Bundesliga

Hertha sucht bis zu vier neue Spieler

Berliner planen den Kader für die nächste Saison. Nach einem Stürmer und einem Flügelspieler wird gefahndet. Ingolstadts Leckie ist ein Kandidat

Muss sich umgucken: Herthas Trainer Pal Dardai und Manager Michael Preetz denken schon über das Personal für die kommende Saison nach

Muss sich umgucken: Herthas Trainer Pal Dardai und Manager Michael Preetz denken schon über das Personal für die kommende Saison nach

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Mathew Leckie ist Australier. Er spielt beim FC Ingolstadt, gilt als netter Kerl und war zufällig in der vergangenen Saison der schnellste Spieler der Bundesliga. Spitzentempo 35,26 km/h wurde beim 26-Jährigen gemessen, womit Leckie sogar flotter war als Dortmunds Windhund Pierre-Emerick Aubameyang (34,98 km/h). Was Mathew Leckie nicht ist: Rechtsverteidiger. Trotzdem könnte der gelernte Flügelstürmer bald auf dieser Position auflaufen – bei Hertha BSC.

Am vergangenen Donnerstag saß die sportliche Führung des Berliner Bundesliga-Fünften nach Morgenpost-Informationen zusammen, um über die Zukunft zu sprechen. Herthas Manager Michael Preetz, die beiden Scouts Torsten Wohlert und Sven Kretschmer sowie das ganze Trainerteam um Pal Dardai stellten sich Fragen: Wo sehen wir in unserem Kader Verbesserungsbedarf? Wieviel Geld ist für neue Spieler da? Und wer könnte uns weiterhelfen? Preetz und Co. kamen zur Erkenntnis, dass sie zwei Pläne benötigen würden und sie am Ende wohl auch etwas erfinderisch sein müssen.

Auch ein Rechtsverteidger und ein Ersatztorwart auf der Liste

Plan A geht so: Hertha qualifiziert sich diesmal für die Europa League oder verpasst sie knapp. Für beide Fälle hat die erste Kaderanalyse ergeben, dass bis zu vier neue, vor allem junge, schnelle Spieler benötigt werden könnten.

Beginnen wir hinten: Der Vertrag von Ersatztorwart Thomas Kraft läuft im Sommer aus. Es könnte sein, dass der 28-Jährige, der seinen Stammplatz an Rune Jarstein verloren hat, geht. In diesem Fall würde Hertha sich nach einem neuen Schlussmann umschauen, weil der dritte Torwart, Nils Körber (20), noch zu unerfahren ist. Der bis Sommer an Osnabrück ausgeliehene Marius Gersbeck (21) wäre allerdings auch noch eine Option. Eine Verlängerung mit Kraft ist vor allem dann denkbar, wenn Hertha international spielen sollte. Auf Krafts Erfahrung würden die Blau-Weißen dann ungern verzichten.

Rücken wir eine Reihe vor, und hier kommt Mathew Leckie ins Spiel. Hertha sucht nach einem Rechtsverteidiger. Mitchell Weiser, der dort spielen kann, wird aufgrund seines Drangs zum Tor gern im Mittelfeld eingesetzt. Peter Pekarik, der rechts in der Viererkette bisher 21 Saisonspiele absolviert hat, gilt als defensiv sehr solide, aber offensiv zu harmlos. Der Vertrag des 30-Jährigen läuft nur noch ein Jahr.

Kommt Leckie, soll er umgeschult werden

Leckie (20 Saisonspiele, drei Vorlagen) ist ein Kandidat, obwohl er seit seiner Ankunft in Deutschland 2011 weder in Mönchengladbach, noch beim FSV Frankfurt oder dem FC Ingolstadt Rechtsverteidiger gespielt hat, sondern links oder rechts auf dem Flügel sowie als Stürmer. Bei Hertha würde der australische Nationalspieler umgeschult – wenn er denn zu haben ist. Sein Vertrag bei den "Schanzern" wurde im September bis 2019 verlängert.

Aber das Interesse an Leckie zeigt, wonach Hertha sich umschaut: Nach entwicklungsfähigen Spielern mit Tempo. Die Geschwindigkeit, um auch mal Kontergegenstöße ausspielen und somit das Spielsystem variabler gestalten zu können, fehlt im Kader mit Ausnahme von Weiser, Alexander Esswein und Genki Haraguchi. Die beiden letztgenannten erzeugen jedoch zu wenig Torgefahr.

Und deshalb sucht Hertha neben einem möglichen neuen Ersatztorwart und einem Rechtsverteidiger auch nach einem schnellen, torgefährlichen Flügelspieler. Der Freiburger Vincenzo Grifo (23), mit elf Vorlagen neben Leipzigs Emil Forsberg und Bayerns Thomas Müller der beste Vorbereiter der Liga, wird das nicht sein. Verlängert Salomon Kalou seinen Vertrag in Berlin, wonach es schwer aussieht, ist Grifo kein Thema mehr.

Nach Ibisevic in Jung wird gesucht

Spielertyp Nummer vier, nachdem Hertha fahndet, ist Vedad Ibisevic in Jung. Hinter dem 32 Jahre alten Kapitän sucht Preetz nach einem jungen, robusten Stoßstürmer, falls Ibisevic mal ausfallen sollte. Der Bosnier war an fast der Hälfte aller Berliner Saisontreffer (32) direkt beteiligt (zehn Tore, vier Vorlagen), die Abhängigkeit von ihm ist groß.

Julian Schieber, der bisweilen ein guter Vertreter war, hat sich erneut schwer am Knie verletzt. Im eigenen Nachwuchs gibt es einen solchen Stürmertyp alter Schule nicht, weshalb man sich auf dem Transfermarkt umschaut.

Das war Plan A. Kommen wir zu Plan B, und der hat zwei Ebenen. Hertha muss immer auch damit rechnen, dass ein finanzstarker Verein Spieler wie Weiser und John Brooks abwirbt. Darauf gilt es sich vorzubereiten.

Plan B, wenn die Champions League erreicht wird

Doch Plan B tritt hauptsächlich in Kraft, sollte den Berlinern tatsächlich die sensationelle Qualifikation für die Champions League gelingen. Hertha liegt im Moment nur zwei Punkte hinter Hoffenheim auf Rang vier.

Kommt es so, wäre beim immer noch klammen Hauptstadtklub plötzlich mehr Geld zur Verfügung. Und dann würde man neben den Jungen, Schnellen wohl auch noch einen oder zwei Spieler mit Erfahrung suchen. Bei der dann anstehenden Doppelbelastung gegen renommierte Teams bräuchte es einen tieferen Kader als bisher.

Kommen Neue, müssen Alte gehen. Das wird auch bei Hertha so sein. Die Devise lautet hier: Wer sich nicht weiterentwickelt, für den wird künftig kein Platz mehr sein. Denn Hertha hat vor, zu neuen Höhen aufzubrechen.

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