Bundesliga

Bei Herthas Duell gegen Wolfsburg steht viel auf dem Spiel

Hertha kämpft um den Europapokal, Wolfsburg gegen den Abstieg: Beide Teams müssen am Sonnabend dringend punkten.

Herthas Marvin Plattenhardt (l.), hier im Zweikampf mit dem Wolfsburger Daniel Caligiuri (M.), traf beim 3:2-Sieg der Berliner im Hinspiel

Herthas Marvin Plattenhardt (l.), hier im Zweikampf mit dem Wolfsburger Daniel Caligiuri (M.), traf beim 3:2-Sieg der Berliner im Hinspiel

Foto: Peter Steffen / picture alliance / Peter Steffen

Berlin.  "Antreten zum Endspurt", so oder so ähnlich könnte sie lauten, die Überschrift über der Trainingswoche bei Hertha BSC. Am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) steht im Olympiastadion schließlich die erste von nur noch fünf verbleibenden Partien dieser Saison an. Ein Duell, das endgültig die Zeit der Entscheidungen einläutet. Viel steht auf dem Spiel. Hertha kämpft um den Einzug in die Europa League. Wolfsburg gegen den drohenden Abstieg. Jeder Punkt zählt.

Trainer Pal Dardai nimmt seine Spieler in die Pflicht

Zum Auftakt der Trainingswoche hielt Hertha-Coach Pal Dardai deshalb eine fast viertelstündige Ansprache an seine Spieler. "Ich habe ihnen gesagt, dass jetzt die Endphase kommt", erklärte der Ungar. "Sie alle müssen jetzt konzentriert sein und nur für den Fußball leben – wir brauchen alle Kräfte." Dardai nimmt seine Spieler bewusst in die Pflicht. Jeder ist verantwortlich. Für die eigene Fitness und Motivation, und somit natürlich auch für die Leistung des Teams.

Er wolle keinen zusätzlichen Druck erzeugen, sagte der Trainer noch – wohl wissend, dass seine Mannschaft auch so vor einem echten Stresstest steht. Drei Siege brauche es noch für den Sprung ins internationale Geschäft, hatte Dardai errechnet. Nach Wolfsburg heißen die Gegner Bremen (auswärts), Leipzig (zu Hause), Darmstadt (a) und Leverkusen (h).

Nun ist Dardai einerseits mit einem optimistischen Naturell gesegnet, zum anderen aber auch Realist. "Wir haben in den letzten paar Wochen zu viele Verletzungen", räumte er ein, er könne nicht "die beste Elf" aufbieten. Daran, dass Sechser Niklas Stark (Überlastungsreaktion im Fuß) und Rechtsverteidiger Mitchell Weiser (Aufbautraining nach Muskelfaserriss) in dieser Saison noch eingreifen können, wagt der Trainer nicht recht zu glauben. Bei Fabian Lustenberger (Schambeinentzündung) ist weiter Geduld gefordert, bei Valentin Stocker (Muskelfaserriss) hat die medizinische Abteilung den 34. Spieltag als Rückkehrtermin anvisiert. Ernüchternd.

Wolfsburg fehlt die halbe Abwehr

Rund 200 Kilometer weiter westlich ist die Lage nicht weniger angespannt. Mit Jeffrey Bruma (Knie-OP) und Ricardo Rodriguez (Syndesmoseteilabriss) fehlt dem VfL momentan die halbe Abwehr. Hinzu kommt die bittere Erkenntnis, dass die Wintereinkäufe Paul-Georges Ntep (5 Millionen Euro) Victor Osimhen (3,5 Mio.) und Ex-Herthaner Ashkan Dejagah (ablösefrei) statt der Kaderqualität bislang nur den Verletztenstand erhöht haben.

Wolfsburgs Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt derzeit nur einen Punkt. Im 20. Erstligajahr des Klubs ist der Abstieg noch immer ein realistisches Szenario. Mit der Ankunft von Trainer Andries Jonker (54), der Anfang März den glücklosen Valerien Ismael beerbte, hat sich die Stimmung am Mittellandkanal jedoch spürbar verbessert. "Ich bin froh, dass wir einen Trainer haben, der endlich sagt, dass wir Spaß am Fußball haben sollen", sagte Nationalstürmer Mario Gomez. Jonker, von 2012 bis 2014 schon Co-Trainer in Wolfsburg, hat dem VfL die Schwere der bislang so unheilvollen Saison genommen. Mit holländischer Nonchalance ("Wir müssen hier ein kleines Problem lösen"), klaren Vorgaben und neuer Struktur. Anders als unter Ismael ist Gomez gesetzt und wird von weit aufrückenden Außenverteidigern mit Flanken versorgt.

So richtig schlau ist aber auch Jonker noch nicht aus seinem Luxuskader (Marktwert 154 Millionen) geworden. "Das Niveau auf dem Trainingsplatz ist teilweise höher als in den Spielen", sagt er. Was fehlt, ist – ähnlich wie bei Hertha – die Konstanz. Auf einen Überraschungserfolg beim Tabellenzweiten Leipzig im März (1:0) folgte im April ein 0:1 gegen Freiburg und ein kleines Debakel auf Schalke (1:4). Vorige Woche gewann der VfL dann gegen Abstiegskonkurrent Ingolstadt 3:0. Ein Befreiungsschlag, wenn auch ohne spielerisch zu überzeugen. Sei's drum, für die B-Note kann sich ohnehin niemand mehr ereifern, weder Jonker noch Dardai. Punkte, nur darum geht es jetzt noch – egal ob im unteren oder oberen Teil der Tabelle.

Talent Julius Kade winkt erster Startelf-Einsatz

Die Wahl des richtigen Personals beschäftigt Dardai dafür umso mehr. Weil Allan (20) beim jüngsten 0:1 in Mainz als Stark-Vertreter enttäuschte, wird Vladimir Darida ins defensive Mittelfeld zurückgezogen. Womit sich die Frage stellt: Wer übernimmt die Rolle des Zehners? "Ein fitter Ondrej Duda wäre perfekt", sagte Dardai, doch dem lange verletzten Slowaken traut er noch nicht mehr als 30 Minuten zu. Stattdessen rückt immer stärker der erst 17 Jahre alte Julius Kade ins Blickfeld des Trainers. Im Training und bei seinem Kurzeinsatz in Mönchengladbach zeigte das Talent ansprechende Leistungen. Bei einem gut 60-minütigen Einsatz für die U23 in der Regionalliga gegen Babelsberg (3:1) gelang ihm am Mittwoch ein Tor. "Man darf nicht vergessen, dass er fast noch ein Baby ist", sagt Dardai, "aber Torgefahr und der letzte Pass, das sind seine Stärken." Stärken, die Hertha im Saisonendspurt bestens gebrauchen könnte.

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