Wintereinbruch

Land lässt Frost von Hubschraubern aus dem Weinberg pusten

Hubschrauber-Flüge, Strohfeuer und Kerzenmeer: Zum Schutz vor Frost greifen Wein- und Obstbauern aktuell zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Die Winzer in Baden-Württemberg hoffen, dass die Temperaturen in Bodennähe mit Hilfe der Hubschrauber um bis zu vier Grad steigen.

Die Winzer in Baden-Württemberg hoffen, dass die Temperaturen in Bodennähe mit Hilfe der Hubschrauber um bis zu vier Grad steigen.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Obersulm.  Nach größeren Verlusten bei der Weinlese im vergangenen Jahr hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag Hubschrauber zum Schutz junger Reben vor Frost eingesetzt. Wie Agrarminister Peter Hauk (CDU) in Obersulm sagte, sollen so kalte und warme Luft ausgetauscht werden. Sogenannte Inversionswetterlagen, bei denen die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren, können im Weinbau erhebliche Frostschäden verursachen.

"Wir können die Temperatur um bis zu vier Grad erhöhen", sagte Hauk. Die zweistündigen Flüge in 15 Metern Höhe seien aber nur bei leichtem Bodenfrost sinnvoll. Zunächst sind demnach zwei Tage für den Test auf rund 100 Hektar Land geplant.

Hubschraubereinsätze kosten insgesamt 40.000 Euro

Die Einsätze am Donnerstag und Freitag kosten insgesamt etwa 40.000 Euro, das Land beteiligt sich zur Hälfte daran. Für den Rest kommen die Winzer auf, über deren Weinbaugebiete geflogen wird.

Auch die Winzer des Sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth versuchen, die jungen Knospen ihrer Weinreben zu schützen. Dazu zünden die Winzer in mehreren Nächten Feuer in den Weinbergen an. "Viel Rauch, wenig Flammen, das ist das Beste", erklärte Teamleiter Roy Paul am Donnerstag.

Temperatursteigerung durch Rauch

Der Rauch, der durch die Weinberge zieht, könne die Temperatur über dem Boden um ein bis zwei Grad steigen lassen. "Die können entscheidend sein, wenn die Knospe schon aufgegangen ist", sagt Paul.

Unter anderem entfachten die Weinbauern in der Nacht zum Donnerstag in einer besonders empfindlichen Lage in Priestewitz im Landkreis Meißen bis in die frühen Morgenstunden dutzende kleine Holz- sowie größere Strohfeuer. Auch noch in der Nacht zum Freitag sollen insgesamt rund 200 Weinbergsfeuer auf einer Fläche von rund 19 Hektar angezündet werden. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir die Bestände damit retten können", sagte der Sprecher von Schloss Wackerbarth, Martin Junge.

Eine weitere Variante hat ein Obstbauer in Norsingen (Baden-Württemberg) ausprobiert: Zwischen seine Pfirschbäume platzierte Joel Siegel 180 riesige Wchskerzen. Bei Temperaturen von minus einem Grad wollte er so die empfindlichen Blüten schützen. (jkali/dpa)

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