Vertragsverlängerung

Salomon Kalou verlängert bei Hertha BSC

Jetzt ist es perfekt: Angreifer Salomon Kalou bleibt Berliner! Der Ivorer verzichtet für Berlin auf rund fünf Millionen Euro pro Jahr.

Gegen Borussia Dortmund gelang Herthas Salomon Kalou (l.) zuletzt sein fünftes Saisontor

Gegen Borussia Dortmund gelang Herthas Salomon Kalou (l.) zuletzt sein fünftes Saisontor

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin. Manchmal reicht es eben nur zu kleinen Sprüngen – so wie bei Salomon Kalou am Mittwochvormittag. Herthas Angreifer hüpfte auf dem Trainingsplatz beidbeinig über eine Markierung von links nach rechts, kontrolliert, stabil, mit den Händen in der Hüfte, ohne großartig abzuheben. Während sich die Kollegen mit Spielformen auf die Partie am Sonnabend beim 1. FC Köln vorbereiteten, beließ es Kalou bei einer besseren Reha-Einheit. Noch zwickt der verhärtete Oberschenkel – eine Folge von Herthas sensationellem 2:1 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende, bei dem Kalou die Führung erzielt hatte, ehe er angeschlagen vom Platz humpeln musste. Ob es für Köln reicht? "Das", sagte Trainer Pal Dardai, "muss Salomon selbst entscheiden."

Keine drei Stunden später hatte Kalou dann bereits eine Entscheidung getroffen – und wollte von kleinen Sprüngen nichts mehr wissen. Köln ja oder nein, das spielte vorerst keine Rolle, stattdessen setzte der 31 Jahre alte Ivorer zum großen Satz Richtung Zukunft an und verlängerte seinen in diesem Sommer auslaufenden Vertrag beim Berliner Fußball-Bundesligisten. Um 14 Uhr reimte Manager Michael Preetz bei Twitter: "Der nächste Clou: Salomon Kalou! Auch unsere Nummer acht bleibt Herthaner."

Nettogehalt von acht Millionen Dollar pro Saison offeriert

Wirklich überraschend kommt das Bekenntnis zu Berlin nicht. Schon vor zwei Wochen hatte Kalou im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, dass Hertha seine erste Option sei – trotz lukrativen Angeboten aus China. Nach Morgenpost-Informationen wurde Kalou in Fernost ein Nettogehalt von acht Millionen Dollar pro Saison offeriert. In Berlin kann er inklusive Prämien bestenfalls gut drei Millionen Euro verdienen. Statt für das große Geld entschied sich Kalou für die sportliche Herausforderung, für den attraktiven Standort Berlin und eine spannende Perspektive. "Ich fühle mich wohl in Berlin und möchte mithelfen, dass sich die Mannschaft weiter so gut entwickelt wie in den vergangenen Jahren", sagt er. Als Tabellenfünfter befindet sich Hertha derzeit klar auf Europapokalkurs.

Das blau-weiße Team der Zukunft gewinnt damit weiter an Kontur. Bereits im November war es Preetz gelungen, Stürmer Vedad Ibisevic bis 2019 zu binden. Nun also bleibt mit Kalou auch der zweite Torgarant. Wie wertvoll das erfahrene Duo ist, bewies es erst am vergangenen Sonnabend. Beim umjubelten 2:1 gegen den BVB bereitete Ibisevic (32) den Führungstreffer vor – Kalou vollstreckte. "Wir verstehen uns unheimlich gut", sagte der Bosnier anschließend, "ich weiß einfach sehr oft, wo ich Salomon finde." Gemeinsam waren Ibisevic (10 Saisontore/4 Vorlagen) und Kalou (6/4) bislang an 75 Prozent der Hertha-Treffer beteiligt.

Wie lange Kalous neues Arbeitspapier läuft, wollte der Klub nicht offiziell kommunizieren. Die Morgenpost erfuhr: Es handelt sich um einen Zwei-Jahres-Vertrag samt Option auf eine dritte Saison.

Nun ist Kalou mit 31 nicht mehr der Jüngste, außerdem wünscht sich Dardai eigentlich mehr Geschwindigkeit auf dem Flügel. Dass sich Hertha trotzdem streckte, um den Champions-League- und Afrika-Cup-Gewinner zu halten, hat jedoch gute Gründe. Seine herausragende Trefferquote, sein hervorragendes Spielverständnis, und nicht zuletzt sein Charakter. "Salomon ist ein echter Champion", sagt Dardai. "Er hat alles gewonnen und ist trotzdem immer noch hungrig."

Der Afrika-Cup-Sieger gilt auch charakterlich als Vorbild

Tatsächlich zählt der mit Hertha-Profi mit den meisten Dekorationen auch zu den demütigsten und bescheidensten. Ein Zug, den jeder Trainer zu schätzen weiß, allein schon wegen der Vorbildwirkung. Während Kalou allmählich auf die Zielgerade seiner Karriere einbiegt, befinden sich Spieler wie John Brooks (24), Mitchell Weiser (22) oder Niklas Stark (21) schließlich noch in ihrer Entwicklung.

So wie das aktuelle Hertha-Team. Das will am Sonnabend dem Traum von Europa ein Stück näher kommen. Ein Sieg beim direkten Konkurrenten Köln wäre der nächste Sprung – und zwar ein ordentlicher.

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