Lohngleichheit

Darum hält sich Gehaltsunterschied in Deutschland hartnäckig

Im Schnitt erhalten Frauen 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Ein neues Gesetz soll Transparenz und Lohngerechtigkeit schaffen.

Bei ähnlicher Qualifikation verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen – im Durchschnitt sechs Prozent.

Bei ähnlicher Qualifikation verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen – im Durchschnitt sechs Prozent.

Foto: Werner Krüperue / epd

Berlin.  Sie machen die selbe Arbeit – und trotzdem verdienen Frauen in Deutschland in vielen Fällen immer noch weniger als Männer. Durchschnittlich 21 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen bekamen weibliche Angestellte 2016, das gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt. Frauen verdienten demnach einen Stundenlohn von durchschnittlich 16,26 Euro brutto, Männer erhielten 20,71 Euro.

Die Zahlen der Statistiker zeigen, der Lohnunterschied hält sich hartnäckig: Seit 2006 näherte sich der durchschnittliche Stundenlohn von Männern und Frauen nur um zwei Prozentpunkte an. Es sei ein "stetiger, aber langsamer Rückgang" der Verdienstunterschiede zu sehen, sagten die Statistiker. Knapp drei Viertel dieser Lohnlücke zwischen Mann und Frau lassen sich laut den Statistikern mit Ursachen erklären, die nicht direkt auf die Rollenbilder der Geschlechter zurückzuführen sind.

Gesellschaftliche Unterbewertung

Frauen seien demnach häufiger in Branchen und Berufen tätig, in denen niedrigere Gehälter gezahlt werden. Sie bekleideten deutlich seltener als Männer Führungspositionen. Zudem sind sie häufiger in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt. Aber auch bei ähnlicher Qualifikation und dem selben Job verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen – im Durchschnitt sechs Prozent.

Die Geschlechterforscherin Christina Klenner sieht einen Grund der Lohnlücke in "einer gesellschaftlichen Unterbewertung dessen, was Frauen tun". Ursachen für ein niedriges Gehalt, wie etwa die Berufswahl oder die Position im Unternehmen, seien letztlich auch mit der Sozialisation der Geschlechter zu erklären. Frauen hätten etwa beim Zugang zu Führungspositionen schlechtere Chancen als Männer.

Große Entgeltlücke

Doch selbst wenn sie aufsteigen, bleibt die Bezahlung schlechter: "Gelingt Frauen der Aufstieg, erhalten sie oft weniger als Männer in ähnlichen Positionen", sagt Klenner. "Oben in der Hierarchie ist die Entgeltlücke besonders groß." Schlecht bezahlte Teilzeitstellen würden Frauen zudem oft nur deshalb annehmen, weil sie innerhalb der Familie nach traditioneller Vorstellung weitere Aufgaben übernehmen, etwa im Haushalt oder bei der Kindererziehung.

"Teilzeit ist für Frauen oft kein Wunsch", sagt Klenner, "sondern eine Notwendigkeit." Zusammengefasst bringt es die Wissenschaftlerin auf die Formel: "Frauen werden schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind."

Auskunftsrecht über Gehalt

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) deutet die aktuellen Zahlen zwar als leichten Fortschritt: "Es ist ein bisschen Bewegung in den Lohnabstand zwischen Frauen und Männern gekommen – durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, der Frauenquote und den Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Aber das reiche nicht. Deshalb sei das sogenannte Entgelttransparenzgesetz notwendig.

Das Gesetz wird derzeit im Bundestag beraten. Es sieht vor, dass Beschäftigte in Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern ein Auskunftsrecht darüber erhalten, was eine vergleichbare Gruppe des anderen Geschlechts verdient. Diese Transparenz solle mehr Lohngerechtigkeit schaffen, erklärte Schwesig.

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