rhein-Neckar Löwen an. "Das Wegbrechen der Mannschaft und die Hilflosigkeit, mit der wir dem gegenüberstehen, treiben mich aber um", sagt Hanning. Mit etwas weniger Glück wären die Füchse im EHF-Cup ausgeschieden, und auch die Tabellensituation wäre eine andere. Man darf nicht vergessen, dass die Berliner mit dem aufgestockten Kader die Champions-League-Plätze anstreben – der Abstand auf die Spitzengruppe vergrößert sich aber. Bislang haben sie alle Spiele gegen die drei Großen verloren. "Ich hatte das Gefühl, wir müssen handeln, um uns mittelfristig wieder in Richtung Champions League zu bewegen", sagt Hanning.

Richardssons Entlassung sei die für ihn schwierigste Entscheidung gewesen, seit er bei den Füchsen ist. Er hält sie aber für unvermeidbar, da die Philosophie des Trainers mit dem Charakter der Mannschaft nicht zusammenpasse. Richardsson ist nicht der Typ, der Spielern vorgibt, wie sie sich zu verhalten haben. So erklärte er, dass er seinen Profis nicht wie ein Feldwebel hinterherlaufen möchte, sondern erwartet, dass jeder eigenverantwortlich so handelt, wie es für ihn und das Team am besten ist. So allerdings ticken nicht alle Füchse-Spieler. "Wir haben einige schwierige Charaktere im Team, die man so nicht führen kann", sagt Hanning.

Dazu gehört ein Petar Nenadic genauso wie ein Hans Lindberg. Wenn solch gestandene Spieler sich erlauben, verspätet zum Training zu erscheinen oder sich über die Entscheidungen des Trainers hinwegzusetzen, wirkt sich das negativ auf das gesamte Klima aus. Hinzu kommt, dass mit Fabian Wiede und Drago Vukovic zwei Spieler länger ausfallen (beide Schulter-OP), die für Integrität stehen. "Es fehlt eine klare Hierarchie", sagt Hanning.

Die will er nun mit Velimir Petkovic installieren. Der 60-jährige gebürtige Jugoslawe soll bei den Füchsen für Ordnung sorgen. "Jetzt hält die alte Schule Einzug", sagt Hanning. Petkovic, der von 1998 bis 2004 bei der HSG Wetzlar und von 2004 bis 2013 bei Frisch Auf Göppingen als Trainer agierte, ist nicht unumstritten. Sein Abschied aus Göppingen war von Misstönen begleitet, beim ThSV Eisenach wurde er im März wegen der schlechten Tabellensituation freigestellt.

Der neue Mann unterschreibt einen Vertrag bis 2018

Petkovic ist kein einfacher Charakter, seine Trainerqualitäten sprechen aber für sich: 2005 war er Trainer der Saison, mit Göppingen gewann er 2011 und 2012 den Europapokal, auch war er schon häufiger als Trainer der deutschen Nationalmannschaft im Gespräch – zuletzt als möglicher Nachfolger für Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Nun hat er bis zum 30. Juni 2018 bei den Füchsen unterschrieben. Für Bob Hanning bleibt zu hoffen, dass er sich mit dieser Entscheidung nicht wie Scrat gleich in die nächste Katastrophe manövriert.

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