Zweite Liga

Unions Banklehrling Zejnullahu vor der Zwischenprüfung

Union-Mittelfeldspieler Zejnullahu steht in Karlsruhe als Ersatz für Kapitän Kroos bereit. Pluspunkte kann der Techniker gut brauchen.

Für Eroll Zejnullahu läuft es in dieser Saison bislang nicht so gut

Für Eroll Zejnullahu läuft es in dieser Saison bislang nicht so gut

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / Thomas Eisenh

Berlin.  Der Kapitän muss zuschauen, führungslos wird der 1. FC Union im Duell beim Karlsruher SC dennoch nicht sein. Dafür hat der Berliner Fußball-Zweitligist trotz des Fehlens von Felix Kroos wegen der fünften gelben Karte genug Profis auf dem Platz, auf deren Schultern die Kroos'schen Leader-Qualitäten verteilt werden können. Dass die personelle Lücke dennoch gefüllt werden muss, steht außer Frage.

Hier kommt Eroll Zejnullahu ins Spiel. Geht es nach dem 22-jährigen Mittelfeldspieler, ist das ruhig wörtlich zu verstehen. Denn Eigengewächs Zejnullahu, in der vergangenen Saison noch ein gesetzte Größe, absolviert eine Bank-Lehre, seitdem Jens Keller die Köpenicker im vergangenen Sommer als Trainer übernommen hat.

Nun bietet sich ihm die Chance zu zeigen, dass mehr in ihm steckt als nur jemand, der den Kader auffüllt und auf den der Trainer im Bedarfsfall zurückgreifen kann. Sein Credo klingt wie eine Kampfansage: "Ich lasse mich nicht unterbuttern, sondern nehme die Herausforderung an. Irgendwann wird meine Chance kommen, und dann muss ich da sein." In Karlsruhe ist die Chance da, auch wenn sie nur aus der Not heraus geboren ist.

Trainer Keller lobt Zejnullahus Entwicklung

Immerhin ist Coach Keller mit der Entwicklung Zejnullahus in den vergangenen Wochen zufrieden. "Er hat vergangene Saison sehr oft von Anfang an gespielt, diese Saison nicht ganz so viel. Bevor die Winterpause kam, hatte er sich sicherlich ein bisschen hängen lassen und sogar mit dem Gedanken gespielt, den Verein zu verlassen. Aber er ist aus der Winterpause sehr positiv zurückgekommen, hat eine gute Vorbereitung absolviert und sich so präsentiert, wie ich es mir von einem Profi vorstelle, der hinten dran ist. Aber das kann ich auch von jedem Spieler erwarten, sie wollen ja auch am Ende des Monats ihr Geld haben."

Keine Frage, es sind die schwersten Wochen, die Zejnullahu in seiner noch jungen Profikarriere zu überstehen hat. Die den sonst so fröhlichen Techniker haben nachdenklich werden lassen.

"Klar gibt es Tage, an denen man sich bis in die Nacht Gedanken macht. Das ist eine neue Erfahrung, mit der muss ich aber umgehen und schauen, dass ich mich wieder reinkämpfe", gibt er einen kleinen Einblick in sein Seelenleben: "Ich bin schon ein Spieler, der viel nachdenkt, aber das hindert mich nicht daran, am nächsten Tag wieder hundert Prozent zu geben."

Seine Länderspielreisen stehen auf dem Prüfstand

Hundert Prozent, um sich bei Union auch unter Keller durchzusetzen und zumindest seinen bis 2018 laufenden Vertrag zu erfüllen. Oder auch um sich mit guten Leistungen ins Schaufenster zu stellen, wenn es nötig sein sollte. "Was nach 2018 sein könnte, darüber habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht", sagt der kosovarische Nationalspieler.

Wohl wissend, dass er seine internationalen Reisen möglicherweise hinten anstellen muss, will er bei Union die Kurve bekommen. "Klar, wenn es sehr, sehr schlecht läuft, muss man sich schon Gedanken machen", erklärt der Berliner auch mit Blick auf einen möglichen Vereinswechsel: "Aber es kann auch ganz schnell gehen und ich in der Rückrunde mehr Spiele machen. Das ist mein Ziel."

Die Schlüsselspiele , die Union mit den Gegnern Karlsruhe, 1860 München (24.2.), Würzburger Kickers (3.3.) und St. Pauli (10.3.) bevorstehen, werden somit auch zu Wegweisern für Zejnullahu. Auch wenn wohl sicher ist, dass er seine Bank-Lehre nach der Zwischenprüfung in Karlsruhe fortsetzen wird müssen, wenn Felix Kroos am kommenden Freitag gegen München wieder zurückkehrt.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene