Handball-WM

Fabian Wiede: Fan auf dem Sofa statt WM-Star

Für Fabian Wiede war eine tragende Rolle im Nationalteam vorgesehen. Eine Schulter-Operation zwingt den Berline nun in die Zuschauer-Rolle.

Fabian Wiede gewann mit der deutschen Mannschaft in Rio de Janeiro die Bronzemedaille

Fabian Wiede gewann mit der deutschen Mannschaft in Rio de Janeiro die Bronzemedaille

Foto: Getty Images / Getty Images Sport/Getty Images

Berlin.  Er hatte nie eine Chance, konnte sie also auch nicht nutzen. Als Fabian Wiede Mitte Dezember an der Schulter operiert wurde, war klar, dass die deutsche Nationalmannschaft auf den 22-jährigen Fuchs bei der Handball-WM in Frankreich (ab 11. Januar) verzichten muss. Wenn das Team am Freitag gegen Ungarn (17.45 Uhr) in die Gruppenphase startet, wird der Berliner wie ganz Handball-Deutschland den Laptop ­aufklappen und sich das Spiel per ­Livestream im Internet ansehen ­(handball.dkb.de).

Bob Hanning verteidigt Übertragung durch Sponsor

Dass das möglich ist, steht erst seit dem vergangenen Donnerstag fest. Nachdem ARD oder ZDF wegen technischer Restriktionen durch Rechteinhaber BeIN Sports nicht für WM-Übertragungen in Frage kamen, hatte die Deutsche ­Kreditbank AG (DKB) die Senderechte erworben. Die ist aber auch der namensgebende Sponsor der Handball-Bundesliga und Premiumpartner des Deutschen Handballbundes (DHB). Dass die DKB die WM-Spiele überträgt, war mancherorts heftig kritisiert worden. "Das war die allerletzte Hoffnung", sagt Bob Hanning, Vizepräsident des DHB und Geschäftsführer der Füchse, eher erleichtert. "Wir sind überglücklich, dass wir den Handball nun den Fans hierzulande zeigen können." Auch sein Jungstar findet, jeder müsse "froh sein". Die DKB jetzt zu ­kritisieren, sei der falsche Weg, denn das Unternehmen habe sich ja eher ­geopfert. "Handball hat in Deutschland einen hohen Stellenwert und es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn man die deutschen WM-Spiele gar nicht ­hätte ­sehen können", sagt Wiede.

Derzeit bestimmen, fernab von Bällen und Toren, der Strömungskanal im Olympiastützpunkt und die Arbeit mit dem Physiotherapeuten Wiedes Tagesablauf. An Joggen sei "erst in ein, zwei Wochen zu denken, etwas früher vielleicht ans Fahrradfahren". Immerhin darf er so langsam mit leichtem Krafttraining beginnen. Ein nicht gerade atemberaubendes Programm für einen, der 2016 mit den DHB-"Bad Boys" Europameister, mit den Füchsen Klubweltmeister geworden ist und zwischendurch in Rio eine olympische Bronzemedaille gewonnen hat.

Linkshänder hofft auf Comeback Ende Februar

"Natürlich wäre ich lieber topfit und mit den Jungs nach Frankreich gefahren", sagt der 1,93 Meter große Linkshänder, der, wäre er unverletzt, im WM-Aufgebot von Bundestrainer Dagur Sigurdsson sicher gesetzt gewesen wäre. "Aber solche Rück­schläge gibt es halt im Sport und die werden mich nicht aus der Bahn ­werden. Ich arbeite jetzt hart, damit ich im nächsten Jahr wieder dabei sein kann. Richtig frustriert bin ich ­jedenfalls nicht." Was vielleicht auch daran liegt, dass der Youngster, der 2009 aus Bad Belzig über den 1. VfL Potsdam zu den ­Füchsen kam und seinen Vertrag in Berlin im Mai 2016 bis 2021 verlängerte, Glück im Unglück hatte. Als er sich am 12. Dezember auf den Operationstisch legte, musste er noch von einer sechsmonatigen Pause ausgehen, weil eine Knorpelverletzung zu vermuten war. Da "nur" ein Sehnenriss repariert werden musste, scheint jetzt ein Comeback ein paar Spieltage nach dem 11. Februar, wenn die Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufgenommen haben wird, möglich.

Und vielleicht käme er, hofft Wiede, dann doch wie seine "Bad Boys" aus Frankreich zurück. "Irgendwie will ich die Mannschaft besuchen und anfeuern", sagt Wiede. Schließlich säße er ja bei Bob Hanning in dessen Doppelfunktion sozusagen an der Quelle. "Während der Vorrunde wird es wahrscheinlich nicht klappen, weil ich in Berlin noch Termine habe, ich denke da eher an die K.o.-Runde."

So zu planen, ist wohl nicht vermessen. Denn nach den Ungarn warten in der Gruppe C Chile, Saudi-Arabien, Weißrussland und Kroatien auf Europameister Deutschland. Die ersten Vier ­erreichen das WM-Achtelfinale.

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